Das war auch auf den Hamburger Investorentagen (HIT) im Februar 2024 nicht anders. Bei dem auf Kapitalmarktkonferenzen üblichen Smalltalk unter den teilnehmenden Investoren, Fondsmanagern und Vertretern der Finanzpresse bezüglich der persönlichen Favoriten aus dem Kreis der präsentierenden Unternehmen, taucht die YOC-Aktie regelmäßig weit vorn auf. Zu einem nicht unerheblichen Teil liegt das auch daran, dass CEO Dirk-Hilmar Kraus die Investmentstory des auf hochwertige Markenwerbung spezialisierten Unternehmens bei seinen Präsentationen stets sehr gefällig rüberbringt. Der eigentlich entscheidende Grund ist jedoch, dass YOC mit der Ende 2017 in Betrieb genommenen Handelsplattform VIS.X – sie ist speziell zugeschnittenen auf die von den Berlinern angebotenen Sonderwerbeformate – eine entscheidende Weichenstellung für die Zukunft vorgenommen hat.
Zurzeit sind mehr als 2.700 europäische Publisherplattformen an die Eigenentwicklung angeschlossen. „VIS.X ist für unser Unternehmen der Game Changer“, sagt Kraus. Dabei war die Entwicklung von VIS.X aus damaliger mehr als mutig, immerhin hat sich das Team YOC als direkte Konkurrenz zu den ganz großen Marktteilnehmern wie etwa Google positioniert. Zudem handelt es sich um ein – zumindest für Nicht-Werbeprofis – nicht ganz einfach zu verstehendes Beziehungsgeflecht zwischen Werbetreibenden, Agenturen, Publishern und den Konsumenten, was wiederum zur Folge hatte, dass die Logik des YOC-Vorstoßes in der Fachbranche eher verstanden wurde als in der doch sehr zahlenlastigen Börsenszene. So zündete die YOC-Story an der Börse erst etwa ab Sommer 2020.
Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick | ||||||||
2017 | 2018 | 2019 | 2020 | 2021 | 2022 | 2023 | ||
Umsatzerlöse1 | 14,37 | 14,49 | 15,11 | 15,49 | 18,84 | 23,43 | 30,63 | |
EBITDA1,2 | -0,08 | 0,38 | 0,58 | 1,84 | 2,85 | 3,47 | 4,40 | |
EBITDA-Marge3 | -0,56 | 2,62 | 3,84 | 11,88 | 15,13 | 14,81 | 14,37 | |
EBIT1,4 | -0,36 | 0,09 | 0,02 | 1,13 | 2,01 | 2,33 | 2,93 | |
EBIT-Marge5 | -2,51 | 0,62 | 0,13 | 7,30 | 10,67 | 9,95 | 9,57 | |
Jahresüberschuss1 | -0,53 | -0,16 | -0,47 | 1,26 | 2,07 | 2,34 | 2,80 | |
Netto-Marge6 | -3,69 | -1,10 | -3,11 | 8,13 | 10,99 | 9,99 | 9,14 | |
Cashflow1,7 | 0,15 | -1,04 | 1,21 | 1,02 | 2,72 | 2,45 | 3,91 | |
Ergebnis je Aktie8 | -0,16 | -0,05 | -0,14 | 0,09 | 0,60 | 0,67 | 0,83 | |
Dividende8 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 | 0,00 |
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de Wirtschaftsprüfer: Ernst & Young |
Mittlerweile bringt es die Gesellschaft auf eine Marktkapitalisierung von rund 50 Mio. Euro und auch das Zahlenwerk bewegt sich in Dimensionen, die früher kaum erreichbar erschienen. So kletterte der Umsatz dank eines starken vierten Quartals im Gesamtjahr 2023 von knapp 3,5 auf 4,3 Mio. Euro – entsprechend einer EBITDA-Rendite von immerhin 27 Prozent. Die bisherige Topmarke von gut 15 Prozent EBITA-Marge aus dem Jahr 2021 hat die Gesellschaft also signifikant übersprungen. Dabei lief das vergangene Jahr gar nicht mal super rund, denn die Insolvenz der US-Einkaufsplattform MediaMath Inc. führte bei YOC zu einem schmerzhaften Forderungsausfall von 400.000 Euro. Grundsätzlich betonte Dirk-Hilmar Kraus auf dem HIT jedoch, dass 2023 „gut gelaufen“ sei und die Nachfrage nach den High-Impact-Produkten von YOC weiter steigt.
Zur weiteren Einordnung: Die offizielle Prognose für 2023 bewegte sich bei den Erlösen auf eine Spanne von 29 bis 30 Mio. Euro sowie einem EBITDA zwischen 4,0 und 4,5 Mio. Euro. Einen konkreten Ausblick für 2024 ließ sich der Vorstand im Hamburg noch nicht entlocken, ein organisches Wachstum vergleichbar mit dem des Vorjahrs, sollte aber schon das Ziel sein, wie Kraus auf Nachfrage betonte. Entsprechend liegt die Messlatte bei um die 30 Prozent Umsatzanstieg. Mehr dazu wird es spätestens mit Vorlage des Geschäftsberichts Ende April geben. Sehr ausführlich ging der Firmengründer dagegen schon jetzt auf die sich bietenden Potenziale durch die Integration neuer Features wie etwa der KI-gestützten Auslieferung von Werbeformaten und Werbeplätzen – perfekt geeignet insbesondere für Videoformate.
Für das erste Quartal 2024 rechnet Kraus damit, dass bereits mehr als 10 Prozent der Video-Clips mit Hilfe Künstlicher Intelligenz platziert werden – nach rund 8 Prozent im Abschlussviertel 2023. „Wir sind fast schuldenfrei und können die Investitionen in die Plattform hoch halten“, beschreibt Kraus die weitere Marschroute. Wichtiges Thema bleibt darüber hinaus die weitere Internationalisierung der Plattform. Zuletzt hatte YOC hier mit der vor knapp einem Jahr vollständig übernommenen finnischen Nostemedia Oy ein Ausrufezeichen gesetzt. Rein mit Blick auf den Aktienkurs lässt sich derweil auch alles recht gut an. Die Notiz befindet in einem robusten Aufwärtstrend, wenngleich die Volatilität mitunter recht ausgeprägt ist. Getuschelt wird lediglich über eine offenbar noch nicht vollständig umgesetzte Platzierung eines Aktienpakets – von wem auch immer. Das sollte jedoch nur eine Momentaufnahme sein. Die wesentlichen fundamentalen Eckdaten sehen nach Auffassung von boersengefluester.de durchweg robust aus. Das jüngste Kursziel der Analysten von Montega liegt bei 21 Euro. Platz nach oben ist also ausreichend vorhanden.
Foto: Unsplash+
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