Mynaric: “Riesige Schritte in Richtung Kommerzialisierung”

Deutlich nach oben ging es in den vergangenen Wochen mit dem Aktienkurs von Mynaric. Auslöser waren insbesondere die umfangreichen Neubesetzungen auf Vorstandsebene sowie eine mit einem markanten Aufschlag auf die aktuelle Notiz platzierte Kapitalerhöhung im Volumen von rund 11 Mio. Euro (siehe dazu auch unseren Bericht HIER). Im Gespräch mit boersengefluester.de verrät Mynaric-Neuvorstand Bulent Altan, der künftig das Raumfahrtgeschäft leiten soll, warum er sich für Mynaric entschieden hat und was die wichtigsten Werttreiber des auf Laserkommunikationstechnologien spezialisierten Unternehmens sind. Die Analysten von GBC und Mainfirst siedeln den fairen Wert der im Börsensegment Scale gelisteten Mynaric-Aktie jeweils im Bereich um 100 Euro, also um mehr als 100 Prozent über dem aktuellen Kurs, an. Die gegenwärtige Marktkapitalisierung beträgt knapp 136 Mio. Euro. Geeignet ist der Titel nur für sehr risikobereite Investoren.

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Herr Altan, in der Pressemitteilung zu Ihrem Eintritt in den Vorstand von Mynaric wurden Sie den Anlegern als „Renommierter SpaceX-Veteran“ vorgestellt. Das hört sich ein wenig nach Schlachtross an. Was haben Sie bei SpaceX – also dem Raumfahrtunternehmen von Tesla-Chef Elon Musk – genau gemacht?

Bulent Altan: Ich war für insgesamt zwölf Jahre bei SpaceX und kam schon ganz am Anfang über Elon Musk als einer der ersten Mitarbeiter zum Unternehmen. In meiner Zeit habe ich unter anderem als Vice President of Avionics and Guidance, Navigation, Control das Department aufgebaut, welches die gesamte Elektronik und Steuerkette für die Falcon 9 und auch die Dragon-Kapsel entwickelt hat. In meiner letzten Funktion war ich Vice President for Satellite Mission Assurance und für den Aufbau von der SpaceX Satellitenkonstellation verantwortlich.

Wie kam es dann zum Wechsel zu Mynaric?

Altan: Der Kontakt kam vor rund zweieinhalb Monaten bei einer Podiumsdiskussion zum Thema Space im Rahmen einer Konferenz in München zu Stande, an der sowohl ich, als auch jemand von Mynaric teilnahm. Laserkommunikation war mir als Technologie natürlich bekannt und nach ersten Gesprächen war für mich schnell klar, dass die Mynaric bestens positioniert ist, um ein gutes Stück des Kuchens abzugreifen und ich hierzu einen wichtigen Beitrag leisten könnte. Ab dann ging dann alles ganz schnell.

Hand aufs Herz: Kannten Sie Mynaric bereits, als das Unternehmen im Herbst 2017 an die Börse ging?

Altan: Weltweit gibt es nur eine Hand voll Unternehmen, die Laserkommunikationsprodukte in der Luft- und Raumfahrt anbieten. Auf Mynaric bin ich daher tatsächlich schon vor dem IPO und damals noch unter ihrem früheren Namen aufmerksam geworden, als wir uns bei SpaceX mit Laserkommunikation für die Satellitenkonstellation beschäftigt haben. Damals habe ich allerdings noch nicht geahnt, dass ich einmal selbst bei Mynaric landen werde.

Bei Mynaric sollen Sie das Raumfahrtgeschäft leiten. Welche Aufgaben erwarten Sie dort und was sind die wichtigsten Dinge, die es zu tun gibt?

Altan: Ich bringe die Kundensicht mit an den Tisch. Als Lieferant von Laserkommunikationsprodukten stellen wir eine der Schlüssel-Komponenten zur Verfügung, die für den Aufbau einer Satellitenkonstellation benötigt wird. Diese Komponente muss sich nahtlos in den Satelliten einfügen und reibungslos mit anderen Systemen zusammenspielen. In meiner letzten Funktion für SpaceX war es meine Aufgabe, dieses Zusammenspiel der Satellitenkomponenten sicherzustellen und genau dieses Know-how werde ich bei Mynaric einsetzen, um die bestmöglichen Kundenprodukte zu schaffen.

 

Mynaric  Kurs: 45,800 €

 

Nach dem IPO zu 54 Euro rutschte die Notiz der Mynaric-Aktie innerhalb gut eines Jahres im Tief bis auf etwas mehr als 31 Euro ab. Offenbar war Mynaric dem Kapitalmarkt – als noch stark in der Entwicklung tätiges Unternehmen – doch etwas zu spacig. Wie sieht Ihr Blick aus der technischen Brille auf das Unternehmen aus?

