CAP
ENCAVIS
Anteil der Short-Position: 12,21%
WDI
WireCard
Anteil der Short-Position: 8,40%
COK
Cancom IT Systeme
Anteil der Short-Position: 7,69%
DEQ
Deutsche EuroShop
Anteil der Short-Position: 7,45%
LHA
Lufthansa
Anteil der Short-Position: 7,01%
SAE
SHOP APOTHEKE EUR...
Anteil der Short-Position: 6,08%
DUE
Dürr
Anteil der Short-Position: 6,06%
GBF
Bilfinger Berger
Anteil der Short-Position: 5,82%
ZIL2
ElringKlinger
Anteil der Short-Position: 5,61%
TKA
ThyssenKrupp
Anteil der Short-Position: 4,77%
HFG
HELLOFRESH INH
Anteil der Short-Position: 4,30%
BOSS
HUGO BOSS
Anteil der Short-Position: 3,55%
ZO1
ZOOPLUS
Anteil der Short-Position: 3,44%
TEG
TAG Immobilien
Anteil der Short-Position: 3,28%
GLJ
GRENKE
Anteil der Short-Position: 3,23%
FRA
Fraport
Anteil der Short-Position: 2,78%
DRW8
DRAEGERWERK ST.A....
Anteil der Short-Position: 2,50%
INS
INSTONE REAL EST.GRP
Anteil der Short-Position: 1,88%
BVB
Borussia Dortmund
Anteil der Short-Position: 1,58%
EVK
EVONIK INDUSTRIES
Anteil der Short-Position: 1,50%
UTDI
United Internet
Anteil der Short-Position: 1,24%
MOR
MorphoSys
Anteil der Short-Position: 0,69%
RAA
Rational
Anteil der Short-Position: 0,62%

ThyssenKrupp: Stahlaktie mit Chance auf Neubewertung

 

Während die Aktien von Henkel, Beiersdorf, Adidas oder auch Bayer in diesem Jahr neue Rekordhochs markierten, fällt die Bilanz für ThyssenKrupp tiefrot aus – und zwar gleich doppelt. Nicht nur das Zahlenwerk der Essener war negativ, auch die Performance der Aktie ist wahrlich kein Kaufargument. Aktuell gibt es den Stahlkonzern für rund 15,50 Euro. Zur Einordnung: Wer bereits 1994 Anteile an dem Blue Chip hielt, hat bis heute – ohne Berücksichtigung der meist mageren Dividende – über die reine Kursperformance keinen Cent verdient. Doch es kommt noch schlimmer, sofern man den falschen Zeitpunkt zum Einstieg wählte. 2007, und somit unmittelbar vor der Immobilien- und Finanzkrise, stand der Wert am Zenit bei 46 Euro. Mitte 2011 scheiterte eine vielversprechende Erholung bei 35 Euro. Anleger, die damals eingestiegen sind und dem Wert bis heute die Treue halten, sitzen somit auf Buchverlusten von 55 bis 65 Prozent. Immerhin: Einige Branchenkollegen wie ArcelorMittal oder Salzgitter (WKN: 620200) schneiden im Performance-Ranking über die vergangenen sechs Jahre noch schlechter ab.

Aber es gibt Hoffnung. Nach dem erneuten Abverkauf im Frühjahr hat sich die Stimmung bei der Analystengilde spürbar verbessert. Lediglich die Experten der NordLB bekräftigen nach den jüngsten Zahlen ihre Verkaufsempfehlung und sehen den fairen Wert bei 13 Euro. Die Marktbeobachter der Deutschen Bank taxieren das Kursziel ähnlich wie Nomura auf 18 Euro. Jefferies sprach zuletzt eine Kaufempfehlung aus und siedelte das Kursziel bei 21 Euro an – rund 35 Prozent über dem aktuellen Niveau. Mutig, angesichts der zahlreichen Probleme, die dringend gelöst werden müssen. Aber genau darin lauert auch eine große Chance. Denn sollte Thyssen seine Hausaufgaben machen, steht die Aktie vor einer Neubewertung.

