Black Pearl Digital: Kapitalerhöhung im XL-Format

Vielleicht ist es die verrückteste Kapitalerhöhung des Jahres. So will das bislang nur einigen Nebenwertefreaks bekannte Startup-Unternehmen Black Pearl Digital – aktuelle Marktkapitalisierung: knapp 10 Mio. Euro – bis zu 75 Mio. Euro an der Börse einwerben. Konkret geht es um die Ausgabe von maximal 2.750.000 Aktien zu einem Preis von je 27,50 Euro. Mit dem Geld wollen die Münchner ihr auf Vermögensverwalter zugeschnittenes Produkt zur sicheren Verwahrung von Krypto-Währungen vorantreiben und sich gleichzeitig als Beteiligungsgesellschaft mit Fokus auf junge Firmen aus dem Fintech-Umfeld positionieren. Black Pearl selbst ist bislang nur im Düsseldorfer Freiverkehr gelistet und befindet sich mehrheitlich im Besitz der Beteiligungsgesellschaft Navigator Equity Solutions, aus deren Umfeld auch die IT Competence Group oder die ACON Bank stammen. CEO von Navigator ist wiederum Robert Käß, den manch Anleger vielleicht noch aus der Zeit als gemeinsamer Vorstand mit Michael Hasenstab bei Catalis kennen. Aus dem Navigator-Acon-Kreis stammt auch Florian Pfingsten, der bei Black Pearl Digital wiederum als Finanzvorstand agiert. Letztlich sind alle Beteiligten also gut verdrahtet in der Münchner Spezialwerteszene.

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Umso gespannter ist boersengefluester.de, inwiefern die Transaktion ein Erfolg wird. Dabei wäre es vermutlich schon beachtlich, wenn am Ende ein niedriger zweistelliger Millionen-Euro-Betrag zustande kommen würde – trotz der Buzz-Words Blockchain, Krypto oder auch Fintech. Schließlich mussten in den vergangenen Wochen schon sehr viel prominentere Kapitalmarktaspiranten ihre IPO-Pläne zumindest verschieben. Aussagekräftiges Zahlenmaterial zu Black Pearl Digital gibt es noch nicht, da die Gesellschaft erst im Frühjahr 2018 ihre Tätigkeit aufgenommen hat. Das Listing in Düsseldorf wiederum erfolgte über den ursprünglich von der Navigator als Immobilienwert konzipierten Börsenmantel der Victoria Real AG. Das Prozedere der jetzt laufenden Kapitalerhöhung: Für jede bestehende Aktie erhält der Black Pearl-Aktionär das Recht, zehn junge Aktien zu zeichnen. Im Maximalfall würde sich die Zahl der umlaufenden Aktien also von gegenwärtig 275.000 auf 3.025.000 Stück erhöhen.

 

Quelle: comdirect bank

 

Fest steht schon jetzt, dass die Navigator Equity Solutions – sie hält immerhin 61,9 Prozent (entsprechend 170.250 Stück) an Black Pearl – ihr Bezugsrecht für 165.000 Aktien nicht ausüben wird. In Phase I (bis zum 10. Dezember) könnten somit maximal Bezugsrechte für 1.100.000 neue Black Pearl-Aktien eingelöst werden. Anschließend beginnt Phase II (bis 12. Dezember) in Form einer Privatplatzierung bei qualifizierten Investoren. Kleines Gimmick am Rande: Auch Aktionäre des ehemaligen TecDAX-Unternehmens GFT Technologies bekommen für je zehn GFT-Anteile das Zeichnungsrecht für eine neue Black Pearl-Aktie eingeräumt. Wer dazu noch Fragen hat: Auf der Webseite von Black Pearl gibt es einen ausführlichen FAQ-Bereich (oder direkt HIER).

Auf eine Zeichnungsempfehlung verzichtet boersengefluester.de indes, zumal der Titel aufgrund der fehlenden Listings in Frankfurt beziehungsweise auf XETRA nicht zu unserem Coverage-Universum gehört. Klar sollte jedoch sein: Es handelt sich um Risikokapital. Wer hier mitmischt, kann viel gewinnen – aber eben auch verlieren. Dabei agieren Vorstand und Aufsichtsrat von Black Pearl mit gedämpftem Risiko, zumal sie Teile ihrer Aktien im Frühjahr 2018 zu 1 Euro beziehungsweise 10 Euro bezogen haben. Fairerweise sei allerdings auch gesagt, dass die beiden Vorstände Florian Pfingsten (CFO) und Johannes Angermeier (CTO) laut Wertpapierprospekt keine sonstige Vergütung für ihre Dienstverträge bekommen.

Zumindest bei der Black Pearl-Aktie spielen die Anleger derweil ein wenig verrückt und haben den Small Cap bis auf 36 Euro hochgejazzt. Das Kalkül dahinter: Sollte Black Pearl mehr Anteile platzieren, als im gegenwärtigen Marktumfeld zu vermuten ist, könnte die Gesellschaft vielleicht tatsächlich in eine neue Größenordnung wachsen. Noch ist das aber ein Spiel mit dem Feuer.

 

Foto: Pixabay

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.