DEAG Deutsche Entertainment: Survivor of the Neuer Markt

Genau 20 Jahre nach dem Debüt am Neuen Markt am 14. September 1998 zeigt sich der Konzertveranstalter DEAG Deutsche Entertainment endlich wieder in ansprechender Verfassung. Jedenfalls sind die vielen negativen Schlagzeilen um den verpatzten Einstieg in den Bereich Rockfestivals längst verklungen und die Berliner haben zuletzt eine Reihe von guten Nachrichten platziert (siehe dazu auch den Bericht von boersengefluester.de HIER). Entsprechend entspannt zeigt sich Finanzvorstand Ralph Quellmalz beim Hintergrundgespräch auf der von Equity Forum organisierten Herbstkonferenz: „Wir haben ein sehr gutes erstes Halbjahr hingelegt. Aber klar: Jetzt müssen wir weiter liefern.“ Zum Halbjahr kamen die Berliner auf ein Erlösplus von gut 34 Prozent auf 118,0 Mio. Euro. Das ausgewiesene Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) kletterte von 2,2 auf 8,1 Mio. Euro. Hierin enthalten sind freilich auch Sondereffekte aus dem Verkauf von Raymond Gubbay und dem Erwerb der restlichen Anteile an DEAG Classics. Bereinigt liegt das Halbjahres-EBIT bei 2,8 Mio. Euro – nach 0,3 Mio. Euro im Vorjahr. Insgesamt zahlt sich die stärkere Ausrichtung auf – vielleicht nicht ganz so spektakuläre, dafür aber solide planbare – Events wie Christmas Garden, Disney on Ice, diverse Klassikkonzerte oder der vor einem Jahr erfolgte Einstieg in den Bereich Virtual Reality über die Beteiligung an TimeRide zusehends aus.

Um keine Missverständnisse aufkommen zu lassen: Natürlich ist DEAG auch weiterhin im Bereich Rock und Pop unterwegs – aber konzentriert auf profitable Veranstaltungen. Als Highlight aus dem Sektor nennt Quellmalz etwa die Konzerte von Ed Sheeran, Iron Maiden oder Andreas Gabalier. Klein, aber fein ist auch das im Sommer 2018 übernommene schottische Festival Belladrum. „Auf dem Live-Entertainment-Markt gibt es einigen Wettbewerb. Überproportionale Wachstumschancen bieten uns insbesondere Geschäftsfelder wie Family Entertainment und Arts+Exhibitions sowie die ausländischen Märkte“, sagt Quellmalz. Für das Gesamtjahr stellt DEAG einen Anstieg der Umsatzerlöse von mindestens 20 Prozent auf dann Untergrenze 192 Mio. Euro in Aussicht. Beim EBIT ist von einem Plus von mindestens 40 Prozent die Rede. Demnach sollte das Betriebsergebnis auf mehr als 7,10 Mio. Euro klettern. Mit Blick auf das zum Halbjahr bereits ausgewiesene EBIT von 8,10 Mio. Euro wäre die Gesellschaft also schon weit über Plan, zumal das Abschlussviertel stets besonders wichtig ist für die Berliner. Bezieht man die Aussage mit den 40 Prozent dagegen auf den bereinigten Halbjahreswert von 2,80 Mio. Euro, hätte DEAG noch ein ordentliches Stück vor sich. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser kalkulieren derweil mit einem Betriebsergebnis von 8,10 Mio. Euro für das laufende Jahr. Wirkliche Klarheit brachte Finanzvorstand Ralph Quellmalz bei seiner Präsentation auf der Herbstkonferenz zu diesem Punkt leider auch nicht udn verwies auf eine spätere Spezifizierung der Prognose.

