FinTech Group: Analysten eingenordet

Bei seiner Präsentation auf dem Deutschen Eigenkapitalforum gab sich Frank Niehage, CEO der FinTech Group, gewohnt zuversichtlich. Insbesondere was die Zusammenarbeit mit Rocket Internet angeht, stellte er noch für Dezember – spätestens jedoch für das erste Quartal 2017 – gute Nachrichten in Aussicht. Getuschelt wird über eine kapitalmäßige Beteiligung der Berliner Internetexperten an der mittlerweile im Frankfurter Westhafen angesiedelten FinTech Group. Auch der neuerliche Hinweis auf das für Q2 2017 geplante Upgrade vom Entry Standard in den streng regulierten Prime Standard fehlte nicht. Zentrale Botschaft von Niehage: Hier ist in den vergangenen zwei Jahren aus einer Ansammlung von Einzelunternehmen – mit den Speerspitzen Flatex und XCOM – eine starke Marke entstanden. Fakt ist allerdings auch, dass Niehage von seinem großen Ziel, aus der FinTech Group ein Unternehmen mit einer Marktkapitalisierung von 1 Mrd. Dollar zu formen, noch immer ein gewaltiges Stück entfernt ist. Der aktuelle Börsenwert liegt bei 237 Mio. Euro. Angesichts eines Streubesitzes von zurzeit 43 Prozent, würde dieses Kaliber momentan nicht einmal für eine Aufnahme in den SDAX reichen.

Kein Wunder, dass Niehage – mit Blick auf die Interessen großer Investoren – neue Schwerpunkte bei der Kommunikation setzt. „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren einen starken Turnaround vollzogen und die FinTech Group deutlich in die schwarzen Zahlen geführt. Unser Fokus liegt jetzt auf Wachstum von Umsatz und Net Profit.“ Anstelle der bislang zentralen Steuerungsgröße EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen) treten der klassische Überschuss (Gewinn nach Steuern) sowie das Ergebnis je Aktie. Konkret: Im laufenden Jahr soll die FinTech Group auf einen Überschuss zwischen 8 und 10 Mio. Euro kommen. Für 2017 stellt das Unternehmen einen Gewinn von Unterkante 15,1 Mio. Euro in Aussicht, was – bei der aktuellen Aktienzahl von 16,81 Millionen Stück – auf ein Ergebnis je Anteilschein von 0,90 Euro hinausläuft. Eine Prognose, die Niehage als „sehr konservativ“ einstuft. Indirekt pfeift Niehage damit aber auch die Analysten zurück, die im Schnitt zuletzt eher auf Netto-Gewinne im Bereich um 25 Mio. Euro für 2017 gehofft haben.

 

FinTech Group  Kurs: 29,295 €

 

Für boersengefluester.de ergeben sich damit in gewisser Weise Parallelen zu Ferratum. Die Finnen hatten mit einer – ihrer Meinung nach realistischen – Prognose für 2017 die Analysten auf dem falsch Fuß erwischt und mussten dafür mit einem erheblichen Verlust an Marktkapitalisierung büßen. „Über die heftige Reaktion der Börse haben wir uns allerdings gewundert“, gestand Ferratum-Gründer und CEO Jorma Jokela kürzlich im Gespräch mit boersengefluester.de ein. So gesehen sind wir überrascht, dass die Investoren den 2017er-Ausblick der FinTech Group zunächst sogar mit einem leichten Kursplus auf gut 14 Euro belohnten. Auf Basis der neuen Prognosen wird die Aktie der FinTech Group nämlich bereits mit einem 2017er-KGV von 15,5 gehandelt. Zum Vergleich: Zieht man die aktuelle Konsensschätzung für das 2017er Ergebnis je Aktie für die KGV-Berechnung heran, ergibt sich ein Multiple von nur rund zehn. Wir gehen davon aus, dass die Analysten in den kommenden Wochen ihre Prognosen eher nach unten anpassen werden. Das wiederum dürfte nicht spurlos an der Notiz vorbeigehen. Losgelöst davon werten wir die Umstellung die Prognoseziele auf Umsatz und Überschuss positiv, das sie für mehr Transparenz sorgen. Gespannt ist boersengefluester.de zudem, ob die FinTech Group demnächst einen Zukauf starten wird. „Wir sind bereit für profitables organisches und akquisitorisches Wachstum“, sagt Niehage. Zudem stellte der umtriebige Manager auf dem Eigenkapitalforum den Aufbau einer weiteren digitalen Bank für ein ausländisches Unternehmen in Aussicht.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
FinTech Group
WKN Kurs in € Einschätzung
FTG111 29,295 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
20,63 5,79 492,47
Dividende '17 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 05.07.2017 0,00

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 15,57 14,03 16,16 75,19 95,02 106,00
EBITDA1,2 1,48 -0,49 -8,03 19,74 30,62 35,00
EBITDA-Marge3 9,51 -3,49 -49,69 26,25 32,22 33,02
EBIT1,4 0,25 -1,23 -9,54 17,24 25,47 31,00
EBIT-Marge5 1,61 -8,77 -59,03 22,93 26,80 29,25
Jahresüberschuss1 0,04 -1,13 -7,59 -2,16 12,32 17,10
Netto-Marge6 0,26 -8,05 -46,97 -2,87 12,97 16,13
Cashflow1,7 -0,98 1,37 5,97 -58,71 -143,96 18,00
Ergebnis je Aktie8 0,01 -0,08 -0,47 -0.10 0,73 1,15
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: BDO

 

Foto: pixabay



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse

Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.