Für viel Gesprächsstoff an der Börse sorgte die Meldung des Handelsblatts, wonach die HypoVereinsbank (HVB) den Verkauf ihrer Beteiligung an der DAB Bank forciere. Der Preis soll es in sich haben: Angeblich bewerten die Münchner die DirektAnlage Bank mit insgesamt rund 500 Mio. Euro. Das übersteigt die aktuelle Marktkapitalisierung um annähernd 30 Prozent. Nach Berechnungen von boersengefluester.de wird bereits auf Basis der aktuellen Kurse jeder DAB-Kunde – davon gibt es 628.000 – mit 616 Euro bewertet. Für jedes der knapp 618.000 verwalteten Depots billigen die Investoren derzeit eine Bewertung von 626 Euro zu. Zum Vergleich: Bei der Comdirect Bank wird jeder Kunde mit nur 389 Euro gehandelt – die 1,688 Millionen DAB-Depots allerdings mit 648 Euro pro Depot. Zumindest die Anzahl der Kunden würde sich ein potenzieller Interessent – gehandelt wird etwa die französische Großbank Société Générale – also vergleichsweise teuer einkaufen. Dennoch: Dem Aktienkurs der DAB Bank tun die Neuigkeiten gut. Immerhin galt das Papier zwar unter Dividendenaspekten als interessant, aber das war es dann auch fast schon. Die HVB (UniCredit Bank) hält 81,39 Prozent an der DAB Bank.
Wie so häufig an der Börse, interessant ist die Suche nach indirekten Profiteuren eines solchen Deals. Vordergründig gehören dazu Aktien wie die Comdirect Bank oder Flatex, die von den aufgerufenen Preisen ebenfalls nach oben gespült werden könnten. Anlass für Spekulationen gibt nach Einschätzung von boersengefluester.de aber auch die Aussage einer HVB-Sprecherin gegenüber dem Handelsblatt: „Grundsätzlich analysieren wir als Bank laufend unsere Beteiligungen. Dazu gehört es auch, strategische Optionen zu prüfen – einschließlich möglicher Zukäufe und Verkäufe.“ Möglicherweise überprüft die HVB ja tatsächlich gerade ihr komplettes Depot und nicht nur die Position DAB Bank. Dann rücken nämlich auch die Beteiligungen an dem Gewerbeimmobilienvermieter Agrob (75 Prozent der Stämme und 20 Prozent der Vorzüge), der Anteil von 9,84 Prozent an dem Erotikunternehmen Beate Uhse sowie die 7,54 Prozent an dem Vorsorgekonzern W & W hält, in den Fokus.
Über Agrob hatte boersengefluester.de bereits im Mai 2013 sehr ausführlich berichtet (den Beitrag finden Sie HIER). Die Gemengelage hat sich seitdem nicht geändert. Sollte es hier zu einem Eigentümerwechsel kommen, dürfte die Agrob-Notiz mächtig nach oben schießen. Aber Vorsicht: super enger Markt! Spekuliert wird seit einer halben Ewigkeit auch über mögliche Veränderungen bei W & W. In der jetzigen Form ist die Börsennotiz mit einem Streubesitz von gerade einmal 7,91 Prozent nur bedingt sinnvoll. 66,1 Prozent hält die Wüstenrot Stiftung. Darüber hinaus sind noch die Horus Finanzholding (10,03 Prozent), die L-Bank (4,99 Prozent) sowie die Swiss RE (3,43 Prozent) bei den Stuttgartern engagiert. Auch hier gilt: Ein höherer Streubesitz kann der W&W-Aktie eigentlich nur gut tun. Andererseits: Ein möglicher Börsenrückzug wäre zum gegenwärtigen Kurs von 18,50 Euro wohl kaum machbar. Kaum bekannt ist wohl auch, dass die Münchner Banker ein nennenswertes Paket an Beate Uhse halten. Sie hatte das Paket an dem Flensburger Unternehmen 2008 von Reuben Rotermund, einem Enkel der Firmengründerin Beate Uhse, erworben. Zwingende Gründe für eine Erotik-Beteiligung gibt es für eine Bank wohl nicht. Und auch bei Beate Uhse könnte eine Verschiebung im Aktionärskreis positive Aspekte haben. Gegenwärtig beträgt der Streubesitz hier 35,2 Prozent – bei einem gesamten Börsenwert von 58,5 Mio. Euro.
Foto: DAB Bank AG