Matica Technologies: Delisting auf die ganz fiese Tour

Was bei Matica Technologies momentan passiert, ist eine riesengroße Sauerei. Anders lassen sich die aus heiterem Himmel kommenden Delisting-Pläne der im Entry Standard gelisteten Gesellschaft nicht bezeichnen. Immerhin ist es erst wenige Monate her, dass der Anbieter von Spezialdruckern für ID-Karten – zuvor gab es umfangreiche organisatorische und bilanzielle Umstrukturierungen – eine Investor-Relations-Offensive ankündigte und um Vertrauen bei den Investoren aus der Small-Cap-Szene warb (weitere Infos dazu von boersengefluester.de gibt es HIER). Alles nur eine Farce, wie sich jetzt herausstellt: „Der Vorstand und der Aufsichtsrat der Matica Technologies AG haben beschlossen, gemäß § 23 Abs.1 der Allgemeinen Geschäftsbedingungen der Deutsche Börse AG für den Freiverkehr an der Frankfurter Wertpapierbörse die Einbeziehung in den Entry Standard der Deutsche Börse AG zu kündigen. Die Kündigung wird zeitnah erfolgen. Bis zum Ablauf der Kündigungsfrist bleibt die Notierung aufrechterhalten und ein Handel ist möglich“, heißt es in einer sehr juristisch gehaltenen Ad-hoc-Mitteilung vom Abend des 22. Februar 2016. Gründe für den plötzlichen Sinneswandel werden nicht genannt. Kommunikation auf dem Gefrierpunkt. Nach dem Motto: Bloß keine Angriffsfläche für spätere Kläger bieten. Ratlose Anleger zogen prompt ihre Konsequenzen und warfen die Aktie zu Schleuderpreisen auf den Markt. Auf Xetra knickte die Notiz im Tief um 42 Prozent auf 0,81 Euro ein. Beim aktuellen Kurs von 0,89 Euro bringt es Matica Technologies auf eine Marktkapitalisierung von bescheidenen 13,76 Mio. Euro.

Dabei stellte die Gesellschaft erst Ende des Jahres für 2015 Erlöse zwischen 43 und 45 Mio. Euro sowie ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen in einer Bandbreite von 3,4 bis 3,6 Mio. Euro in Aussicht. Wie zu hören ist, soll sich an der guten Geschäftsentwicklung nichts geändert haben, so dass der gegenwärtige Börsenwert ein Witz ist. Getuschelt wird sogar, dass ein Researchbericht über den Small Cap unmittelbar vor der Veröffentlichung stand. Mit der Delistingankündigung ist auch dieses Projekt geknickt. Was ist also der Auslöser für das plötzliche Umdenken in Sachen Börsennotiz? Maßgebliche Aktionäre bei Matica sind mit 43,3 Prozent die Katakana SA um den italienischen Matica-Vorstand Sandro Camilleri. 41,9 Prozent wiederum hält der in Luxemburg ansässige Finanzinvestor HFX. Den Beteiligten wird insbesondere die niedrige Bewertung von Matica ein Dorn im Auge gewesen sein. Laut Camilleri werden einschlägige Unternehmen aus der Branche mit EBITDA-Multiples von 10 bis 14 gehandelt. Sollte es im Hintergrund zuletzt Verhandlungen gegeben haben, um Matica eventuell mit einem Marktbegleiter zu fusionieren, wäre das auf der Matica-Aktie klebende Preisschild natürlich hinderlich gewesen. Absicht der Großaktionäre könnte es also sein, diese öffentlich sichtbare Bewertungslücke möglichst schnell aus dem Schaufenster zu nehmen. Andererseits werden auch für nicht mehr an der Börse gehandelte Aktien auf alternativen Plattformen wie Valora Effekten Handel weiterhin An- und Verkaufspreise gestellt.

 

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Demnach könnte die Delistingankündigung nur die Vorstufe zum Squeeze-out – also der kompletten Übernahme – gewesen sein. Auf dem jetzigen Niveau hätten die Großinvestoren jedenfalls günstig einsammeln können. Besonders bitter: Im Entry Standard gibt es keine Pflicht für ein Abfindungsangebot. Ob Matica dennoch eine freiwillige Offerte in Betracht zieht, ist offen. Immerhin wäre es eine legale Variante, um an noch mehr Aktien zu kommen. Letztlich stinkt das aber alles zum Himmel und auf der kommenden Hauptversammlung (HV) wird es entsprechend hoch hergehen. Einen konkreten HV-Termin gibt es allerdings noch nicht. Dabei versprach die Gesellschaft zuletzt auch hier, rechtzeitig über wichtige Termine zu informieren. Boersengefluester.de fühlt sich von der ganzen Nummer ordentlich gelinkt und der Entry Standard ist um einen Skandal reicher. Auf jeden Fall hat die Aktionärskultur in Deutschland mal wieder richtig einen auf die Mütze bekommen. Als Anleger kann man sich da fast nur falsch verhalten. Verkauft man seine Aktien zu Tiefstpreisen, spielt man den Großaktionären in den Karten. Hält man an seinem Investment fest, sitzt man später auf völlig illiquiden Papieren. Trotzdem: Hektik ist kein guter Ratgeber.

 

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.