Die besten Tipps für den Umgang mit Stoppkursen

Trotz Smartphone und WLAN-Anbindung im Ferienhaus: Urlaubszeit heißt für viele Anleger auch Pause von der Börse. Das kann bei der Rückkehr nach Hause zu einer freudigen Überraschung führen – nämlich, wenn die Kurse in der Zwischenzeit kräftig gestiegen sind. Manch Investor mag beim ersten heimatlichen Blick in das Depot aber auch schon an einen verpassten Aktiensplit gedacht haben, wo tatsächlich eine fiese Gewinnwarnung  ihre Wirkung in Form einer Kurshalbierung hinterlassen hat. Um solch unangenehme Überraschungen zu vermeiden, empfehlen Börsenprofis Stoppkurse. Zwar lauern auch hier, etwa bei marktengen Nebenwerten oder schlecht gepreisten Zertifikaten, jede Menge Fallen. Doch für die meisten Privatanleger sind Stoppkurse bestimmt eine gute Sache. Letztlich sind sie wie eine Versicherung gegen überhöhte Kursschäden, die sich kaum mehr aufholen lassen. Ein guter Stoppkurs zeichnet sich dadurch aus, dass er nicht bei jedem „blinden Alarm“ ausgelöst wird und die Marktgegebenheiten so gut es geht berücksichtigt. Unabhängig davon sollte sich jeder Investor fragen, welchen Verlust er maximal zu tragen bereit ist.

Doch wie setzt man eigentlich Stoppkurse? Gibt es eine Art Patentrezept für die optimale Platzierung? Ganz so einfach ist die Antwort nicht, denn Anlegern stehen mehrere Möglichkeiten zur Wahl. Die einfachste Variante ist die eines prozentualen Stopps. Das heißt: Ein Investor legt die Stoppmarke ganz einfach um einen festen Prozentbetrag, beispielsweise um 15 Prozent, unterhalb der aktuellen Notiz fest. Das geht schnell und übt damit einen gewissen Charme aus. Wirklich optimal ist dieses Verfahren aber nicht. Zunächst schwanken Aktien unterschiedlich stark. Für heiße Papiere sind 15 Prozent vielleicht ein zu geringer Abstand, um wirklich die Reißleine ziehen zu müssen. Bei anderen Papieren, die ihre Kurse in engeren Bahnen ziehen, wäre vielleicht eine kürzere Distanz angemessen. Außerdem bleiben alle markttechnischen Faktoren außen vor.

Anleger, die sich mehr auf fundamentale Bilanzkennzahlen oder die einschlägigen Bewertungsgrößen wie KGV oder Dividendenrendite verlassen, mögen ihre Aktien dann verkaufen, wenn ihre Kursziele erreicht sind. So kann die Argumentation lauten, dass die Daimler-Aktie spätestens bei 50 Euro zu teuer wird oder Volkswagen maximal ein KGV von zehn verdient. Gern herangezogen werden in diesem Zusammenhang auch Vergleiche innerhalb einer Branche. Eine derartige Argumentation hat ebenfalls ihre Berechtigung. Allerdings halten sich die Märkte in den seltensten Fällen genau an die Berechnungen der Anleger. Vielmehr neigen die Börsen zu mächtigen Übertreibungen – nach oben und nach unten. Es besteht also die Gefahr, bei so einer Vorgehensweise entweder zu früh oder zu spät zu verkaufen. Aktien, die fundamental als teuer gelten, können viel weiter als gedacht steigen. Andererseits nimmt die Börse schlechte Nachrichten häufig vorweg. Es gab bereits viele vermeintliche Dividendenstars oder KGV-Wunder, die sich rückblickend als heiße Luft entpuppten. Zur Ehrenrettung dieser Art der Stoppkursfestlegung sei jedoch gesagt, dass es durchaus richtig sein kann, sich gegen die Masse an der Börse zu stemmen und seinen vorher festgelegten Prinzipien treu zu bleiben.

