CropEnergies und Verbio mit super Performance

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Gewaltige Aufwärtsbewegungen haben die Kurse von CropEnergies und Verbio hingelegt. Die beiden Hersteller von Biosprit haben in den vergangenen Quartalen ihre Profitabilität kräftig verbessert. Geht die Rally weiter?

Um fast 100 Prozent hat der Aktienkurs von CropEnergies seit Jahresanfang zugelegt. Mit so einer guten Performance hätte wohl kaum jemand aus der Börsenszene gerechnet. Die neueste Stufe der Rakete zündete, als der mehrheitlich zum MDAX-Konzern Südzucker gehörende Biosprithersteller Anfang Oktober unerwartet gute Zahlen vorgelegt und die erst im September erhöhte Prognose für das laufende Fiskaljahr bestätigt hatte. Dem Unternehmen kommen die deutlich gestiegenen Ethanol-Preise in der EU zugute. Zwar hält sich die Nachfrage nach Treibstoff weiter in Grenzen, weshalb die Produktion von CropEnergies im August beendeten ersten Halbjahr des Fiskaljahrs 2015/16 um zwölf Prozent auf 422.000 Kubikmeter gesunken ist. Allerdings hat die Branche in Europa ihre Produktion zurückgefahren, so dass sich die Ethanol-Preise in den vergangenen Monaten trotzdem positiv entwickelt haben. Der Konzern profitiert zudem enorm von den gesunkenen Rohstoffpreisen, wie für Getreide und Zuckerrüben. Entsprechend stand ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 39,7 Mio. Euro zu Buche. Im Vorjahreszeitraum war noch ein Verlust von 4,4 Mio. Euro angefallen.

Für das Gesamtjahr stellt Vorstandschef Joachim Lutz einen Umsatz von 700 bis 750 Mio. Euro in Aussicht. Das bereinigte operative Ergebnis soll 50 bis 70 Mio. Euro erreichen, was jeweils in der Mitte der Spanne eine Marge von 8,3 Prozent bedeuten würde. Die Stilllegung der Anlage im britischen Wilton werde einen „Sonderaufwand” von bis zu 20 Mio. Euro verursachen. Die tatsächliche operative Marge läge damit bei 5,5 Prozent. Das Wort „Sonderaufwand” passt allerdings nicht ganz, können doch derartige Belastungen theoretisch häufig anfallen, wenn es ein Überangebot an Ethanol am Markt gibt, und die Hersteller Anlagen zwischenzeitlich stilllegen müssen. Die mittel- und langfristigen Perspektiven von CropEnergies sind hingegen gut, denn der Anteil von Ethanol dürfte in Europa in den kommenden Jahren deutlich steigen. So sollen künftig sieben Prozentpunkte der vorgegebenen zehn Prozent an erneuerbaren Energien – sprich hauptsächlich Bioethanol und Biodiesel – im Transportsektor aus konventionellen Biokraftstoffen stammen. Gleichzeitig sollen bis 2020 auf den gesamten Kraftstoffverbrauch gerechnet sechs Prozent der Treibhausgase eingespart werden. Das wird ohne den verstärkten Einsatz von Bioethanol und -diesel nicht gehen. Der Treibstoff E10 mit einem Ethanol-Anteil von zehn Prozent dürfte daher auch in etlichen anderen Ländern eingeführt werden. Derzeit ist er nur in Deutschland, Frankreich und Finnland auf dem Markt. Per saldo steht der Sektor derzeit aber noch vor vielen Herausforderungen. „Mit einer nachhaltigen Erholung der europäischen Ethanolpreise kann aufgrund der bestehenden Überkapazitäten infolge einer verhaltenen Nachfrageentwicklung in der EU und des insgesamt niedrigen Preisniveaus außerhalb der EU derzeit nicht gerechnet werden”, heißt es im Halbjahresbericht von CropEnergies.

 

CropEnergies  Kurs: 4,779 €

 

Die Notiz von Verbio ist – trotz des kleinen Knicks zur Vorlage des Q1-Berichts – seit Jahresanfang sogar um 380 Prozent in die Höhe geschossen. Der Hersteller von Biodiesel und -ethanol hat im Fiskaljahr 2014/15, das im Juni endete, das erfolgreichste Geschäftsjahr seit dem 2006er-Börsengang abgeschlossen. Der im Zörbig (Sachsen-Anhalt) ansässige Konzern ist in Sachen Ethanol ein Wettbewerber von CropEnergies und setzte im vergangenen Fiskaljahr in dem Bereich 212,9 Mio. Euro um. Verbio ist aber breiter aufgestellt als CropEnergies, denn die Biodieselsparte von Verbio steuerte 397 Mio. Euro bei. Sie ist nicht nur der wesentlich wichtigere Umsatz-, sondern auch Gewinnlieferant. Die operative Marge des Konzerns lag bei 4,6 Prozent und somit unter den 5,5 Prozent, die CropEnergies für das Gesamtjahr anpeilt. CropEnergies spielt einfach im Ethanol-Bereich seine Größenvorteile klar aus. Die Eigenkapitalquote von Verbio hat sich  auf stolze 70,8 Prozent verbessert. Vorstandschef Claus Sauter will Anleger an der guten Geschäftsentwicklung teilhaben lassen und auf der Hauptversammlung am 29. Januar 2016 eine Dividende je Aktie von 0,10 Euro vorschlagen. Das ist die erste Ausschüttung seit dem Börsengang.

