DAX: Was KGV, Buchwert und Dividende jetzt verraten

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Das neue Jahr hat noch gar nicht richtig angefangen – und dann so was: Verglichen mit dem DAX-Schlusstand von 2015 bei 10.743 Punkten hat der Leitindex innerhalb von vier Handelstagen rund 910 Punkte – umgerechnet etwa 8,5 Prozent – einbüßt. Dabei hat sich eine Marktkapitalisierung von gut 96,2 Mrd. Euro in Luft aufgelöst. Das entspricht mehr als dem aktuellen Börsenwert von Bayer – dem wertvollsten der 30 DAX Unternehmen. Ob solch ein Schwund gerechtfertigt durch die Verkaufswelle in China nun gerechtfertigt ist oder nicht, lässt sich kaum seriös abschätzen. Aber so funktioniert Börse: Wenn es irgendwo kracht, drücken (fast) alle erst einmal kollektiv auf den Verkaufsknopf – auch angefeuert durch die meist sehr prozyklischen Kommentare der Charttechniker. Mit Abstand am stärksten gebeutelt hat es zuletzt die Auto-Aktien Volkswagen, BMW und Daimler. Aber auch der Reifenhersteller Continental gehört zu den großen Verlierern des bisherigen Börsenjahrs. Die Logik ist klar: Schließlich gehört China für die Fahrzeughersteller zu den wichtigsten Absatzmärkten. Zudem hat Volkswagen mit der Klageandrohung durch US-Investoren noch ein weiteres – kaum kalkulierbares – Problem an der Backe.

 

BMW ST  Kurs: 68,660 €

Andererseits sagten namhafte Ökonomen in ihren Ausblicken 2016 noch vor wenigen Monaten, dass Aktien als Geldanlage nahezu „alternativlos” seien – trotz der sich abzeichnenden vorsichtigen Zinswende. Diese Einschätzungen können innerhalb von wenigen Tagen eigentlich nicht vollständig an Wahrheit eingebüßt haben.  Geschenkt sei an dieser Stelle der Hinweis vieler Börsenexperten, dass es „unter Schwankungen” tendenziell nach oben gehen werde. Der Hinweis auf die Volatilität der Märkte gehört eher in die Rubrik der Phrasendrescherei. Zur besseren Orientierung hat boersengefluester.de die wichtigsten fundamentalen Rahmendaten der DAX-Unternehmen zusammengetragen: Kapitalisiert sind die 30 Gesellschaften zurzeit mit 1.046,902 Mrd. Euro. Das entspricht etwa dem Doppelten des Börsenwerts von Apple. Isoliert sagt diese Zahl natürlich noch nichts darüber aus, ob ein Markt teuer oder eher günstig ist. Einer erster Blick gilt in unruhigen Zeiten dabei meist dem Abstand zum Buchwert. Zum Ende des dritten Quartals 2015 wiesen die DAX-Konzerne nach Ermittlungen von boersengefluester.de ein (um Anteile Dritter korrigiertes) Eigenkapital von 706,303 Mrd. Euro aus. Anders ausgedrückt: Das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) des DAX beläuft sich zurzeit auf etwa 1,48. Damit bewegt sich der Index in Sichtweite zu den langfristigen Durchschnittswerten. Anlass zur Sorge bereitet dieses Kriterium also nicht. Eine Pufferfunktion hat das KBV momentan allerdings auch noch nicht. In extremen Ausverkaufssituationen wie Anfang 2003 oder 2009 lag das Markt-KBV jeweils im Bereich um eins. Analytisch lässt sich ein KBV von 1,0 als Kriterium für eine Kurswende zwar nicht hinreichend herleiten. Psychologisch scheinen hier jedoch trotzdem wichtige Begrenzungsmarken zu liegen.

 

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Nicht unbedingt einfacher ist derzeit der Blick auf die Entwicklung der Gewinne. So lasten erhebliche Sonderfaktoren auf Volkswagen und den Versorgern E.ON und RWE. 2014 kamen die DAX-Konzerne auf einen addierten Überschuss von 73,507 Mrd. Euro, was einem 2014er-KGV von 14,2 entspricht. Auf Basis der Ergebnisprognosen von boersengefluester.de erhöht sich das DAX-KGV für 2015 auf 18,5. Für 2016 gehen wir dann von einem Rückgang auf 13,7 aus. Für 2017 wiederum ist mit einer weiteren Ermäßigung auf 12,6 zu rechnen. Selbst wenn sich die Schätzungen für 2016 und 2017 natürlich auch als Makulatur erweisen können, zumindest aus jetziger Sicht ist der DAX unter KGV-Aspekten alles andere als zu teuer. Das gilt auch für den Blick auf die Einzelwerte. Beinahe nur die traditionell immer zu Apothekenpreisen gehandelten Aktien von Beiersdorf, Merck KGaA, Fresenius, Fresenius Medical Care und Henkel kommen auf KGVs im Bereich um 20. Die größte Gruppe der Einzeltitel liegt – auf Basis für 2017 – irgendwo zwischen 10 und 15. Das ist völlig in Ordnung. Panisch muss da niemand reagieren. Finanz- und Autoaktien bringen es zurzeit auf meist einstellige KGVs. Auch das ist nichts Ungewöhnliches , immerhin sind die Fahrzeughersteller über ihre mächtigen Finanzierungsinstitute (Leasing) beinahe selbst schon Banken mit angeschlossener Werkbank.

 

Deutsche Lufthansa  Kurs: 10,955 €

Als vergleichsweise scharfes Schwert hat sich in den vergangenen Jahren die Dividendenrendite erwiesen, auch wenn sie längst nicht mehr die durchschnittliche Höhe früherer Jahre von mehr als drei Prozent hat. Aber in Zeiten von allgemeinen Minizinsen war der Annäherungsprozess – über steigende Aktienkurse – eine fast schon logische Konsequenz. Boersengefluester.de geht für 2015 von einem Rückgang der Dividendensumme von 30,1 auf rund 28,4 Mrd. Euro aus. Dabei unterstellen wir, dass VW möglicherweise eine Nullrunde bei der Ausschüttung vorschlagen wird. Aber auch dann käme der Index noch auf eine durchschnittliche Dividendenrendite von 2,7 Prozent. Das kann sich sehen lassen, zumal etwa die Hälfte der DAX-Werte derzeit eine Rendite von mehr als drei Prozent vorzuweisen haben dürfte. Der Dividendenausfall bei der Deutschen Bank ist längst bekannt. Und „Niedrigrentierer” wie SAP , Fresenius, Infineon, Beiersdorf, HeidelbergCement oder die Deutsche Lufthansa dürfte sich kaum jemand vorwiegend aus Dividendengründen zugelegt haben. Summa summarum sollten die anstehenden Dividendenbekanntmachungen also eine deutlich unterstützende Wirkung auf den Gesamtmarkt haben.

 

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Foto: shutterstock

About Gereon Kruse

Über den Autor: Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte.