K+S: Anleger wittern das I-Wort

Kräftige Stimmungsverbesserung für die K+S-Aktie: Nach der Rally der vergangenen Monate haben zuletzt die Analysten der Commerzbank das Papier von „Halten“ auf “Kaufen” heraufgestuft und das Kursziel von 20 auf 30 Euro angehoben. Damit hätte das Papier ein Potenzial von mehr als 25 Prozent. Durch die Erlaubnis zur Versenkung von Salzabwässern aus der Kaliproduktion des Werra-Werks sowie der bevorstehenden Inbetriebnahme der Legacy-Mine in Kanada lasse sich die Entwicklung von K+S deutlich besser vorhersagen, schreint Analyst Michael Schäfer. Für Rückenwind sorgt zudem die Hoffnung auf eine Konsolidierung  in der Branche, weil Investoren erwarten, dass sich die geringer werdende Zahl an Unternehmen darauf einigen kann, die Förderung angesichts der hohen Überkapazitäten zu drosseln. Laut Experten liegen die weltweiten Kali-Kapazitäten bei rund 80 Mio. Tonnen pro Jahr, während die Nachfrage bei lediglich rund 60 Tonnen pro Jahr liegt und langfristig um zwei bis drei Prozent pro Jahr wächst. Zuletzt hatte der brasilianische Bergbauriese Vale angekündigt, dass er sein Düngergeschäft für 2,5 Mrd. Dollar an den US-Konzern Mosaic verkaufen wird. Durch die Transaktion erhöht Mosaic seine Kapazitäten bei Phosphatdünger um 4,8 Mio. Tonnen und bei Kalidünger um 0,5 Mio. Tonnen.

K+S dampft die Prognose ein

Eine weitere Übernahme in der Branche soll bereits Mitte 2017 abgeschlossen werden – vorausgesetzt die Behörden stimmen zu: Der Kauf des kanadischen Düngerherstellers Agrium durch die dortige Nummer eins, Potash Corp.. Zuletzt gab sich Potash zuversichtlich, dass der Deal Mitte 2017 über die Bühne gehen wird. Ende November hatte der Konzern bekannt gegeben, dass er die Förderung in etlichen Minen drosseln wird, nachdem der Kalipreis in die Nähe des Zehn-Jahres-Tiefs gesunken war. Immerhin hat sich der Preis, nachdem er zwischen Anfang 2016 und Ende September um knapp 30 Prozent eingebrochen war, im vierten Quartal stabilisiert. Dieses schwierige Umfeld hat sich deutlich in den Zahlen von K+S niedergeschlagen, weshalb Vorstandschef Norbert Steiner bei der Vorlage der Neun-Monats-Zahlen die 2016er-Prognose eingedampft hat, zumal der von K+S im dritten Quartal erzielte Kalipreis um 23 Prozent unter dem Vorjahresniveau gelegen hatte. So soll der Umsatz 2016 lediglich 3,5 bis 3,6 Mrd. Euro erreichen, womit ein kräftiger Rückgang gegenüber den 4,2 Mrd. für 2015 zu Buche stehen wird. Zudem werde der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) lediglich 500 bis 560 Mio. Euro erreichen, nach 1,1 Mrd. Euro für 2015.

 

K+S  Kurs: 19,110 €

 

Dennoch gab sich Steiner zuversichtlich, das 2020er-Ziel eines EBITDA von 1,6 Mrd. Euro zu schaffen. Der Plan basiere auf der Annahme, dass es im Salz-Geschäft wie geplant laufen werde. Zudem soll die Produktionsaufnahme des Legacy-Projekts in Kanada ab Mitte 2017 in den Folgejahren zu deutlich steigenden Gewinnbeiträgen führen. Ab Ende 2017 werde die Jahresproduktion des Legacy-Projekts bei rund zwei Mio. Tonnen pro Jahr liegen. Außerdem arbeite der Konzern an „einer Vielzahl strategischer Initiativen, die zur Erreichung des Ziels beitragen sollen.“ Wenn man sich das 2016er-Ergebnis anschaut, erscheint das 2020er-Ziel allerdings als sehr ambitioniert, müsste sich doch das EBITDA innerhalb von vier Jahren verdreifachen. Steiner wird im Mai von Finanzchef Burkhard Lohr abgelöst, der schon längere Zeit als Kronprinz galt.

Preise für Agrarrohstoffe steigen allmählich

Von großer Bedeutung ist daher vor allem die Entwicklung der Preise für Agrarrohstoffe, wie Mais und Weizen und in deren Folge der Preise für Kalidünger. Denn wenn die Preise für Agrarrohstoffe steigen, bauen die Landwirte üblicherweise mehr an, weshalb die Nachfrage nach Dünger zunimmt, was für Aufwärtsdruck beim Preis sorgt. So sind die Preise für Mais seit Ende September um knapp zehn Prozent gestiegen, während bei Weizen ein Plus von fünf Prozent zu Buche steht. Die Preise scheinen damit zusehends anzudeuten, dass der neue US-Präsident Donald Trump mit seiner Politik des kräftigen Schuldenmachens erfolgreich sein und die Inflation kräftig anheizen wird. Genau diese Erwartung spiegelt auch der Finanzmarkt wider: So sind die US-Inflationserwartungen seit Ende September von 1,65 Prozent auf zuletzt 2,14 Prozent gestiegen. In einem Umfeld deutlich steigender Inflationsraten legen die Preise für Agrarrohstoffe üblicherweise deutlich zu.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 3.935,30 3.950,40 3.821,70 4.175,50 3.456,60 3.890,00
EBITDA1,2 1.033,30 907,20 895,50 1.057,50 519,10 760,00
EBITDA-Marge3 26,26 22,96 23,43 25,33 15,02 19,54
EBIT1,4 804,10 655,90 641,30 781,60 229,30 377,00
EBIT-Marge5 20,43 16,60 16,78 18,72 6,63 9,69
Jahresüberschuss1 637,40 434,80 380,50 495,40 174,40 213,00
Netto-Marge6 16,20 11,01 9,96 11,86 5,05 5,48
Cashflow1,7 607,20 755,70 706,50 669,40 445,40 608,00
Ergebnis je Aktie8 3,49 2,16 1,99 2.59 0,91 0,95
Dividende8 1,40 0,25 0,90 1,15 0,30 0,50
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

  Geschäftsbericht 2016 - Kostenfrei herunterladen.  
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Deloitte

 

Die Aussicht auf das I-Wort, also die Inflation, dürfte damit der wichtigste Treiber für die Aktie sein – obwohl es wie gesagt weiterhin hohe Überkapazitäten im Bereich Kalidünger gibt und die Preise daher kaum steigen dürften. Rückenwind hat die K+S-Aktie zudem vom schwachen Euro. Laut den Berechnungen der Analysten von Hauck & Aufhäuser erzielt K+S rund die Hälfte seiner Umsätze im Kali-Bereich auf Dollar-Basis, während fast sämtliche Kosten auf Euro-Basis anfallen würden. So führe ein Rückgang des Euro um ein Prozent gegenüber dem Dollar auf Basis der aktuellen Währungsabsicherung zu einem zusätzlichen operativen Gewinn von 10 Mio. Euro. Auf Basis der Währungsprognose von 1,11 Dollar je Euro bedeute der aktuelle Kurs von 1,06 Dollar je Euro einen positiven Effekt auf den operativen Gewinn von rund 50 Mio. Euro.

Wie könnte es mit der Aktie weitergehen?

Am 21. März 2017 können die Kasseler ihre einjährige Mitgliedschaft im MDAX „feiern“. Seit der Umsetzung des DAX-Abstiegs in den Mid-Cap-Index hat das Papier  per also zwar nur eine eine Performance von 6,5 Prozent hingelegt. Doch die super Entwicklung seit Anfang Oktober 2016 macht offenbar auch den Analysten Mut.  Nachdem die Gewinnschätzungen von K+S lange im Abwärtstrend waren, sind sie seit Mitte November weitgehend stabil und liegen bei 1,17 Euro je Aktie, während die 2016er-Schätzungen zuletzt auf nur mehr 0,66 Euro eingedampft worden sind. Mit einem 2017er-KGV von 20,2 ist das Papier damit hoch bewertet, zumal es K+S erst einmal schaffen muss, den Gewinn tatsächlich kräftig zu steigern. So sagen Analysten derzeit einen Anstieg des EBITDA von 529 Mio. für 2016 auf 765 Mio. für 2017 voraus. Von großer Bedeutung für die Entwicklung der K+S-Aktie dürfte es künftig sein, ob Trump tatsächlich Erfolg haben und die Inflation anheizen wird. Sollte seine Politik Zweifel an dieser Erwartung schüren – zum Beispiel weil er einen Handelskrieg anzettelt, der das Wachstum der Weltwirtschaft deutlich dämpfen würde -, und die Inflationserwartungen den Rückwärtsgang einlegen, bekäme die Aktie Gegenwind. Zudem sollten Anleger die Entwicklung bei Euro-Dollar genau im Auge behalten. Ein sinkender Euro würde den Kurs der K+S-Aktie stützen.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
K+S
WKN Kurs in € Einschätzung
KSAG88 19,110 Halten
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
13,85 0,87 3.657,65
Dividende '17 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,50 15.05.2018 2,62

 

Dieser Beitrag stammt von Egmond Haidt, der für Feingold Research tätig ist.

Foto: K+S Aktiengesellschaft



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.