Altan: Mynaric hat heute eine Produktpalette, die es weltweit kein zweites Mal gibt und hat bereits riesige Schritte in Richtung Kommerzialisierung der Technologie gemacht. An ein paar Ecken und Enden – zum Beispiel bei dem noch in Entwicklung befindlichen Satellitenprodukt – haben wir noch Hausaufgaben, aber ich sehe das alles als To-Dos, die wir einfach abarbeiten müssen. Ein technologisches Risiko im Sinne von „geht das?“, gibt es in meinen Augen nicht mehr.

Offenbar gibt es noch jemanden, der sehr überzeugt ist vom Potenzial der Mynaric-Produkte. Immerhin hat ein Investor jetzt 200.000 Mynaric-Aktien zu einer Bewertung von 55 Euro – also erheblich über dem aktuellen Kurs – gezeichnet. Können Sie uns ein paar Hintergründe zu dem Deal verraten?

Altan: Das Investment kommt vom Ankerinvestor einer Satellitenkonstellation, mit der wir zusammenarbeiten, also von dem Geldgeber einer unserer wichtigsten Kunden, der sich auch an der Lieferkette beteiligen wollte, um gleich doppelt zu profitieren. Dass sich der Investor zu einem deutlichen Premium gegenüber dem Marktpreis beteiligt hat, zeigt, welchen Stellenwert unsere Produkte für diese Satellitenkonstellation spielen. Wir können aktuell noch nicht kommentieren um welches Satellitennetzwerk es sich handelt, aber die Gerüchteküche im Satellitenmarkt brodelt natürlich gewaltig.

Welches Potenzial steckt für Mynaric in dem geplanten Aufbau dieser Satellitenkonstellation?

Altan: Wir diskutieren mit dem Kunden aktuell über mehr als 1.000 Laserterminals, die für die Ausstattung der Konstellation innerhalb weniger Jahre benötigt werden. Typischerweise sind das zwei bis vier pro Satelliten. Das Umsatzpotential für uns liegt jenseits der 200 Millionen Euro für diesen einen Kunden. Wenn man bedenkt, dass global rund zwei Dutzend ähnlicher Satellitennetzwerke diskutiert werden – und selbst unter der Annahme, dass nicht alle voll aufgebaut werden – bekommt man ein Gefühl für das Marktpotential von Mynarics Produkten im Weltraumgeschäft.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019e
Umsatzerlöse1 0,00 0,11 1,30 1,86 0,47 1,64 9,00 20,00
EBITDA1,2 0,00 0,01 -0,15 -0,74 -1,72 -2,95 -3,90 -2,10
EBITDA-Marge3 0,00 9,09 -11,54 -39,78 -365,96 -179,88 -43,33 -10,50
EBIT1,4 0,00 0,01 -0,20 -0,84 -1,84 -3,09 -4,10 -2,55
EBIT-Marge5 0,00 9,09 -15,38 -45,16 -391,49 -188,41 -45,56 -12,75
Jahresüberschuss1 0,00 0,01 -0,20 -0,84 -1,84 -3,06 -4,33 -2,70
Netto-Marge6 0,00 9,09 -15,38 -45,16 -391,49 -186,59 -48,11 -13,50
Cashflow1,7 0,00 0,03 0,01 -1,42 -1,64 -2,92 -4,10 -1,30
Ergebnis je Aktie8 0,00 0,01 -0,07 -0.32 -0,70 -1,13 -1,60 -1,00
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: BTU Treuhand

 

Was sind andere wichtige Entwicklungen, auf die Anleger in den kommenden Quartalen bei Mynaric achten sollen?

Altan: Mit der erwähnten Satellitenkonstellation diskutieren wir aktuell die Details für den ersten Start einiger unserer Terminals auf Kundensatelliten im Rahmen einer Pathfinder-Mission, die wir aktuell für 2020 erwarten. Zudem sind wir seit Anfang des Jahres in der Vermarktung unseres Serienproduktes für das Luftfahrt-Segment. Das Produkt soll laut aktuellem Entwicklungs- und Produktionsplan ab Mitte des Jahres verfügbar sein, sodass wir in den nächsten Monaten mehr über Fortschritte in diesem Markt hören werden. Die bereits in der Produktion befindlichen Bodenstationen werden hier natürlich auch eine Rolle spielen. Ich denke dieses Jahr wird es einige News geben, die Mynarics Spitzenposition in Sachen Laserkommunikation und die positive Entwicklung des Marktes im Ganzen untermauern werden.

