German Startups Group: “Gute Einstiegsgelegenheit”

Mit einem umfangreichen Update zur aktuellen Entwicklung der wichtigsten Portfolio-Unternehmen meldet sich die German Startups Group (GSG) zu Wort. Zuvor hatte der Berliner Venture-Capital-Spezialist bereits mit seinen Aussagen für Aufmerksamkeit gesorgt, wonach die Start-up-Szene in Berlin den Vorsprung gegenüber London durch die Brexit-Entscheidung weiter ausbauen wird. Im Interview mit boersengefluester.de spricht CEO Christoph Gerlinger über Neuigkeiten bei den Beteiligungen, die Kursentwicklung der GSG-Aktie sowie die Kapitalausstattung für neue Investments.


Herr Gerlinger, noch am Tag der Brexit-Entscheidung gab die German Startups Group bekannt, dass sie sich von dem Ergebnis positive Auswirkungen für Deutschland als Standort für Technologie Start-ups und deren Bewertungen erwarten. Mehr so ein Bauchgefühl, oder wie kamen Sie zu dieser schnellen Einschätzung?

Christoph Gerlinger: Wir haben bei unseren 25 wichtigsten Portfolio-Unternehmen nachgefragt und wollten wissen, ob die Firmen in ihrem operativen Geschäft betroffen sind und wie es um die Finanzierungsbedingungen sowie die Bewertung steht. Im Ergebnis sagten nahezu alle Unternehmen, dass sie keine unmittelbar negativen Auswirkungen befürchten. Im Gegenteil: Gerade für die heimische Startup-Szene, die traditionell stark in Berlin verankert ist, dürfte der EU-Austritt Großbritanniens sogar ein positives Signal sein – einfach weil London als bislang dominanter Standort geschwächt wird. Besonders offensichtlich wird diese Entwicklung im FinTech-Bereich sein.

Sie haben jetzt ein Update zur Entwicklung ihrer wichtigsten Beteiligungen gegeben. Bei Auctionata, wo Sie im März 2016 eingestiegen sind, und ePetWorld gab es Zusammenschlüsse mit Wettbewerbern. Zufall, oder ist das eine Tendenz, die sich auch bei anderen Portfoliounternehmen von Ihnen fortsetzen könnte?

Das ist in diesem Fall zwar Zufall, aber man kann schon sagen, dass es bei Unternehmen in einer reiferen Phase – und dazu zählen das Online-Auktionshaus Auctionata und der Tierbedarfshändler ePetWorld – immer wieder zu Zusammenschlüssen kommen wird, schon allein um die Schlagkraft zu erhöhen. Immerhin gilt es, sich gegen sehr große Player wie zum Beispiel Zooplus zu positionieren. Und auch für Auctionata ergeben sich durch den Zusammenschluss mit dem US-Online-Auktionshaus Paddle8 ganz neue Möglichkeiten. Bei ganz jungen Firmen in der Seed-Phase ergeben derartige Übernahmen dagegen meist noch keinen Sinn.

 

German Startups Group  Kurs: 2,025 €

 

Der Auctionata-Chef Alexander Zacke ließ kürzlich durchblicken, dass er bereits seit 2013 mit Paddle8 verhandelt. Wie überraschend war der Zusammenschluss für die German Startups Group?

Der Paddle8-Deal kam auch für uns überraschend. Wir wussten zum Zeitpunkt unseres Einstiegs nichts von den Verhandlungen. Das ist aber typisch für die Branche: Außer vielleicht einem Lead-Investor, sind die Venture-Capital-Geber bei solchen Gesprächen zunächst einmal außen vor. Normalerweise werden sie erst informiert, wenn der Abschluss schon relativ weit fortgeschritten ist – so war es auch bei Auctionata. Losgelöst davon: Wir begrüßen das Zusammengehen mit Paddle8 sehr und sind sicher, dass unsere Beteiligung bereits deutlich an Wert gewonnen hat.

Über welche finanzielle Feuerkraft verfügt die German Startups Group derzeit?

Wir sind relativ breit investiert. Die Mittel für Neuengagements sind also limitiert. Andererseits erwarten wir demnächst Cash-Zuflüsse, so dass wir wieder ein wenig mehr investieren können. Das soll jetzt aber bitte keine Ankündigung einer Kapitalerhöhung sein.

Wenn man die Meldungen der German Startups Group liest, sieht alles prima aus. Der Aktienkurs spricht leider eine andere Sprache: Der Emissionskurs im November 2015 lag bei 2,50 Euro, dann ging es hoch bis auf 4,10 Euro, aktuell kostet der Titel 2,60 Euro. Welche Erklärung haben Sie dafür?

Zum Teil leiden wir sicher noch immer unter den schlechten Nachrichten von Rocket Internet. Und auch das allgemein fragile Umfeld für Small- und Micro-Caps wirkt sich nicht gerade positiv aus. Per saldo notieren wir ein ganzes Stück unter unserem Net Asset Value. Umgekehrt ist das jedoch eine gute Einstiegsgelegenheit.

Für kleinere börsennotierte VC-Gesellschaften ist es aber doch kein neues Phänomen, dass sie unter NAV notieren – Stichwort bmp aus Berlin, die mit ihren Medienbeteiligungen nie richtig punkten konnten und sich daher zu einem Strategiewechsel entschlossen haben.

Stimmt schon. Aber ich würde aber mal behaupten, dass unser Portfolio mit Unternehmen wie SoundCloud, Mister Spex, Auctionata, Delivery Hero oder Book a Tiger eine ganz besondere Qualität hat.


 

Christoph-Gerlinger-1

Christoph Gerlinger, CEO der German Startups Group, besitzt rund 20 Jahre Führungserfahrung in der Internetbranche. Unter anderem gründete er Frogster Interactive Pictures, führte das Unternehmen an die Börse und leitete es sieben Jahre als Vorstandsvorsitzender. Zuvor war Gerlinger Deutschlandchef von Infogrames/Atari und CFO der ebenfalls von ihm an die Börse gebrachten CDV Software Entertainment.

 

 

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
German Startups Group
WKN Kurs in € Einschätzung
A1MMEV 2,025 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
15,58 0,81 24,27
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 08.06.2017 0,00

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 0,00 0,87 0,07 5,60 10,91 13,90
EBITDA1,2 0,00 0,19 1,81 3,98 -4,75 4,50
EBITDA-Marge3 0,00 21,84 2.585,71 71,07 -43,54 32,37
EBIT1,4 0,00 0,18 1,37 3,72 -5,18 4,10
EBIT-Marge5 0,00 20,69 1.957,14 66,43 -47,48 29,50
Jahresüberschuss1 0,00 0,18 1,43 3,84 -3,34 3,00
Netto-Marge6 0,00 20,69 2.042,86 68,57 -30,61 21,58
Cashflow1,7 0,00 -0,65 -0,78 0,32 -0,81 1,40
Ergebnis je Aktie8 0,00 0,02 0,13 0.49 -0,29 0,25
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Roever Broenner Susat Mazars


Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.