 

DEAG  Kurs: 3,140 €

 

 

Nicht in die Karten schauen ließ sich der Manager auch, was mögliche Details um die angekündigte Prüfung einer Anleihenemission angeht. Mandatiert für das Bond-Vorhaben ist die IKB Deutsche Industriebank. Bei aller gebotenen Vorsicht: Hier hat der CFO eine Chance vertan, schließlich begeben sich Investoren, Analysten und Finanzjournalisten insbesondere auch deswegen auf Veranstaltungen wie die Herbstkonferenz, um ein paar mehr Detailinformationen aus den Unternehmen herauszukitzeln. Losgelöst davon: Die Hoffnung der Investoren ist, dass DEAG nach den turbulenten Festivalerfahrungen wieder ein vernünftig planbares Unternehmen wird – auch wenn der ganz große Ertragskicker vielleicht so nicht mehr vorhanden ist. Hoffnungsträger bleibt freilich die Ticketplattform myticket, an der DEAG nach dem Rückkauf der ehemals von ProSiebenSat.1 gehaltenen Anteile nun 75,1 Prozent hält – die restlichen Stücke liegen bei Axel Springer. „MyTicket ermöglicht eine verstärkte Monetarisierung des eigenen Contents, und das wiederum führt zu einer hohen Skalierbarkeit unseres Geschäftsmodells“, sagt Quellmalz.

Als Joker bleibt bei DEAG der mögliche Sonderertrag aus der 2015 geschlossenen Joint Venture zur Vermarktung der Teilgrundstücke rund um die Frankfurter Jahrhunderthalle. Mittlerweile haben sich die Stadt Frankfurt und die Industrieparkbetreiber insofern geeinigt, wonach der Bau von bis zu 3.000 Wohnungen sowie Einzelhandelsobjekten auf die Schiene gesetzt wurde. DEAG besitzt auf dem Areal Grundstücke mit einem Buchwert von 5,3 Mio. Euro, die bei erfolgreicher Vermarktung deutlich mehr einbringen sollten. Per saldo hält boersengefluester.de die DEAG-Aktie auf dem aktuellen Niveau von 3,32 Euro für zu niedrig bewertet. Das von Hauck & Aufhäuser aufgerufene Kursziel von 5 Euro klingt zwar ein wenig forsch, ist andererseits aber auch nicht zu hoch gegriffen. Vor 20 Jahren – zum IPO am Neuen Markt – kostete die DEAG-Aktie übrigens (bereinigt um wesentliche Strukturmaßnahmen) rund 23,50 Euro. Im Hoch notierte das Papier im Sommer 1999 bei umgerechnet rund 107 Euro. Ein durchweg positives Börsenjubiläum feiert DEAG also nicht. Eher steht auf dem Revers: „Survivor of the Neuer Markt.“ Zumindest aber hat es den Anschein, dass sich DEAG nach vier Nullrunden bei der Dividende wieder mal einer Ausschüttung nähert.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
DEAG
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A0Z23G 3,140 Kaufen 57,77
KGV 2020e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
11,21 24,65 0,464 -30,00
KBV KCV KUV EV/EBITDA
4,70 3,47 0,36 7,835
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '18
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 27.06.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
31.05.2018 31.08.2018 30.11.2018 29.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-4,18% -0,92% 2,95% 2,41%
    

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 155,70 165,50 172,57 200,36 179,55 159,80 195,00
EBITDA1,2 8,60 8,90 7,47 -24,52 5,22 6,55 9,60
EBITDA-Marge3 5,52 5,38 4,33 -12,24 2,91 4,10 4,92
EBIT1,4 7,24 7,31 4,24 3,72 0,53 5,05 7,20
EBIT-Marge5 4,65 4,42 2,46 1,86 0,30 3,16 3,69
Jahresüberschuss1 4,79 2,16 2,22 -28,98 -2,20 -0,70 3,30
Netto-Marge6 3,08 1,31 1,29 -14,46 -1,23 -0,44 1,69
Cashflow1,7 -2,46 -8,09 29,43 -37,85 -5,18 16,65 5,90
Ergebnis je Aktie8 0,22 0,27 0,15 -1.83 -0,22 -0,13 0,24
Dividende8 0,08 0,12 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Mazars

 

Foto: Pixabay



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.