secunet Security Networks: Gewinne auf Hochplateau

Analystenkonferenzen von secunet Security Networks finden normalerweise im kleinen Kreis statt – mehr als fünf oder sechs Investoren und Analysten sind es meist gar nicht. Umso überraschter war Rainer Baumgart, der Vorstandsvorsitzende des IT-Sicherheitsdienstleisters, dass zur Präsentation der 2016er-Zahlen immerhin 14 Leute im Auditorium des DVFA-Centers in Frankfurt saßen: „Ein richtig volles Haus für unsere Verhältnisse.“ Sein für die Finanzen zuständiger Vorstandskollege Thomas Pleines mutmaßte im Scherz sogar, ob sich manch einer womöglich im Raum vertan hatte und eigentlich zur Veranstaltung von Bechtle wollte. Aber so ganz überraschend kommt das gestiegene Interesse an secunet eigentlich gar nicht. Immerhin hat der Small Cap in den vergangenen zwölf Monaten um 117 Prozent an Wert gewonnen. In der Spitze waren es sogar fast 184 Prozent. Doch seit Ende Januar 2017 konsolidiert der Titel. Informationen, ob einige Adressen mit größeren Stückzahlen unterwegs sind, haben aber auch die Essener nicht. Bei einem vergleichsweise marktengen Titel wie secunet – der Streubesitz beträgt offiziell gerade einmal 10,38 Prozent – lassen sich derartige Bewegungen freilich nie ausschließen. Immerhin wirkt das Momentum in beide Richtungen: Ein steigender Kurs zieht immer neue Anleger an, die bei fallenden Kursen dann aber auch ebenso schnell die Reißleine ziehen. Dabei lässt sich über die Bewertung des Small Caps trefflich streiten.

Fakt ist: secunet Security Networks kam im Rekordjahr 2016 auf ein kaum für möglich gehaltenes Erlösplus von 27 Prozent auf 115,71 Mio. Euro. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) legte gegenüber dem ohnehin schon hohen 2015er-Niveau von 8,57 Mio. Euro nochmals um 60 Prozent auf 13,74 Mio. Euro zu. Unterm Strich blieb ein Ergebnis je Aktie von 1,43 Euro stehen – nach 0,94 Euro im Jahr zuvor. „Das Wachstum kam aus nahezu allen Bereichen“, sagt Baumgart. Soll heißen: Sowohl das Produktgeschäft mit besonders gesicherten IT-Produkten (vorwiegend für den Einsatz in Behörden), als auch das Beratungsgeschäft zogen gleichermaßen an. Von einer dermaßen großen Auftragsflut war wohl selbst das Management überrascht, sonst hätte secunet seit der Vorlage des Halbjahresberichts wohl kaum drei Mal seine Umsatz- und Ergebnisziele nach oben revidiert – und am Ende sogar diese finale Messlatte nochmals getoppt. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September 2017 gibt sich CEO Baumgart bei der Prognose für das laufende Jahr betont konservativ: „Wir müssen damit rechnen, dass Projekte, die nicht vor der Haushaltssperre erteilt werden, sich um einige Monate verzögern.“ Demnach rechnet secunet für 2017 mit einem leichten Rückgang der Umsatzerlöse sowie einer leicht rückläufigen EBIT-Marge. Legt man diese Aussage für die Ergebnisschätzung zugrunde, dürfte secunet auf ein Betriebsergebnis von etwa 13 Mio. Euro kommen.

