mutares: Vollgas zum Jahresende

Diesen Deal hätte Axel Geuer, Gründer und Co-CEO der Beteiligungsgesellschaft mutares, vermutlich gern in seine Präsentation am 21. November auf dem Eigenkapitalforum in Frankfurt eingebaut. Doch fehlten wenige Stunden bis zu Fixing. So blieb es im Konferenzraum Milan des Sheraton Hotels bei eher allgemeinen Ankündigungen wie „weitere Transaktionen in den kommenden drei Monaten“. Am 23. November dann die Vollzugsmeldung. „Die mutares AG übernimmt das internationale Anlagenbauunternehmen Balcke-Dürr von der SPX Corporation“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Dem Vernehmen nach erzielte Balcke-Dürr im vergangenen Jahr einen Umsatz von 142 Mio. Euro. Angaben zum Ergebnis sind Fehlanzeige und lassen sich auch aus dem Geschäftsbericht der amerikanischen Mutter nicht direkt herleiten. Allerdings schrieb das Segment “Power“, in dem Balcke-Dürr bei SPX angesiedelt ist, auch nach neun Monaten 2016 noch rote Zahlen, wenngleich sie deutlich geringer sind als im gesamten Vorjahr. Zudem hat das Management von SPX Ende 2015 den kompletten Goodwill (Firmenwert) von 13,7 Mio. Dollar – also den Wertansatz von Balcke-Dürr in der SPX-Bilanz – auf Null gestrichen.

So gesehen passt das in Düsseldorf angesiedelte Unternehmen perfekt in den auf Restrukturierungsfälle ausgerichteten Auswahlprozess von mutares. Und auch die Analysten von Baader Helvea Equity Research sehen die Entwicklung in ihrer neuesten Studie grundsätzlich positiv: „Nach einer relativ ruhigen Phase des Nachrichtenflusses, zeigt das Unternehmen nun deutlich mehr Aktivität.“ Dabei sprudelt es so manchem Börsianer nur so heraus, wenn er den Namen Balcke-Dürr hört. Immerhin war das Unternehmen bis 2002 selbst einmal auf dem heimischen Kurszettel notiert. Allerdings machte die Insolvenz des damaligen Großaktionärs Deutsche Babcock einen Verkauf der Gesellschaft an SPX notwendig und führte zum Delisting.

 

Mutares  Kurs: 13,315 €

 

Interessant am Rande: Der Anlagenbauer Deutsche Babcock war im September 1995 der erste reguläre DAX-Absteiger. Damals rückte ein aufstrebendes Softwareunternehmen namens SAP in die Beletage der heimischen Börsenliga auf. Aber auch zu Babcock-Zeiten galt Balcke-Dürr – kurz BDAG – nicht unbedingt als Perle aus dem Konzernverbund. Diesen Ruf hatte damals die auf Präzisionsteile fokussierte Schumag AG aus Aachen inne. Noch interessanter ist die historische Querverbindung zu einem mittlerweile etablierten TecDAX-Unternehmen. BDAG war früher nämlich die Muttergesellschaft (Anteil: 75 Prozent) von Nordex. Zum Börsengang des Windkraftanlagenherstellers im April 2001 an den Neuen Markt konnten Anleger für je zwei BDAG-Aktien eine Nordex-Aktie zum damaligen Emissionspreis von 9 Euro zeichnen.

Zurück zu mutares: Das Management sieht in Balcke-Dürr ein „ideales Plattforminvestment“ und stufen das Unternehmen aufgrund der bekannten Marke als „Zugpferd“ ein. An der Börse ist die Übernahme bislang auch vergleichsweise gut angekommen, Von den Tiefständen bei knapp 11 Euro hat sich der Small Cap mittlerweile deutlich erholt. Zudem ist zu hören, dass das mutares-Management noch weitere Akquisitionen vorbereitet. Die Münchner geben also noch einmal richtig Gas zum Jahresende. Dabei hatte mutares erst kürzlich eine Offerte für das Nutzfahrzeug-Zuliefergeschäfts des börsennotierten französischen Automobilzulieferers Plastic Omnium abgegeben. Ende September kündigte das Management außerdem die Übernahme von zwei französischen Werken aus dem Gruppenverbund des Automobilzulieferers Mecaplast an, die mit Innen- und Außenverkleidungen für Lastkraftwagen für einen Umsatz von rund 70 Mio. Euro stehen. Die Analysten von Baader haben ihr Kursziel von 20 Euro bestätigt. In der selben Größenordnung siedelt Hauck & Aufhäuser an. Das Potenzial ist also enorm.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Mutares
WKN Kurs in € Einschätzung
A0SMSH 13,315 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
19,02 4,38 206,33
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,35 19.05.2017 2,63

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 301,24 402,39 648,05 683,81 647,57 940,00
EBITDA1,2 22,36 5,90 30,92 39,87 20,74 24,00
EBITDA-Marge3 7,42 1,47 4,77 5,83 3,20 2,55
EBIT1,4 14,29 7,40 15,50 19,60 4,50 9,80
EBIT-Marge5 4,74 1,84 2,39 2,87 0,69 1,04
Jahresüberschuss1 9,50 -7,87 8,51 6,81 -5,35 4,00
Netto-Marge6 3,15 -1,96 1,31 1,00 -0,83 0,43
Cashflow1,7 -0,41 -22,72 -54,48 -45,28 -39,04 12,00
Ergebnis je Aktie8 0,78 -0,65 0,61 0.44 -0,35 0,28
Dividende8 0,34 1,67 0,78 0,60 0,35 0,70
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Deloitte

 

Foto: pixabay



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.