Zumindest die Bilanz für das zweite Quartal fiel eher durchwachsen aus. Dem rückläufigen Umsatz um elf Prozent im Jahresvergleich auf nur noch gut 9 Mrd. Euro steht immerhin eine Book-to-Bill Ratio von 1,06 gegenüber. Anders formuliert: Das Verhältnis von Auftragseingang zu Umsatz signalisiert künftiges organisches Wachstum. Alle fortgeführten Einheiten steuerten positiv zum bereinigten EBIT von 241 Mio. Euro bei, was zugleich auch leicht über den Konsensschätzungen lag. Sorgen bereitet die hohe Verschuldung von 5,3 Mrd. Euro bei einer schwachen Eigenkapitalquote von nur noch 9,5 Prozent. Ende vergangenen Jahres lag der Wert noch bei 11,4 Prozent. Damit schnellt das Verhältnis von Schulden zu Eigenkapital, auch Gearing genannt, auf 148 Prozent. Anfang des Jahres senkte die Ratingagentur Moody’s die Kreditwürdigkeit von Baa3 auf Ba1. Damit hat der DAX-Konzern kein Investmentgrade mehr – bei einem negativen Ausblick. Im Gegenzug dürfte die Refinanzierung nun teurer werden und zwingt das Unternehmen wahrscheinlich zu einer Kapitalerhöhung. Zu Jahresbeginn wurden entsprechende Gerüchte noch dementiert, Mitte Mai hörte sich das schon anders an: „Wir können eine Kapitalerhöhung in den nächsten sechs bis neun Monaten nicht ausschließen.“ Sollten hier die Fakten und genauen Konditionen auf den Tisch kommen, brauchen Anleger gute Nerven. Hinter verschlossener Türe dürften die Verhandlungen jedenfalls sehr hitzig verlaufen. Denn mit der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung (AKBH) sitzt ein mächtiger Großaktionär mit am Tisch, der gut 25 Prozent der Anteile hält und mit Sicherheit gegen eine Kapitalerhöhung stimmen wird, wenn die Sperrminorität in Gefahr geraten sollte. Da die Finanzdecke der Stiftung Gerüchten zufolge kaum ausreicht, um bei der Ausgabe neuer Aktien dabei zu sein, bleiben nur zwei Szenarien: Entweder fällt die Kapitalerhöhung sehr gering aus, oder Thyssen verliert seinen Übernahmeschutz – was wiederum den Kurs beflügeln könnte.

Kurzfristig entscheidend ist aber der Nachrichtenfluss mit Blick auf den laufenden Verkaufsprozess der beiden Stahlwerke in Amerika. Spekulationen, dass der Deal fast in trockenen Tüchern sei, sorgten kürzlich für einen kleinen Kurssprung. Keine Frage: Sollte das Management hier einen Erfolg vermelden, dürfte die Aktie einen ordentlichen Satz nach oben machen. Vielleicht kommt es auch ganz anders und Thyssen bleibt im Rahmen einer Dreierlösung engagiert. Die brasilianische Wirtschaftszeitung “Valor Econômico” will erfahren haben, dass Thyssen rund 40 Prozent am Stahlwerk in Brasilien für 1,2 Mrd. Euro an den Stahlkonzern CSN sowie den Eisenerz-Giganten Vale abgeben könnte. Andere Quellen sprechen von einem Verkauf für 3,8 Mrd. Euro. Was fehlt sind Fakten, nachdem die Anlagen mit einem Gesamtaufwand von 12 Mrd. Euro errichtet wurden und zurzeit noch mit 3,4 Mrd. Euro in den Büchern stehen. Ein interessantes Detail lieferte der jüngste Quartalsbericht, in dem der Wert für Steel Americas um 683 Mio. Euro reduziert wurde. Eine krumme und zugleich sehr konkrete Zahl, die den Verdacht nährt, dass die Verhandlungen offenbar schon weit fortgeschritten sind.

Weit fortgeschritten ist Thyssen allerdings auch in der Disziplin, wenn es darum geht, einen schlechten Ruf zu haben. Auch in den vergangenen Tagen gab es wieder schlechte Presse. Als Beteiligter am Schienenkartell fordert die Deutsche Bahn von den ehemaligen Mitgliedern Schadensersatzforderungen von rund 850 Mio. Euro. Und der Gegenspieler ist nicht zu unterschätzen, denn ein Großteil der Zahlungen würde an den Bund fließen. Intern sieht es nicht besser aus. ThyssenKrupp-Chef Heinrich Hiesinger gilt eigentlich als zurückhaltender Manager. Ende 2012 platzte ihm dann aber doch der Kragen: “Es gab bisher ein Führungsverständnis, in dem Seilschaften und blinde Loyalität oft wichtiger waren als unternehmerischer Erfolg”, sagte er. Solch markigen Worte hört man sehr selten, erst recht aus der Führungsriege von DAX-Konzernen.

Unter rein fundamentalen Überlegungen kann die Aktie durchaus überzeugen. Auf Basis der konservativen Schätzungen von boersengefluester.de liegt das 2014er Kurs-Gewinn-Verhältnis bei knapp unter 14. Im Vergleich zum Zehn-Jahres-Durchschnitt von 15,4 erscheint die Aktie daher attraktiv. Auch das Kurs-Buchwert-Verhältnis mit aktuell knapp 2,4 weiß durchaus zu überzeugen. Die schlechte Nachricht: Von 1997 bis 2011 erhielten Anleger eine wenn auch nicht üppige Dividende. Angesichts des herausfordernden Umfelds wurde die Ausschüttung zuletzt aber gestrichen. Recht skeptisch äußerte sich  auch der Wirtschaftsverband der europäischen Eisen- und Stahlindustrie, Eurofer, in seinem Ausblick 2013 / 2014. Schwierig sei vor allem die Situation auf dem Heimatmarkt und damit in der EU. Trotz Aufstockung von Vorräten ging die Stahlnachfrage im ersten Quartal nach unten. Bei zugleich robusten Importen aus Asien rechnet Eurofer mit rückläufigen Marktanteilen der europäischen Hersteller. Erst ab 2014 ist wieder mit einem moderaten Wachstum zu rechnen.

Bleibt zur abschließenden Beurteilung der Blick auf den Kursverlauf. Im kurz- bis mittelfristigen Chartbild auf Tagesbasis stoppte der Abverkauf im Frühjahr bereits bei gut 13 Euro und somit deutlich unter der langfristig entscheidenden Unterstützungszone zwischen 11,50 bis 12 Euro. Steigende Bewegungstiefs sind grundsätzlich positiv zu werten. Allerdings schafften es die Käufer noch nicht einmal, den Wert über die nächste horizontale Hürde und damit das 50 Prozent Fibonacci-Retracement der letzten Abwärtsbewegung um 15,60 Euro zu hieven. Aus Sicht der Markttiefe sollten eher tradingaffine Anleger die Kursmarken bei 14,70 auf der Unterseite und 16,30 Euro auf der Oberseite beachten. Im negativen Fall ist mit einer Korrektur von rund elf Prozent bis zum Jahrestief bei rund 13,10 Euro zu rechnen, während beim Ausbruch Richtung Norden der nächste Widerstand bereits bei rund 17,70 in Form des langfristigen Abwärtstrends lauert. Sollte dieser allerdings überwunden werden, könnte die Barriere um 19 Euro nur eine Zwischenstation hin zu Kursen oberhalb von 20 Euro sein. Aktuell ist das bearische Szenario wegen der angespannten Lage am Gesamtmarkt sowie dem unmittelbar bevorstehenden Verkaufssignal im trendfolgenden MACD aber zu favorisieren.

ThyssenKrupp  Kurs: 4,674 €

 

Langfristig betrachtet ist vorerst nicht mit klaren charttechnischen Signalen zu rechnen. Bei einer Rückeroberung des erwähnten langfristigen Abwärtstrends bei rund 17,70 Euro bietet sich ein erster Teileinstieg ein, der mit einem Wochenschluss über 19,60 Euro und damit einem neuen Bewegungshoch ausgebaut werden kann. Mittel- bis langfristige Long-Positionen sind mit einem Stopp unter dem Vorjahrestief um 11,20 Euro abzusichern. Hält die Marke nicht, könnten schnell einstellige Kurse aufgerufen werden. Die langfristigen charttechnischen Aussichten decken sich somit recht gut mit der durchwachsenen fundamentalen Situation.

 

 

Zum Autor: Diese Analyse stammt von Franz-Georg Wenner, der die boersengefluester.de-Partnerseite chartanalysen-online.de betreibt. Dort finden Sie täglich interessante Kommentare und Analysen zu Aktien, Indizes und Rohstoffen aus rein charttechnischer Sicht.

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.

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