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Berentzen: Offensive muss fruchten

Moment mal: Haben wir da irgendwas übersehen? Auf den ersten Blick kamen die Zahlen aus dem 2018er-Geschäftsbericht von Berentzen doch gar nicht so berauschend rüber. Jedenfalls hat der Spirituosenkonzern mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBIDA) von 17,3 Mio. Euro die eigene Prognose von 17,2 bis 19,0 Mio. Euro nur haarscharf erfüllt. Gleiches gilt für das EBIT von 9,8 Mio. Euro, wo Berentzen bis zum Schluss eine Spanne von 9,6 bis 10,6 Mio. Euro für realistisch hielt. Dabei sind Sondereffekte von 808.000 Euro aus einem andauernden Schiedsgerichtsverfahrens in den USA für die Orangensaft-Tochter TMP Technic-Marketing-Products (Citrocasa) sogar noch herausgerechnet. Beim Umsatz blieb das Unternehmen aus Haselünne mit 162,2 Mio. Euro gar einen Tick unter dem  – ohnehin schon abgesenkten – Mindestziel von 162,8 Mio. Euro. Immerhin: Bei der Dividende hat Berentzen unsere Erwartungen übertroffen. Zur Hauptversammlung am 22. Mai 2019 in Hannover steht eine um 6 Cent auf 0,28 Euro erhöhte Dividende je Aktie auf der Agenda. Damit käme das Papier auf eine Rendite von immerhin 3,9 Prozent.

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Nicht schlecht, dennoch können wir uns kaum vorstellen, dass dieser Aspekt allein für den Kursanstieg von rund 16 Prozent seit Bilanzvorlage verantwortlich ist. Offenbar setzen die Investoren darauf, dass die – laut eigenen Aussagen „größte Innovationsoffensive in der Geschichte der Berentzen-Gruppe“ (siehe dazu auch unseren Beitrag HIER) tatsächlich ein Erfolg wird. Valide abschätzen, lässt sich das gegenwärtig zwar kaum, doch Vorstand Oliver Schwegmann sagt klipp und klar: „Wenn das Jahr 2018 in vielerlei Hinsicht ein Übergangsjahr war, so wird das Jahr 2019 an vielen Stellen ein Jahr der Exekution sein.“ In den harten Ergebniszahlen wird sich das zunächst einmal jedoch nur begrenzt niederschlagen, da Berentzen zusätzlich in Marketing, Vertrieb und neue Technik investiert.

 

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Insgesamt kalkuliert Schwegmann für das laufende Jahr zwar mit Erlösen in einer Bandbreite von 164,7 bis 173,4 Mio. Euro – idealerweise also bereits mit einem merklichen Anstieg. Das avisierte EBITDA zwischen 17,0 und 18,8 Mio. Euro sowie das EBIT von 9,0 bis 10,0 Mio. Euro heben sich jedoch noch kaum vom entsprechenden Vorjahresniveau ab. Genau hinschauen werden die Investoren insbesondere, ob Berentzen tatsächlich die spürbare Verbesserung im zuletzt enttäuschenden Bereich Frischsaftsysteme (Citrocasa) hinbekommt. Ansonsten hat sich das Ökosystem für Berentzen schließlich kaum verändert: Der Wettbewerbsdruck ist enorm, die Margen im Handel sind niedrig – und Berentzen muss als eher kleiner Anbieter seine Nische im Regal finden. Immerhin ist die Bewertung des im General Standard gelisteten Papiers – trotz des jüngsten Kursanstiegs – relativ moderat: Die Berentzen-Aktie kommt auf ein 12er-KGV und wird mit dem 1,5fachen des Buchwerts gehandelt. So gesehen halten wir die jüngste Performance auf dem Parkett weniger für eine positive Überraschung, sondern eher für eine kleine Erleichterungsrally. Wer den Titel im Depot hat, kann ihn dort belassen. Insbesondere der Dividendenaspekt könnte dem Small Cap in den kommenden Wochen noch ein wenig Zusatzantrieb verleihen, auch wenn zunächst einmal wohl eine kleine Konsolidierung fällig ist.

 

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Fotos: Berentzen-Gruppe AG (Destillieranlage und Signatur-Fruchtliköre)


 

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse ist Gründer des in Frankfurt ansässigen Finanzportals boersengefluester.de und seit vielen Jahren ein profunder Kenner von Kapitalmarktthemen und Experte für Datenjournalismus. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. Investmentprofis aus dem Small- und Midcap-Bereich stufen die Qualität der Berichterstattung von boersengefluester.de laut der IR.on-Medienstudie 2020/21 mit der Bestnote 1,67 ein. Im Gesamtranking der Onlinemedien liegt die Seite mit Abstand auf Platz 1. Beim finanzblog award der comdirect bank hat boersengefluester.de den Publikumspreis und zusätzlich noch den 3. Platz in der Jurywertung gewonnen. Zuvor war Gereon Kruse 19 Jahre beim Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs.