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United Internet: Ungewöhnliche Bewertung

Der zum 19. Juni 2023 anstehende Abstieg vom MDAX in den SDAX ist vermutlich das geringste Problem und sollte den Aktienkurs von United Internet nicht mehr großartig belasten. Viel wichtiger ist es, dass der Internetkonzern um Gründer und Großaktionär Ralph Dommermuth das Debakel beim Aufbau des 5G-Netzes von 1&1 in den Griff bekommt und weiteren Schaden von dem Unternehmen abwenden kann. Dommermuth selbst zeigt sich diesbezüglich kämpferisch, doch die Börsianer machen seit Monaten einen großen Bogen um alle Aktien aus dem Dommermuth-Imperium: Neben United Internet (UI) gehören dazu 1&1 sowie der erst seit Anfang Februar 2023 gelistete Webhostingspezialist Ionos Group. Solche extremen Bewegungen – die UI-Aktie hat allein in den vergangenen zwölf Monaten um 55 Prozent an Wert verloren – bergen indes auch immer enorme Chancen.

So werden in Kapitalmarktkreisen schon jetzt Szenarien um eine Zerschlagung des Firmengeflechts diskutiert. Ob es tatsächlich so kommen wird, steht zwar auf einem ganz anderen Blatt, die Bewertungen laden jedoch zu solchen Gedankenspielen förmlich ein. Boersengefluester.de hat sich daher die Gemengelage angesehen. Der Mutterkonzern United Internet bringt es beim derzeitigen Aktienkurs von 13 Euro auf einen Börsenwert von rund 2.494 Mio. Euro. Inklusive der Netto-Finanzverbindlichkeiten ergibt sich ein Unternehmenswert (Enterprise Value) von annähernd 4.618 Mio. Euro. Zum Vergleich: Allein der auf United Internet entfallende Anteil an den beiden Beteiligungen 1&1 (78,32 Prozent) sowie Ionos Group (63,80 Prozent) ist mit 2.595 Mio. Euro etwas mehr wert als die aktuelle Marktkapitalisierung von United Internet.

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Das gesamte restliche Geschäft bewertet die Börse zurzeit also quasi mit Null, und selbst unter Berücksichtigung der Netto-Finanzschulden decken die Anteile an 1&1 sowie Ionos den Enterprise Value von UI zu mehr als 56 Prozent ab. Dabei stellt CEO Ralph Dommermuth für den United Internet-Konzern für das laufenden Jahr ein EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) ungefähr auf dem Vorjahresniveau von 1.272 Mio. Euro in Aussicht. Entsprechend wird die in Montabaur ansässige United Internet AG auf schuldenfreier Basis nur mit dem 3,6fachen des für 2023 erwartenden EBITDA bewertet. Der Discount zum Buchwert beträgt auf Basis des zum 30. März ausgewiesenen Eigenkapitals

mehr als 50 Prozent. Angesichts eines grundsätzlich funktionierenden Geschäftsmodells ist das eine ungewöhnlich niedrige Bewertung und spiegelt die Furcht der Investoren vor Konventionalstrafen oder sonstigen Prozessen angesichts des Rückstands beim 5G-Ausbau wider. Keine Frage: Das Risiko ist nicht unbegründet, aber dafür gibt es die UI-Aktie derzeit eben auch zu einem Kurs wie zuletzt vor zwölf Jahren. Auf die Beobachtungsliste gehört der Titel also allemal. Und mit einem geringen Betrag kann man womöglich auch schon jetzt einen Fuß in die Tür setzen. Den Tiefpunkt wird man beim Einstieg ohnehin nicht erwischen. Dabei liegen auch die neuesten Kursziele der Analysten zwischen 14,50 und 22 Euro, also zum Teil recht deutlich über der aktuellen Notiz.

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Foto: Frederik Lipfert auf Unsplash


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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse ist Gründer des in Frankfurt ansässigen Finanzportals boersengefluester.de und seit vielen Jahren ein profunder Kenner von Kapitalmarktthemen und Experte für Datenjournalismus. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. Investmentprofis aus dem Small- und Midcap-Bereich stufen die Qualität der Berichterstattung von boersengefluester.de laut der IR.on-Medienstudie 2020/21 mit der Bestnote 1,67 ein. Im Gesamtranking der Onlinemedien liegt die Seite mit Abstand auf Platz 1. Beim finanzblog award der comdirect bank hat boersengefluester.de den Publikumspreis und zusätzlich noch den 3. Platz in der Jurywertung gewonnen. Zuvor war Gereon Kruse 19 Jahre beim Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs.