windeln.de: Erstmals im Penny Stock-Terrain

Ab jetzt wird es noch schwieriger als ohnehin schon: Mit der Vorlage des Halbjahresberichts ist der Aktienkurs von windeln.de nämlich erstmals in den Penny-Stock-Bereich abgerutscht. Kurz zur Erinnerung: Der Anteilschein des Onlinehändlers für Baby- und Kinderartikel ist gerade einmal vor etwas mehr als drei Jahren an die Börse gekommen – und zwar zu einem Emissionspreis von 18,50 Euro. Demnach sitzen Zeichner, die dabei geblieben sind, nun auf 95 Prozent Kursverlust und haben wohl keine Hoffnung mehr, jemals wieder den Ausgabepreis zu sehen. Die meisten Investoren wären vermutlich froh, wenn die Münchner überhaupt den Dreh hinbekommen. Bislang galt nämlich immer die Hoffnung, dass das Geld zumindest solange reicht, bis die Gewinnschwelle naht. Insgesamt legt windeln.de als Prime Standard-Company leider beinahe die gleiche Story hin wie so manche frühere Neuer-Markt-Gesellschaft. Mit den Millionen aus dem IPO ging die Gesellschaft auf Shoppingtour und akquirierte etliche Unternehmen, um das internationale Wachstum zu forcieren. Doch die Zukäufe zündeten nicht wie erhofft, hinzu kamen Probleme in dem für windeln.de so wichtigen chinesischen Markt.

Spätestens Anfang 2018 zog der E-Commerce-Spezialist dann die Reißleine und setzte mit neuem Management ein umfangreiches Restrukturierungspaket mit Firmenverkäufen, Personalabbau und einer Kapitalerhöhung auf die Schiene. Vor diesem Hintergrund konnten die Anleger mit deutlich rückläufigen Erlösen rechnen, zum Halbjahr betrug das Minus rund 41 Prozent auf 56,4 Mio. Euro. Dass aber auch die Umsätze in China um 43 Prozent auf 29 Mio. Euro einknickten, hatte in dieser Dimension jedoch wohl niemand auf dem Radar. Zwar deutete sich ein spürbares Überangebot an Milchprodukten bereits Mitte Februar an, doch im zweiten Quartal 2018 haben die chinesischen Zollbehörden auch noch ihre Kontrollen intensiviert und sorgten so für eine Verlängerung der Lieferzeit von vier bis acht Wochen. „Viele chinesische Kunden haben ihre Bestellung daraufhin storniert“, heißt es offiziell. Dem Vernehmen nach mussten die betroffenen Waren teilweise sogar vernichtet werden oder wurden den Kunden unentgeltlich zugestellt. Unterm Strich blieb nach Ablauf der ersten sechs Monate 2018 ein Verlust von 22,34 Mio. Euro stehen. Das sind rund 3,1 Mio. Euro mehr als in dem entsprechenden Vorjahreszeitraum.

 

windeln.de  Kurs: 0,982 €

 

Naturgemäß weist das Management darauf hin, dass es auch Fortschritte gab, wie zum Beispiel die aus Firmensicht erfolgreiche Kapitalerhöhung. „Das erste Halbjahr 2018 ist sowohl positiv als auch negativ verlaufen.“ Bemerkenswert ist insbesondere, dass die zur Jahresmitte ausgewiesene Liquidität von 17,13 Mio. Euro höher war, als die zum Ende des ersten Quartals ausgewiesenen Gelder von 14,20 Mio. Euro. Dementsprechend spricht die Gesellschaft von einer „stabilen Ausgangsbasis für das restliche Geschäftsjahr.“ Zudem bleibt es dabei, dass windeln.de 2019 in die Profitabilität steuern will – was freilich nicht mit schwarzen Zahlen auf Gesamtjahressicht gleichzusetzen ist. Einen vorsichtigen Turnaround von 0,2 Mio. Euro erwarten die Analysten von Montega Research erst für 2020. Ihr mit einer Kaufen-Einschätzung versehenes Kursziel von 2 Euro hält boersengefluester.de gegenwärtig allerdings für reichlich ambitioniert.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
windeln.de
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
WNDL11 0,982 Halten 30,58
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
- 1,26 0,000 0,00
KBV KCV KUV EV/EBITDA
0,85 - 0,14 -0,571
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 25.06.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
09.05.2018 09.08.2018 08.11.2018 14.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-28,94% -49,80% -48,77% -70,48%
       

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 21,54 49,44 101,32 160,99 194,76 211,90 127,00
EBITDA1,2 -7,18 -11,78 -10,94 -26,42 -33,54 -31,42 -22,30
EBITDA-Marge3 -33,33 -23,83 -10,80 -16,41 -17,22 -14,83 -17,56
EBIT1,4 -7,32 -12,22 -11,72 -19,38 -35,31 -43,58 -23,45
EBIT-Marge5 -33,98 -24,72 -11,57 -12,04 -18,13 -20,57 -18,46
Jahresüberschuss1 -7,29 -12,27 -9,83 -29,01 -41,97 -37,91 -31,00
Netto-Marge6 -33,84 -24,82 -9,70 -18,02 -21,55 -17,89 -24,41
Cashflow1,7 -6,51 -11,19 -6,06 -22,24 -31,22 -27,96 -25,00
Ergebnis je Aktie8 -0,27 -0,46 -0,37 -1.18 -1,60 -1,41 -1,00
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Ernst & Young

 

Foto: Pixabay


 

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.