Phoenix Solar: “Vielleicht eine Einstiegschance”

Aktionärsbriefe verschicken eine Reihe von Gesellschaften. Phoenix Solar geht nun noch einen Schritt weiter und wendet sich direkt an die Aktionäre, sich freiwillig bei dem Unternehmen zu registrieren – quasi eine Art Namensaktie light.  „Wir streben an, unsere Aktionäre stärker als zuvor an den Informationen und Überlegungen teilhaben zu lassen, die unser Geschäft und unsere Strategie prägen“, sagt Manfred Hochleitner, Finanzvorstand von Phoenix Solar , in der offiziellen Pressemitteilung. Boersengefluester.de hat bei dem Photovoltaik-Systemanbieter aus dem bayerischen Sulzemoos nachgefragt und wollte von Manfred Hochleitner wissen, was es mit der Kommunikationsoffensive auf sich hat und welche Ziele Phoenix Solar verfolgt.


 

Herr Hochleitner, Mit einem Börsenwert von gut 20 Mio. Euro zählt Phoenix Solar zwar zu den kleinen Unternehmen auf dem heimischen Kurszettel. Dennoch wird in den einschlägigen Foren relativ intensiv über Phoenix Solar diskutiert – und auch die Kursausschläge sind mitunter recht heftig. Nun wollen Sie den Austausch mit Ihren Aktionären „enger gestalten“. Was genau steckt hinter diesem Vorhaben?

Manfred Hochleitner: Phoenix Solar befindet sich als Unternehmen, aber auch als Aktie, in einer Übergangsphase; die wollen wir den Aktionären auch zwischen den Hauptversammlungen gerne erläutern. Durch den hohen Streubesitz ist es für uns als Vorstand aber schwierig, mit unseren Aktionärinnen und Aktionären in Verbindung zu treten. Wir wünschen uns zudem eine stärkere Beteiligung auf unseren Hauptversammlungen. Und für beides brauchen wir eine bessere Datenbasis.

Was wissen Sie bereits über Ihre Aktionäre: Sind es überwiegend Privatanleger oder dominieren institutionelle Investoren?

Manfred Hochleitner: Als Emittent von Inhaberaktien hat man generell einige Schwierigkeiten, verlässliche Informationen zu erhalten. In jedem Fall haben wir einen sehr hohen Streubesitzanteil von knapp 95 Prozent und nach unseren Informationen sind praktisch keine Institutionellen bei uns investiert. Außer einem privaten Investor hat niemand einen Bestand von mehr als drei Prozent der Stimmrechte gemeldet. Das macht die Kommunikation in der Breite nicht einfacher.

Erklärtes Ziel ist es ja, die Präsenz auf der Hauptversammlung (HV) zu erhöhen. Wie hoch war die Präsenzquote in den vergangenen Jahren auf der HV und welche Größenordnung streben Sie an?

Manfred Hochleitner: 2015 waren nur noch knapp fünf Prozent der Stimmrechte vertreten, 2016 immerhin wieder gut zehn Prozent. Aber wir würden uns weit besser fühlen, wenn wir die Präsenz wieder auf 30 Prozent und mehr steigern könnten.

 

Phoenix Solar  Kurs: 1,893 €

 

Sie sprachen von einer Übergangsphase, die erklärt werden müsse. Glauben Sie denn, dass die Aktionäre ein falsches Bild von Phoenix Solar haben? Wo steht die Gesellschaft momentan und wo wollen Sie hin? Welche Investmentstory wollen Sie transportieren?

