Hawesko Holding: Dividende in rot und weiß

Für Privatanleger war die Aktie des Weinhändlers Hawesko Holding über viele Jahre vor allen Dingen ein verlässlicher Dividendenzahler ohne übermäßig nervige Kursschwankungen. Daran hat sich auch nach der Ära des vor knapp einem Jahr verstorbenen ehemaligen Vorstandsvorsitzenden Alexander Margaritoff nicht grundlegend etwas geändert, auch wenn das neue Management die Dividende – seit mittlerweile drei Jahren – von ehemals 1,65 auf 1,30 Euro gekürzt hat. Selbst auf dem jetzigen Kursniveau von 47,50 Euro, was dicht beim All-Time-High liegt, kommt der ehemalige SDAX-Titel damit auf eine Rendite vor Steuern von gut 2,7 Prozent. Die Hauptversammlung findet am 19. Juni 2017 statt. Letztlich ist es ohnehin bemerkenswert, wie gut Hawesko den Wandel in den vergangenen Jahren hinbekommen hat. Theoretisch hätte der Titel ja auch dramatische Kurseinbußen, wie bei Gerry Weber oder Hugo Boss, nehmen können. Schließlich hat das Thema Digitalisierung auch im Weinhandel massiv Einzug gehalten. Das Angebot an Online-Shops für Rot- und Weißweine sowie andere Delikatessen ist kaum überschaubar. Mit von der Partie ist etwa die zum Online-Reifenhändler Delticom gehörende Webseite Gourmondo. Zudem kommen Weinkunden im Internet kaum an Anbietern wie belvini, ebrosia, vicampo oder WirWinzer vorbei – von den unzähligen Webseiten der Winzer oder Genossenschaften ganz zu schweigen.

 

Hawesko Holding  Kurs: 52,100 €

 

Doch Hawesko hat die Digitalisierung als Chance begriffen und ist im September 2016 kurzerhand bei der in München beheimateten Plattform WirWinzer eingestiegen. Noch ist das im Zahlenwerk der Hawesko Holding kaum abzulesen, doch das wird sich ändern. Letztlich stärkt das Unternehmen seine drei Kanäle Großhandel, Einzelhandel und Digital, wobei die Übergänge – wie bei Jacques’ Wein-Depot – mitunter fließend sind. „Die ersten Bausteine der neuen Gruppen-Architektur haben wir mit den jüngsten Akquisitionen bereits hinzugefügt. Weitere sollen folgen!“, sagt der Vorstandsvorsitzende Thorsten Hermelink. Dabei setzen die Hamburger nicht zu jedem Preis auf die Umsatzkarte, wie die Reduzierung der Lieferanten im B2B-Bereich oder die Anpassung der Aktivitäten in der Schweiz zeigen. Summa summarum hat die Hawesko Holding 2016 mit einem Umsatz von 480,93 Mio. Euro sowie einem Ergebnis vor Zinsen und Steuern (EBIT) von 29,62 Mio. Euro die eigenen Ziele sicher erreicht – bei in etwa konstanten Werbeaufwendungen von 39,2 Mio. Euro.

Für das laufende Jahr kalkuliert CEO Hermelink mit einem Umsatzplus von fünf Prozent auf dann vermutlich rund 505 Mio. Euro sowie einem EBIT von „knapp über 30 Mio. Euro“. Das korrespondiert mit einer Marktkapitalisierung von zurzeit knapp 427 Mio. Euro. Die Netto-Finanzverbindlichkeiten belaufen sich auf etwa 16,7 Mio. Euro. Demnach würde Hawesko bei der Relation von Enterprise Value (Börsenwert plus Netto-Finanzschulden) zum EBIT für 2017 mit dem Faktor 14,7 bewertet. Das ist nicht gerade wenig, aber für ein eingespieltes Geschäftsmodell, wie Hawesko es bietet, wohl auch nicht zu viel. Allerdings mangelt es an wirklich geeigneten Vergleichsunternehmen auf dem heimischen Kurszettel. Handelsriesen wie Metro, die natürlich auch Wein im Angebot haben, passen kaum als Peer Group. Ebenso wenig eignen sich Händler wie Zalando oder die bereits erwähnten Modeanbieter. Und auch eine Gegenüberstellung mit Delticom ist nicht wirklich sinnvoll, dafür ist Gourmondo noch zu klein im Konzerngefüge. Auf eins dürfen sich Anleger aber wohl auch weiter einstellen: Hawesko bleibt ein verlässlicher Dividendenwert mit vermutlich überschaubaren Kursschwankungen.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Hawesko Holding
WKN Kurs in € Einschätzung
604270 52,100 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
22,95 6,16 468,04
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
1,30 19.06.2017 2,50

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 446,37 465,17 472,79 476,75 480,93 505,00
EBITDA1,2 32,80 29,38 26,89 27,41 37,02 38,50
EBITDA-Marge3 7,35 6,32 5,69 5,75 7,70 7,62
EBIT1,4 25,61 22,56 20,05 20,13 29,62 30,50
EBIT-Marge5 5,74 4,85 4,24 4,22 6,16 6,04
Jahresüberschuss1 22,73 16,33 14,83 12,45 19,43 20,50
Netto-Marge6 5,09 3,51 3,14 2,61 4,04 4,06
Cashflow1,7 31,06 22,50 19,34 26,05 28,85 28,20
Ergebnis je Aktie8 2,51 1,39 1,65 1.360 2,06 2,18
Dividende8 1,65 1,65 1,30 1,30 1,30 1,30
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: PricewaterhouseCoopers

 

Foto: pixabay

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.