[ Serie ] Die DAX-Familie – Teil 1

So funktioniert die DAX-Familie – Teil 1: Warum es EADS nicht in den DAX schafft

Vier mal im Jahr tagt der Arbeitskreis Aktienindizes und entscheidet über die Zusammensetzung von DAX, MDAX, SDAX und TecDAX. Für Investoren und Unternehmen sind das wichtige Termine mit  hohem Kurseinfluss.  Hier erfahren Sie die Regeln und interessante Details aus der Indexwelt der Deutschen Börse.

Aktienindizes sind ein lukratives Geschäft. Inklusive aller Subindizes umfasst allein die komplette Indexwelt „DAX Deutsche Indizes“ der Deutschen Börse AG fast 400 einzelne Börsenbarometer. Die mit Abstand bekanntesten sind DAX, #MDAX, #SDAX und #TecDAX. Dominiert wird dieses Quartett wiederum klar vom DAX, auf den allein  fast 80 Prozent der Kapitalisierung entfällt. Es folgt der MDAX mit einem Anteil von 16 Prozent. SDAX und TecDAX spielen gemessen an ihrem Börsenwert nur eine untergeordnete Bedeutung ­ – auch wenn der Small-Cap-Index SDAX in den vergangenen Jahren regelmäßig mit einer sehr starken Performance zu überzeugen wusste. Die addierte Kapitalisierung der 30 Techunternehmen ist dabei in etwa vergleichbar mit der der 50 SDAX-Gesellschaften.

Der DAX bildet die 30 größten und handelsstärksten Unternehmen an der Frankfurter Börse ab. Im Mid-Cap-Index MDAX sind hingegen die 50 Firmen angesiedelt, die gemessen an Börsengröße und Handelsumsatz dem DAX folgen. Berücksichtigt werden dabei nur Gesellschaften aus sogenannten „klassischen“ Branchen. Die 50 nächstgroßen Firmen aus klassischen Sektoren sind dann im SDAX beheimatet. Die 30 wichtigsten und liquidesten Werte unterhalb des DAX, die dem Technologiesektor zuzuordnen sind, werden hingegen im TecDAX zusammengefasst. Der Mindeststreubesitz beträgt bei allen Indizes zehn Prozent. Sackt der Free Float, etwa durch eine Übernahme, unter diese Marke, wird die Aktie aus dem jeweiligen Barometer entfernt. Alle Indizes sind kapitalgewichtet. Das heißt: Je höher der Börsenwert der sich im Streubesitz befindlichen Anteile, desto höher ist größer ist das Gewicht im Index. Nach oben ist der Einfluss eines Einzelwerts jedoch auf maximal zehn Prozent limitiert.

Warum es EADS nicht in den DAX schafft

Interessant ist in diesem Zusammenhang der Fall EADS. Der Luftfahrtkonzern ist juristisch gesehen eine Gesellschaft niederländischen Rechts. Daher war ihm in den ersten gut 2,5 Jahren nach der Notizaufnahme im Juli 2000 eine Mitgliedschaft in einem deutschen Auswahlindex verwehrt. Mit der großen Indexrevision im Frühjahr 2003 lockerte die Deutsche Börse AG die Regelungen und ließ für die Auswahlbarometer unterhalb des DAX auch ausländische Gesellschaften zu. Voraussetzungen: Entweder werden mindestens 33 Prozent des Handelsumsatzes über die Frankfurter Wertpapierbörse (Xetra plus Frankfurt) abgewickelt oder es befindet sich zumindest ein operatives Hauptquartier in Deutschland. Weil EADS Zentralen in München und Paris besitzt, war damit der Weg in den MDAX frei. Im Jahr 2006 weiterten die Indexhüter diese Regelung dann auch auf den DAX aus. In den DAX geschafft, hat es bislang freilich noch kein „ausländisches“ Unternehmen. Gemessen an der Marktkapitalisierung erreicht EADS zwar locker DAX-Niveau. Der Grund für die Nicht-Beachtung ist jedoch, dass nur etwa zehn Prozent des Börsenhandels via Frankfurt laufen. Entsprechend weit hinten platziert ist EADS in der Umsatzstatistik. Der dominante Börsenplatz ist Paris. Folgerichtig ist der Luftfahrtkonzern auch im französischen Auswahlindex CAC 40 enthalten.


Teil 2: Zum Artikel  ·  Nach diesen Regeln entscheiden die Indexhüter beim DAX

Teil 3: Zum Artikel  ·  DAX-Startaufstellung 1997 + Bisherige Anpassungen bis 2013

Teil 4: Zum Artikel  ·  MDAX, SDAX und TecDAX



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.

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