 

secunet Security Networks  Kurs: 63,260 €

 

Das ist einerseits zwar Hochplateau, andererseits aber trotzdem nun mal ein Rückgang. Und viel Raum für Enttäuschungen lässt die Marktkapitalisierung von gegenwärtig rund 338 Mio. Euro nicht, selbst wenn secunet frei von Bankschulden agiert und liquide Mittel von gut 50 Mio. Euro auf der Aktivseite stehen hat. Ein Faktor von 22 auf die Relation von Enterprise Value (Börsenwert minus Netto-Liquidität) zu EBIT ist nun mal eine stramme Ansage. Rückgerechnet auf das Kurshoch vom Januar lag das Multiple sogar bei 30. Möglicherweise entpuppt sich der vorsichtige Ausblick einmal mehr als deutlich zu konservativ und secunet kommt am Ende bei einem Betriebsergebnis von 15 Mio. Euro oder mehr heraus. Das macht den Titel zwar immer noch nicht zu einem Schnapper, aber in diese Kategorie gehört das im Prime Standard gelistete Unternehmen ohnehin nicht.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 67,24 63,89 82,21 91,09 115,71 112,00
EBITDA1,2 6,78 4,75 7,68 9,81 15,24 14,55
EBITDA-Marge3 10,08 7,43 9,34 10,77 13,17 12,99
EBIT1,4 5,69 3,66 6,55 8,57 13,74 13,00
EBIT-Marge5 8,46 5,73 7,97 9,41 11,87 11,61
Jahresüberschuss1 3,69 2,38 4,37 6,10 9,22 8,70
Netto-Marge6 5,49 3,73 5,32 6,70 7,97 7,77
Cashflow1,7 8,63 6,64 10,22 4,44 20,50 12,70
Ergebnis je Aktie8 0,57 0,37 0,68 0.94 1,43 1,40
Dividende8 0,00 0,15 0,27 0,34 0,58 0,58
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: KPMG

 

Mindestens ebenso spannende Szenarien lassen sich mit Blick auf die künftige Rolle des langjährigen Großaktionärs Giesecke & Devrient (Anteil 78,96 Prozent) entwickeln: Der Münchner Sicherheitskonzern versuchte zuletzt im Jahr 2009 – in einem Atemzug mit der Übernahme des secunet-Anteils der RWTÜV AG – sein Paket via freiwilligem Barangebot an die freien Aktionäre aufzustocken. Damals lautet die Offerte auf 5,70 Euro. Ein Witz aus heutiger Sicht. Schwer abzuschätzen, ob Giesecke & Devrient (G&D) bereit wäre, für die restlichen Stücke ein Angebot über 50 oder 60 Euro zu unterbreiten. Noch haben beide Parteien nicht mal einen Gewinnabführungsvertrag geschlossen. Denkbar ist freilich auch, dass secunet in zehn Jahren noch mit einem Streubesitz von zehn Prozent auf dem Kurszettel vertreten ist. Eine dritte Variante wäre, dass G&D seinen Anteil via Umplatzierung an institutionelle Investoren irgendwann verringert und secunet auf diese Weise sukzessive wieder zu einer Publikumsgesellschaft wird. Versüßt mit ein paar zusätzlichen Bonbons, wie einer Sonderdividende und einem Aktiensplit, ließe sich sicher eine super Börsenstory formen. Immerhin hat secunet ja bald annähernd TecDAX-Niveau.

Nun: Gegenwärtig sind das alles Hirngespinste. Was bleibt, ist eine super solide Gesellschaft mit erfahrenem Management und extrem guter Positionierung im Markt. Dabei spielen die großen Trends, wie Innere Sicherheit, IT-Security und auch Digitalisierung, den Essenern sowieso in die Karten. Das gegenwärtige Kursniveau reflektiert zwar bereits einiges von diesen Perspektiven. Anderseits gibt es nicht viele Unternehmen aus dem Spezialwertesegment mit ähnlich guten Aussichten. Daher bleibt die secunet-Aktie für boersengefluester.de auf “Kaufen” – und zwar mit Sicht auf zwölf bis 24 Monate.

 

 

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
secunet Security Networks
WKN Kurs in € Einschätzung
727650 63,260 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
42,17 9,52 411,19
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,58 04.05.2017 0,92

 

Foto: kaboompics

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.