Weng Fine Art: Getuschel um Börsencomeback

Normalerweise ist die Börse keine Schönwetterveranstaltung, zu der man als Unternehmen nur geht, wenn gerade die Sonne scheint. Umso überraschter war boersengefluester.de, als das Kunsthandelshaus Weng Fine Art im Mai 2016 ein Delisting der Aktie ankündigte und wenig später auch umsetzte. Immerhin gilt CEO Rüdiger K. Weng als intimer Kenner der Börsenszene. Nun die Rolle rückwärts: Dem Vernehmen nach spielt das Unternehmen mit dem Gedanken, die Börsennotiz – zurzeit werden nur Kurse über den Telefonhandel bei Schnigge gestellt – wieder aufleben zu lassen. „Eine Entscheidung darüber, ob, an welcher Börse und für welches Börsensegment der Aufnahmeantrag gestellt werden soll, wird voraussichtlich noch im ersten Quartal des Jahres getroffen“, heißt es offiziell.

Aktive Investoren wittern natürlich ihre Chance. Bei Schnigge ging es (allerdings ohne Handelsumsätze) schon mal Richtung Norden mit der Aktie. Beim aktuellen Kurs von 5,85 Euro bringt es die Gesellschaft nun auf einen Börsenwert von gut 16 Mio. Euro – knapp 80 Prozent davon sind – direkt oder indirekt – Vorstand Weng zuzurechnen. Zum Vergleich: Artnet aus Berlin, das am besten vergleichbare Unternehmen auf dem heimischen Kurszettel, kommt auf eine Marktkapitalisierung von knapp 23 Mio. Euro. Laut einer Stimmrechtsmitteilung vom Mai 2017 hält Rüdiger K. Weng übrigens 3,02 Prozent der Artnet-Aktien.

 

 

 

Die eigentlich interessante Frage ist freilich, warum die Gesellschaft ein Börsencomeback prüft. In einem Forum auf wallstreet:online (HIER) nimmt Weng dazu Stellung und nennt als Gründe für das Delisting im Frühjahr 2016: Die mangelnde Skalierbarkeit des seinerzeitigen Geschäftsmodells, den fehlenden Kapitalbedarf, die niedrige Bewertung der Aktie, die unverhältnismäßig hohen Kosten der Börsennotiz sowie die hohen regulatorischen Aufwendungen. „Schon beim Delisting hatte ich erklärt, dass ich mir eine Wiederaufnahme der Börsennotierung vorstellen kann, sobald wir ein skalierbares Geschäftsmodell gefunden haben. Nachdem unser Online-Editionsgeschäft in kürzester Zeit, trotz der schwierigen Kunstmärkte, eine erstaunliche Erfolgsgeschichte geworden ist, könnten wir bald soweit sein“, sagt Weng.

Nun: Boersengefluester.de ist gespannt, welchen Weg Weng Fine Art einschlägt. Ein erfolgreiches Comeback am Kapitalmarkt wäre natürlich super. Fakt ist aber auch: Die niedrige Bewertung der Aktie ist kein schlagender Grund für ein Delisting, sondern hätte eher der Ansporn für eine wirkungsvollere Investor-Relations-Politik sein müssen.

 

Kennen Sie schon unsere interaktive Delisting-Übersicht? HIER klicken.

 

Artnet  Kurs: 3,400 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Artnet
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A1K037 3,400 Halten 19,15
KGV 2019e KGV 10Y-Ø KBV KCV
28,33 22,89 11,30 19,01
Dividende '17e in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 09.05.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
11.05.2018 10.08.2018 09.11.2018 23.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-9,21% -11,78% -18,58% 11,55%
       

 

Foto: Shutterstock

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.