Manfred Hochleitner: Ich glaube nicht, dass die Aktionärinnen und Aktionäre ein falsches Bild von uns haben. Allerdings ist in Deutschland und Europa Solarenergie nicht auf Platz 1 der heißen Themen. Dies ist aber weltweit ganz anders. Der Solarmarkt boomt – rund um den Globus. Und auch in unseren Nachbarländern Frankreich und Spanien sehen wir erste Tendenzen, dass die Solarenergie wieder stärker ausgebaut wird. Vor diesem Hintergrund ist es uns sehr wichtig, unseren Aktionären, aber auch allen, die bei uns einsteigen möchten, gerne auch in einem direkten Dialog zu erläutern, wie wir uns seit Anfang 2015 neu aufgestellt haben, um an diesem Boom teilzuhaben. Unsere gesamte Organisation ist mittlerweile hoch prozessorientiert und darauf ausgerichtet, für unsere Kunden überwiegend in USA, Middle East und Asia/Pacific schlüsselfertig hoch leistungsfähige Photovoltaikkraftwerke zu errichten. Mit Umsatzsteigerungen um die 30 Prozent und verbesserten Margen sind wir wieder auf dem Weg zu profitablem Wachstum – aber eben noch nicht ganz da, wohin wir wollen. Für risikobewusste, an Wachstum Interessierte ist das vielleicht eine Einstiegschance, aber wir sind sicher kein Value Investment – auch wenn wir eines schönen Tages wieder Dividenden ausschütten wollen. Das sollten Anleger wissen, das wollen wir gerne erläutern.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 155,43 141,22 33,78 119,41 139,24 155,00
EBITDA1,2 -25,88 0,19 -9,01 -0,24 1,58 0,10
EBITDA-Marge3 -16,65 0,13 -26,67 -0,20 1,13 0,06
EBIT1,4 -31,79 -1,41 -4,62 -1,58 0,61 -0,50
EBIT-Marge5 -20,45 -1,00 -13,68 -1,32 0,44 -0,32
Jahresüberschuss1 -37,59 -9,31 -10,17 -5,63 -4,72 -4,00
Netto-Marge6 -24,18 -6,59 -30,11 -4,71 -3,39 -2,58
Cashflow1,7 -9,24 2,32 1,60 1,78 0,12 -3,40
Ergebnis je Aktie8 -5,10 -1,45 -1,38 -0.71 -0,62 -0,54
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: PricewaterhouseCoopers

 

 

Geht es vielleicht auch darum, Vorurteile bei den heimischen Anlegern gegenüber der Photovoltaikbranche abzubauen?

Manfred Hochleitner: Da sprechen Sie ein wichtiges Thema an: Die Investoren hierzulande haben sich von der Solarbranche vor einigen Jahren abgewandt. Ihr Bild ist von der Lage in Deutschland geprägt, wo der Markt wegen politischer Bremsmanöver massiv zurückging. Sie übersehen, welch eine immense Dynamik diese Branche weltweit an den Tag legt. Noch nie wurden so viele Solaranlagen gebaut wie 2016, die Technologie ist wettbewerbsfähig, wird immer stärker unabhängig von politischen Maßnahmen. Es gibt in den meisten Gegenden keine günstigere Art, Strom zu erzeugen. Und das setzt sich durch, ganz ohne Subventionen. In diesen Wachstumsmärkten sind wir aktiv, von diesem Wachstum profitieren wir!

Wer sich als Aktionär von Phoenix Solar auf Ihrer Homepage registriert, kann auch sein Einverständnis dafür geben, von einem Ihrer Mitarbeiter einmalig telefonisch angerufen zu werden. Worum geht es bei diesen Gesprächen?

Manfred Hochleitner: Wir freuen uns über jeden, der von uns angerufen werden möchte. Jeder Beitrag ist für uns wichtig und wertvoll. Wir werden Fragen und Anmerkungen zur Solarenergie, der Lage und Aussichten des Unternehmens aufnehmen und diskutieren. Wir wollen erläutern, wie man sich an der Hauptversammlung beteiligen kann und zur Teilnahme motivieren.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Phoenix Solar
WKN Kurs in € Einschätzung
A0BVU9 1,893 Halten
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
21,03 -0,63 13,96
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 20.06.2017 0,00

 

Fotos: Phoenix Solar AG


 

Manfred Hochleitner ist seit Anfang 2015 Finanzvorstand von Phoenix Solar. Tätig ist er bei dem Unternehmen aber schon länger. Zuvor verantwortete Hochleitner unter anderem die Bereiche Controlling, Treasury und Steuern. Daneben wirkte der studierten Mathematiker und Wirtschaftswissenschaftler (Uni Passau) maßgeblich an der Sicherstellung der Konzernfinanzierung sowie der strategischen Neuausrichtung des Konzerns mit. Seine berufliche Karriere begann Hochleitner – Jahrgang 1973 – als Softwareentwickler und anschließend als Vorstandsassistent bei einem börsennotierten deutschen Elektronikunternehmen.



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.