mic AG: „Blockchain hat das Potenzial, ganze Branchen zu revolutionieren“

Seit August gibt es wieder Hoffnung für die in der Vergangenheit leidgeprüften Aktionäre der Beteiligungsgesellschaft mic AG. Im Zuge eines Neubeginns hat der neue Alleinvorstand Andreas Empl das Portfolio gestrafft, die Kosten erheblich reduziert und mit einer Kapitalerhöhung frisches Kapital eingeworben. Anleger honorierten die ersten Erfolge der „neuen“ mic AG mit einem Kursgewinn von mehr als 60 Prozent in vier Monaten. Jüngster Coup der Münchner: Eine Kooperation mit der Tymlez BV, einem weltweit tätigen Blockchain-Technologie-Anbieter. Im Interview mit boersengefluester.de verrät Empl, warum Blockchain für die mic AG weit mehr als ein kurzfristiges Modethema ist, welche Vorteile der Tymlez-Deal bringt und warum er optimistisch auf 2018 blickt.


 

Herr Empl, die mic AG hat bereits im Oktober angekündigt, in den Bereich Blockchain zu investieren. Klingt zunächst nach Modethema. Warum haben Sie es ausgwählt?

Andreas Empl: Blockchain ist weit mehr als ein kurzfristiges „Modethema“. Die Blockchain-Technologie hat das Potenzial, ganze Branchen zu revolutionieren. Genau für solche Themen und Technologien, die zum Teil als disruptiv bezeichnet werden, steht die mic AG. Blockchain ist eindeutig eine disruptive Technologie, von der wir heute schon wissen, dass sie morgen im gesamten Business- und Verwaltungsumfeld eine wesentliche Bedeutung haben wird. Außerdem hat Blockchain sehr naheliegende Synergien zu unseren Kerngeschäftsfeldern Cloud-Computing/IT-Solutions, Industriedigitalisierung sowie City- und Infrastrukturmonitoring. Das ist eine ideale Kombination, die uns einen klaren Wettbewerbsvorsprung beschert.

Mit der Chainledger Systems AG hat die mic AG nun eine eigene Tochtergesellschaft mit Fokus auf die Blockchain-Technologie. Welche Ziele verfolgen Sie mit der Chainledger Systems?

Andreas Empl: Genau die beschriebenen Synergien zu heben und umsatz- und gewinnstarke Blockchain-Geschäftsmodelle in unseren Kerngeschäftsfeldern erfolgreich in den Markt zu bringen. Die Chainledger Systems AG kann dabei einerseits das herausragende Blockchain Know-how unseres neuen Partners Tymlez B.V. einsetzen und zugleich auf die Fähigkeiten, Netzwerke und Produkte unserer Business-Units zurückgreifen.

Sie sprechen Ihren neuen Partner an, die niederländische Tymlez B.V., mit der Sie in der vergangenen Woche eine Kooperations- und Investmentvereinbarung geschlossen haben. Welche Vorteile bringt dieser Deal der mic-Tochter Chainledger Systems AG?

Andreas Empl: Dieser Deal ist eine entscheidende Voraussetzung gewesen, um offiziell den Start im Blockchain-Business zu verkünden. Chainledger Systems sollte innerhalb der mic-Gruppe nicht als frühphasige Entwicklungsgesellschaft für Blockchain-Technologien gesehen werden, sondern von Beginn an mit einer fertigen und weltweit führenden Blockchain-Lösung Geschäft in den für uns wichtigen Feldern machen. Genau das gelingt uns mit Tymlez.

Sie sprechen von Tymlez B.V. als „den idealen Partner für uns“. Was ist das Besondere an der Technologie von Tymlez?

Andreas Empl: Mit der von Tymlez entwickelten Blockchain Solutions Plattform, die man als eine Art Betriebssystem für Blockchain-Anwendungen sehen kann, können wir einfach und schnell an bestehende Softwareapplikationen eine Blockchain-Architektur innerhalb höchstsicherer Umgebungen anbinden. Unsere Solution Plattform ist bereits in der Lage, mit Altsystemen wie SAP R3, SAP Hana, MSSQL, Salesforce und vielen anderen zu kommunizieren. Die Plattform stellt außerdem einzigartige Modellierungs- und Strukturierungswerkzeuge bereit, die es Softwarearchitekten und Entwicklern ermöglichen, innovative Produkte und Lösungen einfach, sicher und innerhalb von kurzer Zeit neu oder angeknüpft an bestehende Software zu entwickeln. Sie können erkennen, dass diese Blockchain Solutions Plattform daher die ideale Grundlage für mic mit ihren verschiedenen Entwicklungsteams innerhalb der Portfoliounternehmen ist. Diese können sich nun am umfangreichen „Werkzeugkasten“ der Chainledger Systems bedienen und so ihre Produkte noch innovativer gestalten.

