InVision: Neustart erforderlich

Knüppeldick kommt es derzeit für die InVision-Aktie: Innerhalb von nur sieben Handelstagen verlor der Anteilschein des Softwareanbieters für die Personalplanung in Call Centern um fast 20 Prozent an Wert und notiert nun bei knapp 26 Euro, was einer Marktkapitalisierung von rund 58 Mio. Euro entspricht. Der eigentliche Auslöser des Kursrutsches liegt freilich schon etwa länger zurück. So gab InVison Ende Juli bekannt, dass die Signale für Armand Zohari – Vorstand und Mitgründer des Unternehmens – auf Abschied gestellt wurden. Wenig später einigten sich die Partien dann darauf, dass Peter Bollenbeck, ebenfalls Gründungsmitglied und CEO von InVision, die Verantwortungsbereiche Vertrieb und Marketing von Zohari übernimmt. Pikant ist die offiziell für Mitte 2018 angekündigte Demission von Zohari aber auch deshalb, weil dadurch ein potenzieller Aktienüberhang entsteht, schließlich hält Zohari 17 Prozent direkt an der InVision AG und ist darüber hinaus zur Hälfte an der InVision Holding beteiligt, der wiederum 22 Prozent an der AG zuzurechnen sind. Durchgerechnet kommt Zohari damit – genau wie Bollenbeck – auf einen Anteil von 28 Prozent.

Um Klarheit gegenüber dem Kapitalmarkt zu schaffen, haben sich die Düsseldorfer auf folgenden Plan geeinigt: Zohari wird seine – direkt und über die InVision Holding – gehaltenen Anteile innerhalb der kommenden 1,5 Jahre auf maximal 13 Prozent reduzieren. Parallel dazu wird Bollenbeck, der auch das Gesicht der Gesellschaft gegenüber dem Kapitalmarkt ist, Alleingesellschafter der InVision Holding – der Anteil von Zohari wird eingezogen. Zusätzlich will Bollenbeck seinen Gesamtanteil in den kommenden 18 Monaten auf bis zu 30 Prozent aufstocken. Zudem hat sich das Gründungstrio, zudem noch Matthias Schroer (Anteil: 11 Prozent) gehört, darauf verständigt, auch langfristig die Mehrheit an InVision halten zu wollen – immerhin das ein positives Signal.

 

InVision  Kurs: 23,660 €

 

Der eigentliche Knackpunkt ist zurzeit aber, dass die Wachstumsoffensive für die Cloud-Produkte injixo (Personalplanung) und The Call Center School (eLearning) nicht die gewünschten Effekte gebracht hat. „Es ist bisher nicht gelungen, mehr Vertriebsaufwand in höhere Umsätze zu transferieren“, schreiben die Analysten von Warburg Research in ihrer neuesten Studie und sehen in der Misere auch die Ursache für den Abgang von Zohari. Folgerichtig tritt InVision jetzt erst einmal auf die Bremse und hat eine umfassende Restrukturierung von Vertrieb und Marketing angestoßen. Auf das Zahlenwerk wirkt sich die aktuelle Entwicklung deutlich belastend aus: Nach neun Monaten 2017 kommt die im Prime Standard gelistete Gesellschaft auf ein Umsatzplus von nur 4,8 Prozent auf knapp 9,70 Mio. Euro. Das Gewinn nach Steuern knickte um 53 Prozent auf 747.000 Euro ein. „Für das Geschäftsjahr 2017 rechnet der Vorstand weiterhin mit einer leichten Steigerung des Gesamtumsatzes und insgesamt mit einem positiven Ergebnis“, heißt es offiziell.

Nun: Damit hat sich der Kapitalmarkt sicher abgefunden. Wesentlich bitterer ist es aber, dass vermutlich auch das kommende Jahr noch nicht den erhofften Schub bringen wird. Jedenfalls kalkuliert Warburg jetzt erst für 2019 mit einem markanten Gewinn von 5 Mio. Euro. Und so haben die Analysten ihr Kursziel für die InVision-Aktie abermals heruntergesetzt – auf nun 50 Euro. Gemessen am aktuellen Kurs entspricht das zwar beinahe einem Verdoppler, aber es schwingen auch Durchhalteparolen mit. Fazit: Durchaus möglich, dass die Aktie mit Sicht auf zwei Jahre wieder zu früherer Kurspower zurückfindet. Kurzfristig sehen wir aber keinen Treiber für eine spürbare Belebung der Notiz. Wer den Titel im Depot hat und ausreichend Zeit investieren will, kann aber engagiert bleiben. Eine Menge der Negativnachrichten scheinen nun bereits eingepreist.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
InVision
WKN Kurs in € Einschätzung
585969 23,660 Halten
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
43,81 5,74 52,88
Dividende '17 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 23.05.2017 0,00

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 13,23 13,56 13,41 12,71 12,43 13,00
EBITDA1,2 1,17 2,06 4,50 3,20 4,17 1,55
EBITDA-Marge3 8,84 15,19 33,56 25,18 33,55 11,92
EBIT1,4 0,82 1,75 4,12 2,68 3,55 1,15
EBIT-Marge5 6,20 12,91 30,72 21,09 28,56 8,85
Jahresüberschuss1 0,67 1,73 4,20 2,13 2,32 0,70
Netto-Marge6 5,06 12,76 31,32 16,76 18,66 5,38
Cashflow1,7 1,29 3,02 3,09 2,33 4,74 2,55
Ergebnis je Aktie8 0,29 0,71 1,94 0.96 1,04 0,31
Dividende8 0,00 2,50 1,00 0,00 0,50 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: RSM Verhülsdonk

 

Foto: Pixabay



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse

Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.