Am populärsten, und vermutlich auch sinnvollsten, ist die Ausrichtung des Stoppkurses an charttechnischen Marken. Nun sind wohl die wenigsten Anleger professionelle Kurvenleser, daher sollen ein paar einfache Tipps an dieser Stelle genügen. Gute Ansatzpunkte für Stoppkurse sind sogenannte Unterstützungszonen. Dabei handelt es sich um Kursregionen, unter die eine Aktie in der Vergangenheit meist nicht gefallen ist. Solche Unterstützungen gibt es in unterschiedlicher Qualität – sprich Tragfähigkeit. Zudem finden Anleger sie auf beinahe jeder Zeitachse – vom 3-Monats-Chart bis hin zu ganz langfristigen Zeitreihen. An solchen Haltezonen, denkbar sind auch runde Kursmarken wie 10 , 20, 50 oder 100 Euro, orientieren sich viele Anleger. Daher sind im Falle eines Bruchs weitere Kursverluste zu befürchten. Doch Vorsicht: Um deratige Psychomarken scharren sich nicht nur Verkäufer. Auch Schnäppchenjäger liegen in Stellung und hoffen in Form von Abstauberlimits auf einen günstigen Einstieg. Clevere Anleger positionieren ihre Stoppkurse daher lieber etwas oberhalb von solch runden Marken oder Haltezonen.

Eine dankbare Orientierung für Stoppkurse bieten auch Durchschnittslinien. Am bekanntesten ist die 200-Tage-Linie. Für Charttechniker ist sie von der Bedeutung etwa mit dem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) aus der Fundamentalanalyse vergleichbar. Es gibt aber auch Mittelwerte wie die 55-Tage- oder die 21-Tage-Linie, die eher kurzfristigere Trends anzeigen. Mit Hilfe dieser Durchschnitte lassen sich sowohl Käufe als auch Verkäufe begründen. Die einfache Regel lautet dabei: Durchbricht ein Kurs eine Durchschnittslinie von oben nach unten, ist das meist kein gutes Zeichen und Vorsicht angebracht. Dementsprechend ist es sinnvoll, den Stoppkurs leicht unterhalb der Trendkurve zu platzieren. Doch Vorsicht: Gerade in steigenden Marktphasen kann es sein, dass eine Notiz kurz unter die 200-Tage-Durchschnittslinie taucht, um danach um so kräftiger wieder nach oben zu schießen. Wer auf Nummer sicher gehen will, zieht daher auch kurzfristigere Trendanzeiger in sein Kalkül ein.

Wenig empfehlenswert ist die 200-Tage-Linie als Stopper bei Aktien mit einer extrem guten Performance. Immerhin können sich solche Titel gern mal um 30, 40 oder gar 50 Prozent von der 200-Tage-Linie nach oben entfernen. Demzufolge wäre ein Stoppkurs viel zu weit entfernt. Schließlich soll ein Stoppkurs nicht nur Verluste begrenzen, sondern im Idealfall auch Gewinne absichern. Ein weiterer Nachteil bei der Orientierung an Durchschnittslinien ist, dass diese logischerweise nicht konstant sind, sondern sich mit dem täglichen Auf und Ab an der Börse verändern. Und kaum ein Anleger wird die Muße haben, unter Umständen mehrfach in der Woche seinen Stoppkurs anzupassen. Abhilfe schaffen hier intelligente Orderformen wie der Trailing Stop, bei dem der Stoppkurs automatisch um einen festen Prozentsatz nachgezogen wird. Weitere Infos dazu finden Sie hier.

Fest steht aber auch: Den perfekten Stoppkurs gibt es ebenso wenig wie den optimalen Einstiegszeitpunkt. Es wird sich kaum vermeiden lassen, im Einzelfall „umsonst“ ausgestoppt zu werden. Das ist ärgerlich, aber verschmerzbar. Andererseits ist ein Stoppkurs ein ziemlich scharfes Schwert im Kampf gegen die eigene Psyche. Denn vermutlich jeder Privatanleger schleppt die eine oder andere Depotleiche mit sich herum, bei der die erhoffte Kurserholung eben doch nicht gekommen – oder viel geringer ausgefallen –  ist als gedacht. Es gilt: Die ersten Verluste sind die günstigsten. Um ein Kursminus von zehn Prozent aufzuholen, reicht ein Anstieg um elf Prozent. Wer 30 Prozent hinten liegt, muss bereits auf eine Erholung von 43 Prozent hoffen, um wieder auf Null zu kommen. Um 80 Prozent Kursverlust wett zu machen, braucht es gar eine anschließende Rally von 400 Prozent.

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.

Leave a Reply