 

mic AG  Kurs: 0,844 €

 

In der Pressemitteilung haben Sie als erste Anwendungsfelder in den Bereichen Digitalisierung und Optimierung von Stadt- und Infrastrukturmanagement, industriellen Prozessen sowie innovativen Investmentsystemen genannt. Könnten Sie bitte erläutern, warum Sie genau diese Anwendungsfelder ausgesucht haben?

Andreas Empl: An den genannten Anwendungsfeldern sehen Sie, dass wir nicht ein weiterer Anbieter einer Kryptowährung sein wollen. Wir sind also keinerlei Konkurrent von Bitcoin oder Ether. Vielmehr ist Chainledger Systems auf den weitaus größeren Gebieten außerhalb der Kryptowährung tätig – in Bereichen, in denen ohne direkte Monetarisierung eine stets richtige, überprüfbare, aber dezentrale Verarbeitung einer riesigen Zahl von Transaktionen notwendig wird. Das ist in der Industrie der Fall, wo eine Vielzahl von Unternehmen bei der intelligenten, selbstlernenden Produktion kooperiert und Abrechnungsformen untereinander immer flexibler werden. Das gilt für die Nutzung von Infrastrukturen in und außerhalb von Städten weltweit, wo zum Beispiel über blockchainbasierte Ticketsysteme nachgedacht wird. Ebenso im Bereich des Investmentmanagements, wo die herkömmlichen Systeme für eine große Anzahl kleinerer Investments in diverse Assetklassen einfach keine hinlängliche Effizienz und Fungibilität bieten. Überall da setzen wir an mit der Chainledger Systems AG.

Tymlez wird sich auch an der Chainledger Systems AG beteiligen. Welchen Anteil wird die mic AG nach dieser Transaktion noch halten?

Andreas Empl: Wir sind beim Management der Chainledger Systems klar der führende Partner. Entsprechend wollen wir eine deutliche Mehrheit halten. Wie sich aber im ersten Jahr die Anteilsverhältnisse entwickeln werden, hängt von Bewertungsfragen ab. Wichtig ist, dass nicht nur wir uns komfortabel fühlen mit der Anteilssituation, auch Tymlez soll sich bei den Anteilsverhältnissen fair behandelt fühlen. So werden wir gemeinsam die besten Resultate erzielen.

Planen Sie für die Chainledger Systems AG weitere ähnliche Kooperationen im Bereich Blockchain?

Andreas Empl: Tymlez bietet uns die notwendige Technologie, die wir im Bereich Blockchain benötigen. Und die Business Units der mic Gruppe bieten das notwendige Potenzial in den Anwendungsfeldern. Für den Start sind wir daher bestens aufgestellt. Aber natürlich schließen wir für die Zukunft keine Kooperationen aus, wenn wir damit einerseits neue, vielversprechende Möglichkeiten sehen und das Gefühl haben, dass die Partner gut und vertrauensvoll miteinander arbeiten können. Die Hürden sind also durchaus hoch für weitere Kooperationen bei der Chainledger Systems.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
mic AG
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
A0KF6S 0,844 Halten 12,87
KGV 2019e KGV 10Y-Ø KBV KCV
16,88 7,83 0,61 -
Dividende '17e in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,00 0,00 0,00 28.08.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
26.09.2018 29.06.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
0,60% 11,49% -0,71% -16,93%
       

 

Kommen wir auf die Muttergesellschaft mic AG zu sprechen. Wie läuft es derzeit bei Ihren anderen Beteiligungen?

