Serviceware: IPO mit viel Wachstumsfantasie

Für Dirk K. Martin, Gründungsmitglied und CEO des Börsenaspiranten Serviceware, war relativ schnell klar, dass der Prime Standard – und nicht etwa der tiefer aufgehängte Scale – das richtige Marktsegment ist. „Größe ist für Softwareunternehmen einer der wesentlichen Erfolgsfaktoren. Und wir streben die europäische Marktführerschaft an. Dazu passt am besten der Prime Standard“, sagt Martin im Hintergrundgespräch mit boersengefluester.de. Dabei macht der Manager einen durchaus geerdeten Eindruck – nicht zu vergleichen mit den Weltmarktführer-Phantasten aus der Neuer Markt-Zeit. Immerhin ist der 1998 gegründete Anbieter von Softwarelösungen für die Verbesserung der Servicequalität von Unternehmen (Enterprise Service Management) schon seit vielen Jahren auf Expansionskurs. Die durchschnittliche Wachstumsrate der Erlöse seit der Gründung ist nördlich von 25 Prozent anzusiedeln. Im Geschäftsjahr 2016/17 (30. November) kletterten die Erlöse um knapp 17 Prozent auf 44,35 Mio. Euro. Für die laufende Abrechnungsperiode scheinen Umsätze von bis zu 55 Mio. Euro eine realistische Hausnummer zu sein.

Dabei agierte das Unternehmen aus dem hessischen Bad Camberg zuletzt mit operativen Margen im Bereich um grob zwölf Prozent. Zu den mehr als 500 Kunden gehören unter anderem auch neun DAX-Konzerne. Den Emissionspreis haben die Verantwortlichen in einer Spanne von 22,50 bis 27,50 Euro angesetzt – womit die Gesellschaft (bei voller Platzierung der 2,5 Millionen Aktien aus einer Kapitalerhöhung) auf eine Marktkapitalisierung zwischen 236 und 289 Mio. Euro kommen würde. Das ist zwar etwas mehr, als von uns vor dem IPO erwartet. Andererseits war es klar, dass eine Gesellschaft wie Serviceware nicht zum Schnapperkurs an den Kapitalmarkt geht. „Wir haben ein kerngesundes Unternehmen“, betont Martin. Dividenden dürfen Anleger von der Neuemission trotzdem nicht erwarten. Mit dem Geld aus dem Börsengang will Serviceware vielmehr seine Position im Bereich Großkunden ausbauen, die internationale Präsenz stärken – zudem hält sich CEO Martin die Option offen, das Wachstumstempo via Zukäufe zu forcieren.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 0,00 0,00 0,00 39,58 37,95 44,35 54,40
EBITDA1,2 0,00 0,00 0,00 4,78 3,82 5,87 7,60
EBITDA-Marge3 0,00 0,00 0,00 12,08 10,07 13,24 13,97
EBIT1,4 0,00 0,00 0,00 4,55 3,60 5,63 7,30
EBIT-Marge5 0,00 0,00 0,00 11,50 9,49 12,69 13,42
Jahresüberschuss1 0,00 0,00 0,00 3,46 2,33 4,65 4,95
Netto-Marge6 0,00 0,00 0,00 8,74 6,14 10,48 9,10
Cashflow1,7 0,00 0,00 0,00 4,17 4,16 5,82 6,10
Ergebnis je Aktie8 0,00 0,00 0,00 0.33 0,22 0,44 0,47
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: RSM

Hinweis: Geschäftszahlen für Serviceware liegen erst ab dem Geschäftsjahr 2014/15 (30. November) vor

Das wohl am ehesten mit Serviceware vergleichbare Unternehmen auf dem heimischen Kurszettel ist USU Software, wobei die in Möglingen in der Nähe von Stuttgart angesiedelte Gesellschaft mit für 2018 erwarteten Erlösen von bis zu 98 Mio. Euro einerseits größer ist und zudem noch eine etwas andere Ausrichtung hat. Oberthema aber auch bei USU: Servicemanagement. Gehandelt wird die USU-Aktie an der Börse zurzeit mit dem etwa 20,5fachen des für das laufende Jahr prognostizierten Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen – bezogen auf den Enterprise Value (Marktkapitalisierung minus Netto-Finanzguthaben). Zum Vergleich: Bei Serviceware dürfte dieses Multiple – je nach Preisfindung – auf annähernd 30 zusteuern. In den Bereich um knapp 20 dürfte es es erst auf Basis der Schätzungen für 2019 zurückfallen. Orientiert haben sich die an der Emission beteiligten Parteien damit eher an der amerikanischen Peergroup – als da wären: der milliardenschwere Marktführer ServiceNow und Apptio. Beide Titel sind auch in Frankfurt gelistet und haben beeindruckende Charts, die auch für Serviceware viel Potenzial versprechen.

Dabei kommt ServiceNow auf eine Relation von EV zum EBITDA für 2018 von gut 40 (EV/EBITDA 2019: 28,1). Bei Apptio müssen Investoren sogar bis ins Jahr 2020 schauen, um bei dieser Kennzahl überhaupt sinnvolle Größenordnungen zu bekommen. So gesehen, wäre die Bewertung von Serviceware schon wieder vertretbar – wenn auch sportlich. Zudem freut es boersengefluester.de, dass nach den vielen IPOs aus dem Immobilienbereich endlich einmal wieder ein interessantes deutsches Software-Unternehmen den Gang an die Börse wagt. Die Zeichnungsfrist läuft noch bis zum 18. April. Die Notizaufnahme ist für den 20. April 2018 angesetzt. Begleitet wird das IPO von der Commerzbank sowie Hauck & Aufhäuser.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Serviceware
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A2G8X3 23,785 Halten 249,74
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
36,04 25,94 1,396 0,00
KBV KCV KUV EV/EBITDA
4,49 42,92 5,63 32,384
Dividende '17e in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 04.04.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
27.04.2018 27.07.2018 26.10.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-4,90% 0,00% 0,00% 0,00%
       

 

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
USU Software
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A0BVU2 23,200 Kaufen 244,15
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
30,93 25,30 1,223 53,49
KBV KCV KUV EV/EBITDA
4,12 47,22 2,89 32,942
Dividende '17e in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,40 0,45 1,72 02.07.2019
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
24.05.2018 30.08.2018 22.11.2018 29.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
-6,46% -8,73% -11,43% -12,40%
       

 

USU Software  Kurs: 23,200 €

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 51,23 55,71 58,93 66,09 72,10 84,36 97,00
EBITDA1,2 5,27 5,49 8,88 9,88 10,78 6,84 10,30
EBITDA-Marge3 10,29 9,85 15,07 14,95 14,95 8,11 10,62
EBIT1,4 3,53 3,41 6,67 7,59 8,30 3,22 6,60
EBIT-Marge5 6,89 6,12 11,32 11,48 11,51 3,82 6,80
Jahresüberschuss1 4,82 3,65 6,67 7,59 6,78 3,37 5,10
Netto-Marge6 9,41 6,55 11,32 11,48 9,40 3,99 5,26
Cashflow1,7 5,59 9,86 7,74 12,15 5,13 5,17 7,80
Ergebnis je Aktie8 0,46 0,35 0,52 0.80 0,64 0,32 0,48
Dividende8 0,25 0,25 0,30 0,35 0,40 0,40 0,45
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

  Geschäftsbericht 2017 - Kostenfrei herunterladen.  
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Ebner Stolz

 

Foto: Pixabay



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.