windeln.de: “China war sehr stark”

Auf aktuelle Zwischenberichte reagierte der Aktienkurs von windeln.de schon häufig genug allergisch. Seit einigen Monaten bildet der Titel im Bereich um gut 3 Euro jedoch einen Boden aus und gilt in der Finanzmarktszene als heiße Wette auf einen Turnaround – auch wenn der operative Ergebnisswing nicht vor 2019 zu erwarten ist. Umso genauer schauen die Investoren, wie sich die Münchner in den einzelnen Quartalsabschnitten entwickeln. „Wir sind auf dem richtigen Weg“, sagt Finanzvorstand Nikolaus Weinberger im Hintergrundgespräch mit boersengefluester.de. Dabei sind die Zahlen für das zweite Quartal 2017 durchaus erklärungsbedürftig. Immerhin fielen die Umsätze in der DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) von 13,07 auf 10,96 Mio. Euro zurück. Hintergrund sind allerdings reduzierte Marketingaufwendungen zugunsten der Profitabilität, also keine allgemeine Marktschwäche. Zurück auf Wachstumskurs ist windeln.de in China, wo die Erlöse mit 27,28 Mio. Euro den – nach regulatorischen Änderungen freilich gestutzten – Vorjahreswert um immerhin 42,6 Prozent übersteigen. „China war sehr stark“, betont Weinberger.

Auch im restlichen Europa legte die Gesellschaft spürbar zu, so dass die Konzernerlöse im zweiten Quartal um 21,6 Prozent auf 54,60 Mio. Euro vorankamen. Dementsprechend steht zum Halbjahr ein Umsatz von 106,48 Mio. Euro (+15,8 Prozent) zu Buche. Das um Sonderposten aus der Akquisition und Integration von Tochtergesellschaften bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) vergrößerte sich dabei um 245.000 Euro auf minus 19,97 Mio. Euro. Kein Wunder, dass die Investoren wieder einmal nicht sonderlich “amused” auf den Zwischenbericht reagierten. Dabei setzt windeln.de eine Reihe von Maßnahmen um, die sich positiv auf die Rentabilität auswirken werden: So werden Lieferungen nach China seit Ende des ersten Quartals zusätzlich auch von der Niederländischen Post durchgeführt. Darüber hinaus ist der Kundenservice seit April nach Ungarn ausgelagert. Ebenso laufen die Vorbereitungen für den Umzug des Zentrallagers nach Osteuropa auf Hochtouren. „Die Ausschreibungsphase hierfür ist abgeschlossen“, sagt Weinberger. Ab dem zweiten Halbjahr 2018 dürften auch von dieser Seite positive Ergebniseffekte ausstrahlen.

 

windeln.de  Kurs: 3,231 €

 

Dr. Nikolaus Weinberger, CFO windeln.de

An den Prognosen für das Gesamtjahr 2017 und den mittelfristigen Zielsetzungen hält das Management demnach fest. Zudem lässt Weinberger keinen Zweifel daran, dass windeln.de den für 2019 avisierten Turnaround mit eigenen Mitteln stemmen will – es also keine Kapitalerhöhung geben soll. Gegenwärtig verfügt das Unternehmen aus dem Börsengang vor gut zwei Jahren über liquide Mittel von 41,88 Mio. Euro. Vor zwölf Monaten türmte sich dieser Posten noch auf 67,22 Mio. Euro. Das Eigenkapital des im Prime Standard gelisteten Unternehmens beläuft sich zum Halbjahr 2017 auf 66,90 Mio. Euro, was beinahe 63 Prozent der Bilanzsumme entspricht. Anleger, denen das niedrige Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) von 1,3 ins Auge sticht, sollten freilich bedenken, dass das Eigenkapital in den kommenden Quartalen aufgrund der Verlustsituation weiter schmelzen wird. Insgesamt überwiegen für boersengefluester.de derzeit aber die Pluspunkte. Die Nachrichtenlage sollte sich in den kommenden Quartalen weiter verbessern.

Interessante Neuigkeiten gibt es derweil im Wettbewerbsumfeld: So schmiedet die Drogeriekette Rossmann gerade eine Allianz mit dem mächtigen US-Konzern Amazon. Bleibt abzuwarten, wie sich die Kooperation künftig entwickeln wird. Ebay ist für windeln.de hingegen kein übermäßig relevanter Wettbewerber – hierzulande schon eher der Drogeriemarkt dm. Letztlich setzt windeln.de als Vollsortimenter jedoch darauf, dass Klassiker wie Windeln und Babynahrung der Türöffner für weitere Einkäufe (Spielzeug, Kinderwagen, Mode etc.) sind. Risikobereite Investoren setzen weiter auf den Turnaround bei windeln.de. Montega Research setzt das Kursziel nach dem Q2-Bericht weiterhin bei 4 Euro an. „Die vom Unternehmen eingeleiteten Maßnahmen zur Steigerung der Profitabilität scheinen allmählich zu greifen und dürften in den kommenden Jahren zu einer deutlichen Verbesserung des operativen Ergebnisses führen”, lautet das Fazit von Analyst Frank Laser.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
windeln.de
WKN Kurs in € Einschätzung
WNDL11 3,231 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
- 1,29 86,04
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 02.06.2017 0,00

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 21,54 49,44 101,32 160,99 194,76 230,00
EBITDA1,2 -7,18 -11,78 -10,94 -26,42 -33,54 -39,00
EBITDA-Marge3 -33,33 -23,83 -10,80 -16,41 -17,22 -16,96
EBIT1,4 -7,32 -12,22 -11,72 -19,38 -35,31 -40,00
EBIT-Marge5 -33,98 -24,72 -11,57 -12,04 -18,13 -17,39
Jahresüberschuss1 -7,29 -12,27 -9,83 -29,01 -41,97 -40,50
Netto-Marge6 -33,84 -24,82 -9,70 -18,02 -21,55 -17,61
Cashflow1,7 -6,51 -11,19 -6,06 -22,24 -31,22 -29,00
Ergebnis je Aktie8 -0,27 -0,46 -0,37 -1.18 -1,42 -1,54
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Ernst & Young

 

Fotos: windeln.de, pixabay

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.