Andreas Empl: Ausgesprochen gut. Dafür hat unter anderen der neue Teamspirit sowie die Motivation der gesamten mic Gruppe beigetragen. Ich versuche auf die Bedürfnisse unserer Beteiligungen mehr einzugehen, um maximale Unterstützung in Form von diversen Finanzierungsrunden und Vertriebspower zu geben. Die Diso AG fokussiert sich auf ihr profitables Beratergeschäft sowie um die Vermarktung des bestehenden cloudbasierten „Security Workplace“-Produkts. Mit der SHS Technologies GmbH organisieren wir gerade den nächsten großen Wachstumsschub gemeinsam mit der Business Unit 4industries AG. Und nicht zu vergessen die Beteiligungen fibrisTerre Systems GmbH und PiMON GmbH, die vor auf einem möglichen IPO oder Backdoor Listing an der australischen Börse ASX stehen. Nach sich die mic AG noch in der ersten Jahreshälfte in einer schwierigen Phase befand, können wir nach dem Managementwechsel im Sommer, der grundlegenden Restrukturierung sowie der erfolgreichen Kapitalerhöhung nun wieder optimistisch in die Zukunft blicken.

 

mic AG  Kurs: 0,844 €

 

Sie sprechen es an, das laufende Geschäftsjahr war von der grundlegenden Restrukturierung der mic Gruppe geprägt. Ist die Sanierung nun abgeschlossen?

Andreas Empl: Ja, die mic AG hat sich entschuldet, die Sanierung war erfolgreich. Etwas „Aufräumarbeit“ in Form von Liquidationen diverser GmbH-Mäntel, Verschmelzungen oder Debt-to-Equity Transaktionen (also die Wandlung von Schulden in Eigenkapital) wird sich noch bis Ende des ersten Quartals 2018 hinziehen. Das hindert uns aber nicht daran, auf Wachstumskurs zu gehen bei den bestehenden Töchtern.

Die mic-Aktie hat in den vergangenen Wochen einen neuen Aufwärtstrend etabliert. Sehen Sie das steigende Interesse von Investorenseite auch als Bestätigung Ihrer neuen Strategie?

Andreas Empl: Absolut. Auf unserer Roadshow, aber auch auf diversen Kapitalmarktkonferenzen hatten wir regen Zuspruch. Der klare Fokus, die weitestgehende Beendigung der Sanierungsarbeiten sowie das „Freilegen“ unserer Technologieunternehmen stößt auf breite Unterstützung im bestehenden Aktionärskreis ebenso wie bei neuen Investoren. Unsere Technologietöchter stehen vor massiven Wachstumsimpulsen in 2018. Trotz der jüngsten Kurssteigerungen spiegelt sich das tatsächliche Potenzial der „neuen“ mic Gruppe jedoch noch nicht im aktuellen Kursniveau wider. Ich werde zusammen mit dem Team der mic AG und den Business-Units in den kommenden Monaten hart und gezielt daran arbeiten, unseren Aktionären Performance zu bringen. Wir haben ehrgeizige Ziele und noch viele Etappen vor uns.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 6,33 3,65 4,40 3,44 1,34 2,25 0,00
EBITDA1,2 4,12 1,46 1,80 1,64 -3,58 -0,45 0,00
EBITDA-Marge3 65,09 40,00 40,91 47,67 -267,16 -20,00 0,00
EBIT1,4 3,60 4,10 -3,67 1,62 -30,57 -0,49 0,00
EBIT-Marge5 56,87 112,33 -83,41 47,09 -2.281,34 -21,78 0,00
Jahresüberschuss1 3,91 -4,69 1,26 1,42 -29,70 0,03 0,00
Netto-Marge6 61,77 -128,49 28,64 41,28 -2.216,42 1,33 0,00
Cashflow1,7 3,93 -0,41 1,33 1,44 -29,69 0,04 0,00
Ergebnis je Aktie8 0,51 -0,68 0,12 0.14 -2,14 0,01 0,04
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

  Geschäftsbericht 2017 - Kostenfrei herunterladen.  
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: RSM Verhülsdonk

 

Fotos: Pixabay, Privat

 


 

Andreas Empl war als gelernter Werbekaufmann bis Ende der 90er Jahre in diversen Funktionen im Medien- und Kommunikationssektor tätig. Als einer der ersten Investor Relations-Manager am Kapitalmarkt in Deutschland, begleitete er den millionenschweren Börsengang einer IT-Vermarktungsfirma in Deutschland zum Erfolg. Im Anschluss leitete Empl mehr als zehn Jahre  die Geschicke seiner eigenen Corporate Finance und Private Equity-Agentur. Zeitgleich war er immer wieder im Amt als Vorstand- oder Aufsichtsrat von börsennotierten Aktiengesellschaften. Zuletzt war Empl in selbständiger Funktion in London, UK als Berater internationaler Firmen tätig. Andreas Empl verfügt über ein internationales Netzwerk von Investoren, wie Banken, Institutionen sowie Private Equity Gesellschaften.



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.