IVU Traffic: “Wieder gut unterwegs”

Schneller und deutlicher als erwartet, kommt der Turnaround des Telematikanbieters IVU Traffic Technologies daher. Das zeigt Wirkung an der Börse: Nach dem aus Anlegersicht verpatzten Jahr 2016, liegt der Anteilschein von IVU seit Anfang 2017 um rund 50 Prozent vorn. Zwar entscheidet sich bei dem Berliner Unternehmen regelmäßig erst im Abschlussviertel, wie gut die Zahlen tatsächlich werden. Doch bereits mit der Vorlage des Halbjahresberichts Ende August, setzte IVU-Vorstand Martin Müller-Elschner die Prognosen für das Gesamtjahr herauf (siehe dazu auch unseren Beitrag HIER). Im Interview mit boersengefluester.de verrät Müller-Elschner jetzt, was ihn so optimistisch für die weitere Entwicklung stimmt, welche Expansionspläne er hat, wie es mit einer Dividende für die Aktionäre aussieht und warum sich IVU schon jetzt auf das Eigenkapitalforum im November in Frankfurt freut.


 

Herr Müller-Elschner, die IVU Traffic Zechnologies AG hat ihre Prognose für das laufende Geschäftsjahr erhöht. Obwohl Sie nach sechs Monaten noch ein leicht negatives EBIT ausweisen, erwarten Sie für das Gesamtjahr nun ein operatives Ergebnis von rund 4 Mio. Euro. Woher nehmen Sie Ihre Zuversicht für das zweite Halbjahr?

Martin Müller-Elschner: IVU hat immer einen stark saisonalen Geschäftsverlauf, ein negatives EBIT ist zur Jahresmitte üblich. In diesem Jahr haben wir allerdings das beste Halbjahresergebnis seit langer Zeit. Dazu kommt eine sehr gute Auftragslage, der Auftragsbestand deckt aktuell 90 Prozent unseres Plans ab. Die große Herausforderung ist in diesem Jahr, die Aufträge abzuarbeiten. All das ist eine gute Grundlage für die Erhöhung unserer Prognose.

Inwiefern sind die deutlichen Ergebnissteigerungen eine direkte Folge der von Ihnen angekündigten Fokussierung auf margenstarke Kernmärkte?

Martin Müller-Elschner: Wir haben auch in diesem Jahr wieder in Heimatmärkten wie Deutschland, Holland und der Schweiz zahlreiche Projekte akquiriert und umgesetzt. Das schlägt sich entsprechend positiv in unserem Ergebnis nieder und bestätigt damit unsere Strategie der Fokussierung auf diese Märkte. Das heißt aber nicht, dass wir nicht auch weiterhin offen für interessante internationale Projekte sind, ein spannendes läuft zum Beispiel gerade in Afrika.

Wie stufen Sie die Wettbewerbssituation im heimischen Markt ein und mit welcher Strategie wollen Sie in Deutschland weiter wachsen?

Martin Müller-Elschner: Wir sind im deutschen Markt traditionell sehr stark. Hier sitzen unsere treuesten Kunden. Der Umsatzanteil Deutschlands liegt seit Jahren immer über 50 Prozent, es gibt aber auch hierzulande noch erhebliche Wachstumschancen. Wir wollen unsere Kunden – bestehende und neue – auf dem Weg in das digital integrierte Verkehrsunternehmen begleiten. Aktuell beschäftigen unsere Branche Trends wie eleganteres Ticketing, die Umstellung auf Elektrobusse und die vorausschauende Instandhaltung des Fuhrparks. Dafür sind wir mit unserer Produktpalette optimal aufgestellt.

 

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Im Juli haben Sie die Schweizer STI AG gekauft. Was macht die STI konkret und was erwarten Sie sich von der Übernahme?

Martin Müller-Elschner: STI ist ein Beratungsunternehmen, mit dem wir in der Vergangenheit regelmäßig zusammengearbeitet haben. Die Mitarbeiter sind Experten für den Markt in der Schweiz. STI berät Verkehrsunternehmen bei der Auswahl und Dimensionierung von Softwarelösungen und ist damit dicht am Kunden. Mit dem Kauf einer Gesellschaft in der Schweiz erhalten wir einen noch direkteren Marktzugang.

Welche Bedeutung hat der Schweizer Markt generell für die IVU und welche zusätzlichen Impulse erhoffen Sie sich von der STI-Übernahme?

Martin Müller-Elschner: Die Schweiz ist seit langem ein Kernmarkt der IVU und trägt mehr als sechs Prozent zum Umsatz bei. Zudem ist die Schweiz einer der wichtigsten Verkehrsmärkte Europas. Die dortigen Unternehmen sind in Bezug auf Qualität und Funktionsumfang der eingesetzten Software sehr anspruchsvoll. Neue Produkte werden dort schnell angenommen, so zum Beispiel das IVU.pad. Wir können von dort für andere Länder lernen und unsere Schweizer Kunden sind eine gute Referenz auf der ganzen Welt.