Die Verbio-Prognose für das laufende Fiskaljahr hört sich allerdings nicht besonders prickelnd an: So hat Sauter ein EBITDA „in der Größenordnung von 50 Mio. Euro” in Aussicht gestellt. Es liegt damit lediglich auf dem Niveau des Vorjahrs. Mit einer Umsatzprognose hält sich der Firmenlenker angesichts des stark schwankenden Preisniveaus gerade bei Ethanol nobel zurück. Allerdings soll die  Auslastung zumindest im ersten Halbjahr auf dem zuletzt erreichten sehr hohen Niveau bleiben. Bleibt die Frage, ob die Prognose konservativ ist und in den nächsten Quartalen deutlich erhöht werden kann? Letzteres erscheint derzeit unwahrscheinlich, denn es ist durchaus zu bezweifeln, dass die Preise für Ethanol und Diesel weiter anziehen. In den drei Quartalen bis Mitte 2015 hatte sich das EBITDA jeweils bei rund 12,2 Mio. Euro eingependelt. Im kürzlich gemeldeten Auftaktviertel 2015/16 kam Verbio auf eine EBITDA von 14,6 Mio. Euro. Insgesamt gehen die Analysten für das Fiskaljahr 2015/16 von 56,7 Mio. Euro aus. Die Schätzung liegt damit bereits um zwölf Prozent über dem Niveau des Vorjahrs. Insgesamt scheint für die Analysten der Höhepunkt bei der Profitabilität ohnehin allmählich erreicht. So gehen die Finanzprofis von einem EBITDA von 59,2 Mio. Euro für das Fiskaljahr 2016/17 aus. Als Wachstumsmarkt sieht Verbio-Vorstand Sauter den Markt für Biokraftstoffe der 2. Generation. Dazu gehört vor allem das von Verbio aus Stroh hergestellte Biomethan, das zur Sparte Bioethanol gehört. So produziert Verbio aus rund zwei Tonnen Stroh den Jahreskraftstoffbedarf eines Erdgas-Pkw. Wenn der Staat Biomethan aber nicht wesentlich stärker fördert, dürfte das Segment erst einmal nur langsam wachsen.

 

Verbio  Kurs: 6,000 €

 

Nach der Rally ist der Börsenwert von CropEnergies auf 500 Mio. und der von Verbio auf knapp 333 Mio. Euro nach oben geschossen. Das sind bereits stattliche Größenordnungen. Insgesamt ist das Geschäft von CropEnergies größer als das von Verbio und sollte in normalen Jahren einen größen Gewinn und eine höhere operative Marge als die von Verbio abwerfen. Dementsprechend sollte die Notiz von CropEnergies weniger schwanken als die von Verbio, weshalb sich das Verbio-Papier vor allem für noch risikobereitere Investoren eignet. Der Unterschied ist zudem, dass das Papier von CropEnergies – neben der Entwicklung der Rohstoffpreise – vor allem an der Entwicklung der Ethanolpreise hängt, während jene von Verbio an der der Biodieselpreise hängt. Je nach Branchenumfeld könnten die Preise für Bioethanol und Biodiesel durchaus in entgegengesetzte Richtungen laufen. Insgesamt könnte der Anstieg der beiden Aktien noch etwas weitergehen. Allerdings sollten Anleger im Hinterkopf behalten, dass in beiden Papieren schon eine große Menge Fantasie eingepreist ist.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
CropEnergies
WKN Kurs in € Empfehlung
A0LAUP 4,779 Kaufen
KGV 2017e KBV Börsenwert in Mio. €
11,95 1,18 416,97
Dividende '15 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,15 12.07.2016 3,14

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016e
Umsatzerlöse1 688,72 780,71 827,17 722,60 680,00
EBITDA1,2 118,99 68,34 25,18 121,54 84,00
EBITDA-Marge3 17,28 8,75 3,04 16,82 12,35
EBIT1,4 87,02 34,55 -11,23 86,70 55,00
EBIT-Marge5 12,64 4,43 -1,36 12,00 8,09
Jahresüberschuss1 57,18 12,01 -58,04 42,65 32,00
Netto-Marge6 8,30 1,54 -7,02 5,90 4,71
Cashflow1,7 98,24 50,59 26,08 101,57 68,00
Ergebnis je Aktie8 0,67 0,14 -0,67 0.49 0,360
Dividende8 0,26 0,10 0,00 0,15 0,15
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: PricewaterhouseCoopers

 

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Verbio
WKN Kurs in € Empfehlung
A0JL9W 6,000 Kaufen
KGV 2017e KBV Börsenwert in Mio. €
11,54 1,68 378,00
Dividende '15 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,10 29.01.2016 1,67

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016e
Umsatzerlöse1 705,23 733,77 618,49 658,00 640,00
EBITDA1,2 3,60 36,20 50,70 70,00 65,00
EBITDA-Marge3 0,51 4,93 8,20 10,64 10,16
EBIT1,4 -122,29 10,88 28,49 53,00 48,00
EBIT-Marge5 -17,34 1,48 4,61 8,05 7,50
Jahresüberschuss1 -155,46 5,44 26,86 35,00 30,00
Netto-Marge6 -22,04 0,74 4,34 5,32 4,69
Cashflow1,7 -19,51 76,41 46,61 72,60 64,00
Ergebnis je Aktie8 -2,42 0,08 0,43 0.56 0,490
Dividende8 0,00 0,00 0,10 0,10 0,10
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: KPMG

 

Foto: picjumbo.com

 

Dieser Beitrag stammt von Egmond Haidt, der für die boersengefluester.de-Partnerseite Feingold Research schreibt.

About Gereon Kruse

Über den Autor: Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte.