FinTech Group: Sehr gut gestartet

Nach der rasanten Performance des Vorjahrs – 2015 schoss die Notiz um immerhin fast 120 Prozent in die Höhe –, war es zuletzt ein wenig ruhiger geworden um die Aktie der FinTech Group. Verglichen mit dem Januar-Top bei 20,10 Euro fiel der Kurs des Finanzdienstleisters im April bis auf knapp 16 Euro zurück. Ein Drama oder gar Einzelschicksal ist das noch nicht, zumal auch die Kurse von zuvor ebenfalls stark gekletterten FinTech-Aktien wie Ferratum oder Hypoport in etwa diesen Größenordnungen konsolidiert haben. Während die Investoren der beiden SDAX-Werte aber längst die 2015er-Zahlen ihrer Gesellschaften kennen, legt die im schwächer regulierten Entry Standard gelistete FinTech Group erst jetzt erste Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr vor. So viel vorweg: Mit einem Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) von 19 Mio. Euro liegt der Vorstandsvorsitzende Frank Niehage weitgehend im Plan. Eine positive Überraschung gelang dem Unternehmen allerdings nicht, zumal die offizielle Messlatte für das 2015er-EBITDA bei rund 20 Mio. Euro lag. Das komplette Zahlenwerk – erstmals nach den internationalen Rechnungslegungsvorschriften IFRS und nicht nach HGB erstellt – will die FinTech Group am 31. Mai vorlegen. Die Hauptversammlung ist für August 2016 angesetzt, einen konkreten Termin gibt es hier noch nicht.

Für das laufende Jahr bekräftige CEO Niehage sein bisheriges Ziel, auf ein EBITDA von bis zu 35 Mio. Euro zu kommen: „Wir sind sehr gut gestartet.“ Als einen der „wichtigsten Ertragstreiber“ bezeichnet die FinTech Group dabei den kürzlich gemeldeten Start ins Kreditgeschäft, bei dem ein Großteil der flatex-Kunden eine Kreditlinie von bis zu 25.000 Euro eingeräumt bekommen hatte. Der jährliche Zins bei Inanspruchnahme beträgt 3,9 Prozent. Für die FinTech Group ist diese Geschäftsausweitung doppelt wichtig: Zum einen erschließt sich eine weitere Ertragsquelle, zum anderen – und dieser Punkt ist zumindest in der aktuellen EZB-Politik besonders hervorzuheben – kann die Gesellschaft über das Kreditgeschäft einen Teil der Einlagen ihrer Kunden aktivieren und vermindert so drohende Negativzinsen auf die Barbestände in den Wertpapierdepots der Trader. Um die hohen regulatorischen Anforderungen zu erfüllen, hatte die bei der FinTech Group als zentrale Vollbank agierende biw AG vor einigen Wochen ihre Eigenkapitalunterlegung annähernd auf das Doppelte erhöht. Offenbar kommt das neue Dispo-Angebot bei der flatex gut an: „Binnen weniger Tage seit dem Start wurden gut 10,3 Millionen Euro an gut 2.800 Kunden vergeben“, heißt es offiziell.

 

FinTech Group  Kurs: 14,000 €

 

Offen ist dagegen, wie sich die mobile Bezahl-App kesh der biw bank im Wettbewerb schlägt – zumindest enthält die jüngste Nachricht der FinTech Group zu den vorläufigen 2015er-Zahlen keinen Hinweis darauf. Dafür verweist das Unternehmen nochmals auf die jüngsten Kooperationen mit Morgan Stanley oder die Anbindung an den Zinsoptimierer Zinspilot, bei dem auch die – indirekt über Heliad bei der FinTech Group engagierte – FinLab AG beteiligt ist. Boersengefluester.de hatte hierüber ausführlich berichtet. Zu dem Beitrag kommen Sie HIER. Per saldo bleibt die Investmentstory bei der FinTech Group intakt. Die jetzt vorgelegten EBITDA-Größenordnungen liegen nur leicht unter den Erwartungen. Und für 2016 hat Firmenlenker Niehage die Prognosen bestätigt. Viel mehr lässt sich gegenwärtig noch nicht sagen. Eine genauere Analyse der Kennzahlen ist erst mit Vorlage des Geschäftsberichts möglich. Wir bleiben daher bei unserer Einschätzung: Kaufen. Die Analysten von Hauck & Aufhäuser haben zuletzt ein Kursziel von 27 Euro genannt. Nur einen Hauch darunter bewegt sich GBC. Die Augsburger nannten Ende März ein Niveau von 26,85 Euro als fair. SMC Research aus Münster hält 24,70 Euro für angemessen. Die Londoner Experten von Mirabau Securities kamen in ihrer Analyse von Ende Januar 2016 zu dem Schluss, dass die Aktie der FinTech-Group Potenzial bis 23,80 Euro haben würde. Große Ausreißer bei den Einschätzungen der Finanzexperten gibt es zurzeit also nicht. Womöglich ist auch das ein Grund dafür, dass die Notiz des momentan so ein wenig vor sich hin plätschert.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
FinTech Group
WKN Kurs in € Einschätzung
FTG111 14,000 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
11,97 3,13 235,35
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 Juni 2017 0,00

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 15,57 14,03 16,16 75,19 86,00 106,00
EBITDA1,2 1,48 -0,49 -8,03 19,74 35,50 38,70
EBITDA-Marge3 9,51 -3,49 -49,69 26,25 41,28 36,51
EBIT1,4 0,25 -1,23 -9,54 17,24 34,00 36,40
EBIT-Marge5 1,61 -8,77 -59,03 22,93 39,53 34,34
Jahresüberschuss1 0,04 -1,13 -7,59 -2,16 10,50 16,00
Netto-Marge6 0,26 -8,05 -46,97 -2,87 12,21 15,09
Cashflow1,7 -0,98 1,37 5,97 -51,50 13,00 18,00
Ergebnis je Aktie8 0,01 -0,08 -0,47 -0.10 0,62 0,95
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: BDO

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.