Parallel zum Ausbau ihres Geschäfts in der Schweiz stärkt die IVU ihre Präsenz in Österreich mit der Gründung einer Tochtergesellschaft. Welche Vorteile versprechen Sie sich davon? Wie schnell kann die IVU Austria GmbH voraussichtlich einen positiven Ergebnisbeitrag liefern?

Martin Müller-Elschner: Wir haben bereits seit vielen Jahren Kunden in Österreich, zum Beispiel die Wiener Linien, die ÖBB und die Stadtwerke Klagenfurt, die bisher aus Deutschland betreut wurden. Mit der Tochtergesellschaft erhalten diese Unternehmen jetzt einen direkten Ansprechpartner vor Ort. Und natürlich können wir damit auch den Vertrieb in der Region deutlich aktiver betreiben.

Soll von Wien aus auch die weitere Expansion gen Osteuropa für die IVU-Gruppe vorangetrieben werden?

Martin Müller-Elschner: Eindeutig ja! Österreich liegt im Zentrum Europas und war schon immer das Tor in den Osten. Traditionell hat Österreich gute Beziehungen zu seinen Nachbarn. Davon möchten wir langfristig profitieren.

 

 

Rückt mit dem stärkeren operativen Ergebnis für 2017 nun auch wieder eine Dividende für Ihre Aktionäre in Reichweite oder benötigen Sie die liquiden Mittel für die weitere Expansion?

Martin Müller-Elschner: Ob eine Dividende möglich sein wird, entscheidet sich am Jahresende. Zuerst einmal müssen wir die aktienrechtlichen Voraussetzungen hierfür schaffen. Wir arbeiten aber darauf hin, unsere Investoren an den Erfolgen der IVU teilhaben zu lassen.

Für das aktuelle Geschäftsjahr peilen Sie eine EBIT-Marge in Relation zum Rohergebnis von knapp neun Prozent an. Verglichen mit früheren Jahren ist das noch immer kein übermäßig berauschender Wert. Welche Zielgröße haben Sie mittelfristig im Visier und wo sehen Sie die größten Ergebnispotenziale?

Martin Müller-Elschner: Zunächst bin ich ganz persönlich froh über die schnelle Wende, wir sind wieder gut unterwegs! Mein Ziel ist und bleibt eine angemessene Profitabilität, also auch eine stabile zweistellige EBIT-Marge. Hierzu werden uns drei Ansätze helfen: Wie gesagt, sehen wir zunächst großes Potenzial in unseren westeuropäischen Kernmärkten. Hier sind wir mit unseren Lösungen für den Megatrend Digitalisierung bestens aufgestellt. Eine zweite starke Säule ist unser Produkt IVU.rail, die Lösung für integrierte Planung und Disposition von Fahrzeugen und Personal von Eisenbahnen. In diesem Jahr haben sich erneut viele Bahnunternehmen für unser Produkt entschieden, so auch DB Regio, der größte deutsche Nahverkehrsanbieter. Und drittens sind wir weiterhin von der internationalen Perspektive überzeugt, die in und für Europa entwickelten technischen Lösungen auch schrittweise auf anderen Kontinenten auszurollen.

Mit einer Marktkapitalisierung von rund 75 Mio. Euro wird IVU Traffic auch für institutionelle Investoren wieder zunehmend interessant. Spüren Sie bereits eine verstärkte Nachfrage von institutioneller Seite?

Martin Müller-Elschner: Unsere Aktie wird insgesamt rege nachgefragt und der Kurs ist in den vergangenen sechs Monaten um 50 Prozent gestiegen, die Delle des letzten Jahres ist somit mehr als aufgeholt. Wir sind in regelmäßigem Kontakt zu institutionellen Anlegern und ich bin schon gespannt auf das Eigenkapitalforum im November in Frankfurt, hier hat das Interesse in den letzten Jahren konstant zugenommen.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
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KGV 2020e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
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KBV KCV KUV EV/EBITDA
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Dividende '18 in € Dividende '19e in € Div.-Rendite '18
in %
Hauptversammlung
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Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
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Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018 2019e
Umsatzerlöse1 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBITDA1,2 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBITDA-Marge3 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBIT1,4 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBIT-Marge5 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Jahresüberschuss1 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Netto-Marge6 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Cashflow1,7 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Ergebnis je Aktie8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer:

 

Fotos: IVU Traffic Technologies AG


 

Martin Müller-Elschner ist seit Januar 2010 Vorstandsvorsitzender der IVU Traffic Technologies AG. Der Diplom-Ingenieur kennt das Unternehmen schon eine ganze Weile: Bereits 1994 übernahm er die Leitung von Projekten zur Verbesserung der Fahrgastinformation. Danach war er Bereichsleiter, dann Prokurist und seit 2008 Vorstandsmitglied der IVU.



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.