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Funkwerk: Eine Aktie für den zweiten Blick

Für ein Unternehmen, das sich regelmäßig ertragsschwächer rechnet, als es eigentlich ist und auch sonst wenig Wert auf gesteigerte Investor Relations-Aktivitäten legt, entwickelt sich die Aktie von Funkwerk erstaunlich gut – selbst wenn der Titel zuletzt eher in den Seitwärtsmodus übergegangen war. Immerhin hat der Anteilschein des auf Funksysteme für den Bahnverkehr, Infoanzeigen in Bahnhöfen oder auch Videoüberwachungsanlagen spezialisierten Unternehmens allein in den vergangenen zwölf Monaten um mehr als 75 Prozent an Wert gewonnen. Auf Zwei-Jahres-Sicht türmt sich die Performance gar auf knackige 330 Prozent. Dabei galt die Gesellschaft aus dem thüringischen Kölleda lange Zeit als hoffnungsloser Fall und stand vor einigen Jahren sogar schon kurz vor dem Delisting durch Großaktionär Hörmann Finance – dem Mischkonzern sind fast 78 Prozent der Funkwerk-Aktien zuzurechnen. Doch unter CEO Kerstin Schreiber hat Funkwerk den operativen Dreh hinbekommen. Zur Hauptversammlung am 26. Juni 2018 steht – erstmals seit zehn Jahren – wieder die Ausschüttung einer Dividende auf der Agenda. Dabei entspricht die vorgeschlagene Gewinnbeteiligung von 0,25 Euro einer Dividendenrendite von brutto immerhin gut 2,6 Prozent.

 

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Die wesentlichen Eckdaten für 2017 hatte Funkwerk bereits Ende März veröffentlicht und so richtete sich das Interesse von boersengefluester.de eher auf Details aus dem jetzt vorgelegten Geschäftsbericht sowie den Ausblick für das laufende Jahr. Wesentliche Erkenntnis: Auch 2017 hat die Gesellschaft über eine üppige Dotierung der sonstigen Rückstellungen in Höhe von knapp 23 Mio. Euro (Vorjahr: 20,9 Mio. Euro) allen erdenkbaren Risiken – in erster Linie für nachlaufende Projektkosten sowie Gewährleistungen – Rechnung getragen. Zudem wurde das leidige Thema Algerien nochmals um 1 Mio. Euro abgeschrieben und ist damit nun vollständig bereinigt. Hintergrund: Aus einem früheren Projekt in Algerien, bei dem Funkwerk gemeinsam mit mehreren Partnern engagiert war, kam es vor vielen Jahren angeblich zu Unregelmäßigkeiten, im Zuge dessen mehrere Bankkonten mit einer Funkwerk zustehenden Gesamthöhe von rund 2,8 Mio. Euro gesperrt wurden. Zwar heißt es offiziell: „Eine interne Untersuchung hat keine Anhaltspunkte für die Richtigkeit dieser Korruptionsvorwürfe ergeben.“ Gleichwohl erging im Februar 2016 in Algier ein mündliches Gerichtsurteil, wonach Funkwerk für schuldig befunden und mit einer Strafzahlung von 40.000 Euro belegt wurde. Anschließend wären die Bankkonten zwar wieder frei gewesen. Damit wollte sich Funkwerk aber nicht abfinden und hat gegen das Urteil Rechtsmittel eingelegt, was wiederum zur Folge hatte, dass die Gelder weiterhin auf Eis liegen.

 

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Für das laufende Jahr kalkuliert Funkwerk derweil mit einem Erlösanstieg auf rund 81 Mio. Euro. „Das Betriebsergebnis wird sich voraussichtlich auf dem Niveau des Vorjahres bewegen, da im Vergleich zu 2017 höhere Transformationskosten zur Etablierung als führender Anbieter von IoT-Lösungen zu erwarten sind“, sagt Vorstand Kerstin Schreiber. Boersengefluester.de hält diese Einschätzung für relativ tiefgestapelt, schon allein weil die Algerien-Forderungen abgeschrieben sind. Demnach halten wir ein Ergebnis vor Zinsen und Steuern von deutlich über 8 Mio. Euro für eher realistisch. Bei einem Börsenwert von gut 83 Mio. Euro ist Funkwerk also noch immer zu günstig bewertet. Angesichts des wenig liquiden Börsenhandels sind Limits Pflicht. Zudem sollten Anleger einen ausreichend langen Investmenthorizont mitbringen. Und mit Sicherheit ist Funkwerk kein Unternehmen mit einem anhaltend spannenden Newsflow. Hier heißt es über viele Monate: Ruhe bewahren.

 

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Foto: Pixabay

Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse ist Gründer des in Frankfurt ansässigen Finanzportals boersengefluester.de und seit vielen Jahren ein profunder Kenner von Kapitalmarktthemen und Experte für Datenjournalismus. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. Investmentprofis aus dem Small- und Midcap-Bereich stufen die Qualität der Berichterstattung von boersengefluester.de laut der IR.on-Medienstudie 2020/21 mit der Bestnote 1,67 ein. Im Gesamtranking der Onlinemedien liegt die Seite mit Abstand auf Platz 1. Beim finanzblog award der comdirect bank hat boersengefluester.de den Publikumspreis und zusätzlich noch den 3. Platz in der Jurywertung gewonnen. Zuvor war Gereon Kruse 19 Jahre beim Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs.