Fabasoft: Vorsicht Buzz-Wörter!

Leopold Bauernfeind, Vorstand des österreichischen Softwareanbieters Fabasoft, kann auch witzig. Seinen Vortrag auf der von GBC veranstalteten MKK Münchner Kapitalmarkt Konferenz begann er mit einer ganz speziellen Art von Disclaimer. Sinngemäß hieß es dort: „Achtung: Die Präsentation könnte Buzz-Words wie Künstliche Intelligenz, Cloud oder Big Data enthalten!“ Dabei war dieser – für möglicherweise von Schlagwörtern solcher Bauart bereits genervten Investoren – Hinweis eigentlich überflüssig, denn Fabasoft hat es gar nicht nötig, einen auf dicke Hose zu machen. Dafür steht die Gesellschaft mit ihren Produkten und dem daraus resultierenden Zahlenwerk viel zu gut da. Freilich blieb auch der Aktienkurs von Fabasoft in den vergangenen knapp drei Monaten nicht von den allgemeinen Verwerfungen verschont und knickte von 16 auf 12 Euro ein. Dieses Niveau hält boersengefluester.de für eine gute Gelegenheit, schließlich haben die Linzer mit Notiz im Frankfurter Prime Standard gleich mehrere Eisen im Feuer.

 

Fabasoft  Kurs: 16,500 €

 

Basisgeschäft ist die Digitalisierung von Geschäftsprozessen – vorzugsweise im behördlichen Sektor. Hier bietet das Unternehmen mit der Fabasoft eGov-Suite etwa eine Lösung für die elektronische Aktenführung an. Fabasoft Folio wiederum setzt im Bereich Dokumenten-Management an. Das hierzulande vermutlich bekannteste Projekt ist die Einführung der E-Akte in der Bundesverwaltung, wo Fabasoft bereits mehrere Zuschläge bei den Ausschreibungen bekommen hat. „2019 beginnt der Roll-out, 2020 wollen wir dann zügig in die Fläche gehen“, sagt Bauernfeind. Im Endausbau sind gut 250.000 Arbeitsplätze geplant. Noch ausbaufähig ist derweil der Cloud-Bereich von Fabasoft. Andererseits belegt das Unternehmen hier – beispielsweise mit Anwendungen wie der Steuerung von Zugriffsrechten auf sensible Firmendaten – eine attraktive Nische.

 Top & Flop-Auswertungen für 550 deutsche Aktien: Exklusiv für die wichtigsten Bewertungskennzahlen wie KGV, Dividendenrendite, KBV, KUV und viele mehr. Der Fundamental-Scanner von boersengefluester.de

Aus Sicht der Börsianer vermutlich am interessantesten bleibt derweil die Mehrheitsbeteiligung an Mindbreeze, einer Google-ähnlichen Suche für unternehmensinterne Daten (siehe dazu auch unseren Beitrag HIER). Bekannte Nutzer sind etwa Deutsche Lufthansa, Deutsche Telekom, Rhön-Klinikum oder auch Bosch. Dem Vernehmen nach setzen aber auch die US-Gesundheitsbehörde FDA und eine Reihe anderer Konzerne auf die Technologie von Mindbreeze. Gemessen an der aktuellen Größe – Mindbreeze erzielte im Geschäftsjahr 2017/18 (31. März) Erlöse von gerade einmal 4,79 Mio. Euro – wedelt hier zwar noch der Schwanz mit dem Hund. Andererseits legt die Gesellschaft mit Wachstumsraten von mehr als 50 Prozent ein stürmisches Tempo hin und gilt perspektivisch sogar als Kandidat für ein IPO. Neue Zahlen in Form des Neun-Monats-Berichts wird Fabasoft Ende Februar 2019 vorlegen.

Ein KGV von derzeit rund 20 ist zwar noch immer keine ausgesprochen günstige Bewertung, dafür kaufen sich Anleger aber eine Menge Qualität ins Depot – inklusive einer Netto-Cashposition von zuletzt mehr als 25 Mio. Euro, die Vorstand Leopold Bauernfeind wiederum als eine Art „Visitenkarte“ für große Projekte bezeichnet.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Fabasoft
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
922985 16,500 Kaufen 181,50
KGV 2020e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
30,56 24,42 1,251 84,21
KBV KCV KUV EV/EBITDA
7,77 22,89 5,68 21,384
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '18
in %
Hauptversammlung
0,18 0,23 1,39 01.07.2019
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
29.08.2019 29.11.2019 28.02.2020 05.06.2019
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
20,87% 23,68% 36,36% 14,98%
    

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019e
Umsatzerlöse1 23,15 25,05 27,55 28,43 28,29 31,96 38,70 42,00
EBITDA1,2 1,89 3,72 4,57 3,94 4,87 7,05 10,30 10,70
EBITDA-Marge3 8,16 14,85 16,59 13,86 17,21 22,06 26,61 25,48
EBIT1,4 0,27 2,13 3,04 2,29 3,30 5,25 7,85 8,20
EBIT-Marge5 1,17 8,50 11,03 8,05 11,66 16,43 20,28 19,52
Jahresüberschuss1 0,26 1,95 2,29 1,67 2,51 3,94 5,60 5,75
Netto-Marge6 1,12 7,78 8,31 5,87 8,87 12,33 14,47 13,69
Cashflow1,7 3,36 0,96 4,61 6,01 4,48 7,93 9,00 8,85
Ergebnis je Aktie8 0,02 0,18 0,22 0.16 0,21 0,37 0,47 0,49
Dividende8 0,19 0,21 0,23 0,15 0,18 0,18 0,23 0,25
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

  Geschäftsbericht 2018 - Kostenfrei herunterladen.  
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: PwC Oberösterreich

 

Foto: Shutterstock


 

Kennen Sie schon unseren wöchentlichen Newsletters BGFL Weekly? Das Angebot ist kostenlos und präsentiert die Highlights von boersengefluester.de (BGFL) sowie andere nützliche Links. Der Erscheinungstag ist immer freitags. Wer Interesse hat und noch nicht registriert ist, kann das sehr gern unter diesem LINK tun.

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.