Zugegeben: Mynaric ist nicht das einzige Unternehmen auf dem Kurszettel, bei dem es kaum Informationen zu den wichtigsten Kunden gibt. Würden Sie uns dennoch ein Gefühl dafür vermitteln, welche Companys die relevanten Spieler im Markt sind?

Altan: Typischerweise arbeiten wir zwei Arten von Unternehmen zusammen. Entweder sind dies große multinationale Konzerne aus den Bereichen Technologie und Luft- und Raumfahrt oder relativ neue und kleine Unternehmen, die mit erfahrenem Management und großen Partnern im Rücken große Projekte stemmen. Zu den großen gehören Unternehmen wie Facebook und Airbus, die beide an neuen Kommunikationslösungen arbeiten und Produkte von uns gekauft haben. Zu den kleineren Zählen Unternehmen wie ArQit, die mit großen Partnern wie der British Telecom und der ESA an extrem sicheren Kommunikationsnetzwerken arbeiten.

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Wann wird Mynaric den Sprung in die Serienfertigung geschafft haben?

Altan: Bei unseren optischen Bodenstationen sind wir ja bereits in der Serienfertigung und multiplizierten erste Stücke. Das kann übrigens international kein weiteres Unternehmen behaupten – bei unserer Konkurrenz können Sie Entwicklungsprojekte zu horrenden Kosten in Auftrag geben, aber in wenigen Monaten lieferfähig ist außer uns niemand. Produkte für das Luftfahrtsegment und dann schließlich für das Satellitengeschäft werden als nächstes in die Serienfertigung überführt. Zunächst die Laserterminals für unbemannte Flugobjekte, sogenannte UAVs, und Flugzeuge gegen Mitte dieses Jahres und sobald Stückzahlen für das Satellitengeschäft nötig werden auch hier.

Mynaric ist ein Entwickler von Hardware für lasergestützte Kommunikationsanwendungen. Werden die Preise in den kommenden Jahren mit zunehmender Kommerzialisierung nicht ins Bodenlose sinken? Wie sichert sich die Gesellschaft dann ihren Teil der Wertschöpfung?

Altan: Unsere Kunden im Satellitengeschäft sind typischerweise im Geschäft mit Daten und berechnen ihren Kunden den Datendurchsatz. Daher ist die wichtige Kenngröße für unsere Produkte nicht die Kosten pro Produkt, sondern die Kosten pro Bit. Mit 10 Gigabit pro Sekunde (Gbps) Datenübertragung befinden wir uns heute noch ganz am Anfang des technisch möglichen. Da wir im Grunde Technologie von Glasfasernetzwerken benutzen, lässt sich dies sehr einfach auf 40, 100 oder gar 1.000 Gbps erhöhen, ohne große Ressourcen aufwenden zu müssen oder dass unsere Materialkosten explodieren. Diese Dynamik wird uns auch in Zukunft attraktive Margen sichern.

Wagen Sie eine Prognose: Wo steht Mynaric in fünf Jahren?

Altan: Wenn sich der Markt weiter so entwickelt, wie es aktuell aussieht, wird Mynaric in fünf Jahren mindestens 1.000 Produkte pro Jahr ausliefern müssen, um den Bedarf der Kunden zu stillen. Die ersten Satellitenkonstellationen mit Mynarics Laserkommunikation an Bord mehrerer hundert Satelliten werden in Betrieb sein und Datencenter rund um den Globus werden mit Mynarics optischen Bodenstationen ausgestattet sein, um die enormen Datenmengen aus dem Weltall zum Boden zu bringen.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Mynaric
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A0JCY1 45,800 Kaufen 133,02
KGV 2020e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
18,32 0,00 0,000 -93,75
KBV KCV KUV EV/EBITDA
3,50 - 81,11 -39,270
Dividende '17 in € Dividende '18 in € Div.-Rendite '18
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 02.07.2019
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
29.10.2018 29.05.2019
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
9,78% 0,04% 34,71% -7,66%
    

 

Bulent Altan gehört seit März 2019 dem Vorstandsteam von Mynaric an – gemeinsam mit Wolfram Peschko und Hubertus von Janecek. Zuvor war Bulent Altan in leitender Positionen für Airbus Defence and Space sowie andere Unternehmen tätig und hat eine Venture Capital-Firma aufgebaut, die in kommerzielle Raumfahrtunternehmen investiert. Am prägendsten waren aber wohl seine mehr als zwölf Jahre (ab 2004) bei SpaceX, der Raumfahrtfirma von Tesla-Boss Elon Musk. Dort war Bulent Altan anfangs mit den Aufbau der Abteilung für Bordelektronik betraut, bevor er zuletzt verantwortlich für die Satellitenkonstellation wurde.

Fotos: Mynaric AG



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.