Francotyp-Postalia: Nichts für Puristen

Puristen werden mit der Nase rümpfen: Kaum eine Kennzahl im Halbjahresbericht, die Francotyp-Postalia nicht um irgendetwas bereinigt. Der Umsatz in den ersten sechs Monaten 2018 steigt währungsbereinigt um 3,3 Prozent auf 107,9 Mio. Euro – verglichen mit einem berichteten Erlösplus von 0,3 Prozent auf 104,8 Mio. Euro. Beim Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) rechnet der Anbieter von Frankiermaschinen ebenfalls Währungseffekte und zudem die Aufwendungen für das ACT-Projekt JUMP heraus und kommt so auf ein Plus von 22,1 Prozent auf 15,5 Mio. Euro. Wer nicht ganz so tief in der Materie steckt: ACT steht für Attack, Customer und Transformation und bezeichnet die Eckpfeiler zur Umsetzung der Langfristziele für die Jahre 2020 bzw. 2023. JUMP wiederum ist eine Art kurzfristiges Unterprogramm und dient der Anpassung von Strukturen innerhalb der Organisation.

Sicher: Diese Maßnahmen kosten zunächst Geld, letztlich bewegt sich aber jedes agile Unternehmen einem ständigen Veränderungsprozess. So gesehen ist es sicher auch nicht verkehrt, sich als potenzieller Investor das „normale“ EBITDA von knapp 12,8 Mio. Euro zum Halbjahr als Bezugsgröße zu nehmen, zumal wenn es nahezu exakt auf Vorjahresniveau liegt. Gleiches gilt unserer Meinung nach auch für die Gesamtjahresprognose, wonach Vorstandschef Rüdiger Andreas Günther – nur bereinigt um die für JUMP veranschlagten 6 bis 8 Mio. Euro – eine leichte Steigerung des EBITDA gegenüber dem Vorjahreswert von 26,3 Mio. Euro als Marschroute ausgibt. Unterm Strich wird 2018 für Francotyp-Postalia dagegen wohl nicht viel hängen bleiben. Und so bleibt das bittere Fazit, dass viele Börsianer bei dem Small Cap – nach einer sehr starken Phase 2016/17 – längst ausgestiegen sind. Bereinigt um das ganze Abkürzungs-Gedöns sieht es bei dem Unternehmen derzeit nämlich bestenfalls mittelprächtig aus.

Insgesamt halten wir Francotyp-Postalia bei einem Börsenwert von 57,5 Mio. Euro für gut bezahlt, auch wenn die Langfristziele mit einem Ergebnis je Aktie von mehr als 1 Euro verlockend aussehen. Die jüngsten Kursziele der Analysten von bis zu 6,50 Euro halten wir jedenfalls für spürbar zu hoch gegriffen.

 

Francotyp-Postalia  Kurs: 3,870 €

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Francotyp-Postalia
WKN Kurs in € Einschätzung Börsenwert in Mio. €
FPH900 3,870 Verkaufen 63,09
KGV 2019e KGV 10Y-Ø BGFL-Ratio Shiller-KGV
14,88 14,34 1,038 13,04
KBV KCV KUV EV/EBITDA
1,94 2,97 0,31 3,437
Dividende '17 in € Dividende '18e in € Div.-Rendite '17
in %
Hauptversammlung
0,12 0,06 3,10 29.05.2018
Q1-Zahlen Q2-Zahlen Q3-Zahlen Bilanz-PK
17.05.2018 23.08.2018 15.11.2018 29.03.2018
Abstand 60Tage-Linie Abstand 200Tage-Linie Performance YtD Performance 52 Wochen
5,74% 0,31% -16,88% -20,21%
       

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018e
Umsatzerlöse1 165,64 168,92 170,31 191,06 202,97 206,34 209,00
EBITDA1,2 19,01 22,16 23,08 26,81 27,22 26,32 19,00
EBITDA-Marge3 11,48 13,12 13,55 14,03 13,41 12,76 9,09
EBIT1,4 9,10 10,40 9,81 9,00 9,74 7,26 1,50
EBIT-Marge5 5,49 6,16 5,76 4,71 4,80 3,52 0,72
Jahresüberschuss1 3,96 4,85 5,21 3,72 6,20 4,65 0,20
Netto-Marge6 2,39 2,87 3,06 1,95 3,05 2,25 0,10
Cashflow1,7 7,31 18,49 17,47 18,63 22,13 21,25 19,80
Ergebnis je Aktie8 0,27 0,31 0,32 0.22 0,36 0,28 0,02
Dividende8 0,00 0,08 0,16 0,12 0,16 0,12 0,06
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: KPMG

Foto: kaboompics


 

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.