R. Stahl: Wieder einen Blick wert

Vielleicht sollten wir nicht jeden Beitrag zu R. Stahl damit beginnen, dass es wohl ein krasser Fehler der Familiengesellschafter war, den Übernahmeversuch zu 50 Euro je Aktie durch Weidmüller so vehement abzuschmettern. Schließlich ist der Wirtschaftskrimi mittlerweile schon etwas mehr als fünf Jahre her. Und fairerweise muss man wohl auch sagen, dass niemand ahnen konnte, in welch schweres Fahrwasser der Anbieter von explosionsgeschützten Elektronikbauteilen driften würde. Punkt. Wechseln Investoren die Blickrichtung vom Rückspiegel nach vorn, ist R. Stahl nämlich immer mehr eine interessante Turnaroundstory. So hat das neue Vorstandsteam um Mathias Hallmann (CEO) und Volker Walprecht (CFO) mit „R. STAHL 2020“ ein großangelegtes Programm zur Modernisierung des Konzerns angestoßen: von organisatorischen Veränderungen bis hin zu einer Ausdünnung des Produktangebots. Erste Erfolge zeigten sich bereits im vergangenen Jahr, allerdings musste R. Stahl unterm Strich da noch immer einen viel zu hohen Verlust von 7 Mio. Euro ausweisen.

Die zurzeit wesentliche Kennzahl der Waldenburger, das um Restrukturierungsaufwendungen und andere außerordentliche Belastungen bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA vor Sondereinflüssen) stieg 2018 jedoch bereits von 5,80 auf 15,20 Mio. Euro. Diese Kennzahl soll sich im laufenden Jahr nochmals um einen mittleren einstelligen Millionenbetrag erhöhen. „Der Fokus liegt im laufenden Jahr ganz klar auf der Margen- und Ergebnisverbesserung“, sagt Walprecht. Der kürzlich vorgelegte Bericht für das Auftaktquartal zeigt, dass R. Stahl zumindest auf dem richtigen Weg ist. So zog das EBITDA vor Sondereinflüssen von 2,30 auf 7,70 Mio. Euro an. Das Ergebnis nach Steuern drehte von minus 3,46 Mio. Euro auf plus 106.000 Euro. „Unser Effizienzsteigerungsprogramm verläuft planmäßig, dies zeigt sich in unserer Ertrags- und Finanzlage“, sagt Vorstandschef Hallmann. Zwar geht boersengefluester.de davon aus, dass R. Stahl am Jahresende 2019 nochmals rote Zahlen schreiben wird, doch dann sollte der Weg nach vorn eigentlich frei sein.

 

R. Stahl  Kurs: 25,400 €

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019e
Umsatzerlöse1 290,89 304,38 308,53 312,92 286,61 268,46 280,11 288,00
EBITDA1,2 36,73 36,92 31,11 17,40 22,16 7,00 9,46 15,00
EBITDA-Marge3 12,63 12,13 10,08 5,56 7,73 2,61 3,38 5,21
EBIT1,4 24,94 24,90 18,30 3,91 8,78 -10,69 -4,16 1,00
EBIT-Marge5 8,57 8,18 5,93 1,25 3,06 -3,98 -1,49 0,35
Jahresüberschuss1 14,28 15,42 9,84 -0,07 4,22 -21,78 -7,00 -2,00
Netto-Marge6 4,91 5,07 3,19 -0,02 1,47 -8,11 -2,50 -0,69
Cashflow1,7 24,95 33,45 3,14 18,43 10,89 19,75 18,22 19,50
Ergebnis je Aktie8 2,43 2,59 1,67 -0.02 0,64 -3,28 -1,10 -0,29
Dividende8 1,00 1,00 0,80 0,60 0,60 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: BDO

 

Bei aller Vorsicht gegenüber der Bewertung von Unternehmen in Restrukturierungssituationen: Übermäßig teuer scheint uns die aktuelle Marktkapitalisierung von 154,50 Mio. Euro nicht zu sein. Immerhin wird R. Stahl damit gerade einmal mit etwas mehr als dem halben Umsatz am Kapitalmarkt bewertet. Die Eigenkapitalquote von zuletzt 21,50 Prozent ist zwar nicht mehr unbedingt komfortabel – der Mittelwert der vergangenen sechs Jahre liegt bei 31,6 Prozent. Verglichen mit anderen Unternehmen in ähnlichen Situationen steht die Gesellschaft aber noch immer ganz ordentlich da. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten erreichen gerade einmal 2,60 Mio. Euro, zumindest wenn man die üppig dotierten Pensionsrückstellungen von 98,67 Mio. Euro ausklammert. Überflüssig zu erwähnen, dass Dividenden bei R. Stahl in weiter Zukunft liegen und der Titel nur für risikobereite Investoren in Frage kommt. Nächster wichtiger Termin ist die Hauptversammlung (HV) am 7. Juni 2019 in Künzelsau-Gaisbach. Der interessanteste Tagesordnungspunkt ist dabei die auf der Vorjahres-HV auf 2019 vertagte Entlastung der ehemaligen Vorstände Martin Schomaker und Bernd Marx. Da könnte es nochmal richtig knistern.

 

Tipp von boersengefluester.de: Schauen Sie sich bitte auch das Firmenprofil von R. Stahl im Rahmen unserer exklusiven 3-Säulen-Strategie für Value-Anleger an. Dort erhält R. Stahl auf Sicht von drei Jahren 3,5 von 9 möglichen Punkten. Mit Blick auf fünf Jahre sammelt die Aktie gerade einmal 4,5 von 15 Punkten. Und bezogen auf zehn Jahre erhält R. Stahl 13 von maximal 30 Punkten. Ein Beleg dafür, wie schwierig die Vergangenheit war.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
R. Stahl
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A1PHBB 25,400 Kaufen 163,58
KGV 2020e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
28,22 21,17 1,312 42,23
KBV KCV KUV EV/EBITDA
2,83 8,98 0,58 27,990
Dividende '17 in € Dividende '18 in € Div.-Rendite '18
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 07.06.2019
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
09.05.2019 08.08.2019 07.11.2019 26.04.2019
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
8,61% 7,40% 18,69% -14,77%
    

Foto: R. Stahl AG


 

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.