MBB: Volltreffer gelandet

Lieferhelden

Blomberg, Stadthagen, Herford, Löhne-Gohfeld, Beelen – und jetzt Espelkamp. „An jeder dritten Milchkanne in Ostwestfalen finden Sie nun ein MBB-Unternehmen”, scherzt ein sichtlich gut aufgelegter MBB-Vorstand-Christof Nesemeier bei seiner Präsentation auf dem Frankfurter Eigenkapitalforum. Knapp vier Jahre nach der Übernahme der MBB Fertigungstechnik (ehemals CLAAS Fertigungstechnik) hat die Beteiligungs-Holding wieder zugeschlagen und 75 Prozent an der Aumann Gruppe aus Espelkamp in der Nähe von Minden gekauft. Die Gesellschaft ist spezialisiert auf Anlagen zur Spulenwicklung für Elektromotoren und scheint ein Volltreffer zu sein. „Aumann ist vermutlich das beste Unternehmen, was wir je gekauft haben”, sagt Nesemeier. Die Gesellschaft dürfte im laufenden Jahr auf rund 33 Mio. Euro Umsatz kommen. Konkrete Angaben zur Profitabilität von Aumann gibt es bislang nicht. Dem Vernehmen nach soll die EBIT-Marge aber „leicht höher” als die Konzern-Rendite von MBB (2014: 6,7 Prozent) und „höher” als die Marge der Fertigungstechnik sein. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser sind zuversichtlich und siedeln die Relation von Ergebnis vor Zinsen und Steuern zum Umsatz für Aumann bei etwa zehn Prozent an. Stillschweigen haben die Parteien zum Kaufpreis vereinbart. Nesemeier ließ sich bei der Veranstaltung am Frankfurter Flughafen lediglich entlocken, dass MBB Aumann „maximal zur eigenen Bewertung oder leicht darunter” erworben habe. Sein Pulver hat Nesemeier mit der Akquisition jedenfalls nicht verschossen. „Mit unserer Bilanz könnten wir noch zwei weitere Aumänner kaufen”, sagt der Manager. Immerhin verfügt MBB per Ende Q3 2015 über ein Nettofinanzguthaben von 20,6 Mio. Euro – bei einer komfortablen Eigenkapitalquote von 40,5 Prozent.

 

MBB   Kurs: 38,500 €

 

An der Börse kam die mehrheitliche Übernahme von Aumann schon ganz gut an. Für Anleger, die jetzt noch einsteigen wollen, ist es aber nicht zu spät. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein Blick in den Rückspiegel: Schließlich leitete die Übernahme der CLAAS Fertigungstechnik Anfang 2012 eine Neubewertung der MBB-Aktie ein. Damals schoss die Notiz innerhalb von zwölf Monaten von 6 Euro auf 16 Euro in die Höhe. Das All-Time-High erreichte der Small Cap mit 27,46 Euro am 3. Juli 2014. Seitdem bewegt sich die Notiz in einem Seitwärtstrend, wobei die Marke von 20 Euro nicht unterschritten wurde. Und auch bei dem Aumann-Deal spielt die Fertigungstechnik eine zentrale Rolle. Immerhin sollen beide Gesellschaften eng zusammenarbeiten, wobei Aumann in dem Verbund weiter unter eigenem Namen auftritt. Letztlich handelt es sich um eine Nachfolgeregelung, wobei Aumann-Gesellschafter Ingo Wojtynia (60 Jahre) seinen 25-Prozent-Anteil vorerst behält. Ohne die Finanzpower von MBB wäre Wojtynia kaum in der Lage, das enorme Wachstumspotenzial aus den Bereichen Elektromobilität und energieeffizienter Antriebe für Anwendungen in Haushalt, Medizintechnik und Industrie vollständig abzugreifen. Losgelöst davon: Nebenwerte-Kenner werden beim Thema Elektromotoren vermutlich direkt an das zur MS Industrie AG gehörende Elektromotorenwerk Grünhain denken. Das ehemalige VEB Elektromotorenwerk Grünhain ist jedoch ein Anbieter von Elektromotoren – wohingegen Aumann Wickeltechnik-Anlagen fertigt, mit denen die Spulen für die Elektromotoren erst hergestellt werden.

Neu aufgenommen in seine Präsentation hat Nesemeier eine Langfristplanung. Demnach sollen die Erlöse von 250 Mio. Euro für 2015 bis 2020 auf 500 Mio. Euro steigen – bei einer EBITDA-Marge von mehr als zehn Prozent. Das würde auf ein Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen von mehr als 50 Mio. Euro hinauslaufen. Zur Einordnung: Gegenwärtig kommt MBB auf eine Marktkapitalisierung von knapp 158,5 Mio. Euro. Das Potenzial in der Aktie ist also enorm, zumal die Berliner weiter steigende Dividenden zahlen wollen. Dabei ist der Titel schon jetzt unter Renditeaspekten interessant. Auf Basis der boersengefluester.de-Prognose von 0,60 Euro pro Anteilschein für 2015 kommt das Papier auf eine Rendite von 2,7 Prozent. Per saldo bleiben wir damit bei unserer Kaufen-Empfehlung – auch für eher konservative Privatanleger. Lange Zeit hat sich MBB mit der „Königsdisziplin” Zukäufe zurück gehalten und viel Geld in die diversen Töchter gesteckt: von einer neuen Papiermaschine für Hanke Tissue bis hin zu einer Hochleistungspresse und anderen Verstärkungen für Delignit. Kein Wunder, dass einige Investoren, zumindest was das Thema Zukäufe angeht, bereits ungeduldig wurden. Dafür scheint MBB jetzt aber das optimale Unternehmen gefunden zu haben. Oder wie Nesemeier es ausdrückt: „Mittelstand at its best”.

 

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
MBB
WKN Kurs in € Empfehlung
A0ETBQ 38,500 Kaufen
KGV 2017e KBV Börsenwert in Mio. €
15,40 2,94 254,10
Dividende '15 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,59 30.06.2016 1,53

 

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016e
Umsatzerlöse1 204,88 228,20 236,70 252,80 312,00
EBITDA1,2 24,56 22,73 22,04 24,84 29,60
EBITDA-Marge3 11,99 9,96 9,31 9,83 9,49
EBIT1,4 16,69 17,54 15,94 18,03 21,60
EBIT-Marge5 8,15 7,69 6,73 7,13 6,92
Jahresüberschuss1 13,61 13,47 13,77 12,43 15,05
Netto-Marge6 6,64 5,90 5,82 4,92 4,82
Cashflow1,7 19,90 12,33 14,57 21,84 19,70
Ergebnis je Aktie8 2,11 2,09 2,01 1.79 2,15
Dividende8 0,50 0,55 0,57 0,59 0,63
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: RSM Verhülsdonk

About Gereon Kruse

Über den Autor: Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte.