Creaton: Krasse Nummer zum Abschied

Die kuriosesten Geschichten liegen oft abseits der großen Wege. Das ist an der Börse nicht anders. Kennen Sie zum Beispiel noch die Aktie von Creaton? Der Hersteller von Dachziegeln ist bereits seit November 1995 an der Börse, spielt aber schon seit einer gefühlten Ewigkeit keine Rolle mehr in der Berichterstattung. Nur als der wesentlich größere Wettbewerber Braas Monier Mitte 2014 den Gang aufs Parkett wagte, tauchte Creaton für kurze Zeit wieder in der Finanzpresse auf. Der Grund für das Mauerblümchendasein auf dem Kurszettel: Sämtliche Stammaktien und rund 96 Prozent der börsennotierten Vorzüge befinden sich im Besitz der belgischen Industrie-Holding Etex. Entsprechend sporadisch werden die paar noch im freien Umlauf befindlichen Creaton-Vorzüge – Heimatbörse ist das Münchner Spezialsegment m:access – gehandelt.

Viel Antrieb für einen aktiven Handel in der Creaton-Aktie gab es sowieso nicht. Mit der Etex Holding besteht ein Beherrschungs- und Gewinnabführungsvertrag (BuG), der für die freien Aktionären eine jährliche Garantiedividende von 0,93 Euro pro Anteilschein vorsieht. In der Regel reichte das Ausschüttungsfixum für eine ordentliche Dividendenrendite im Bereich um rund 2,5 Prozent. Alternativ können Anleger auch auf die im Jahr 2007 von 23,47 Euro auf 27,17 Euro je Aktie erhöhte Barabfindung setzen. Ende März 2016 gab es plötzlich den ersten Aufreger, denn die Etex Holding teilte mit, dass sie noch im laufenden Jahr ein Squeeze-out gegen Barabfindung durchführen wolle. Anfang Juli 2016 kam zusätzliche Bewegung in die Sache: Einigermaßen überraschend kündigten die Belgier nämlich den BuG mit Wirkung zum Jahresende 2016. Mit anderen Worten: Die garantierte Dividende von 0,93 Euro je Vorzugsaktie wird es zuletzt nach der Hauptversammlung im Jahr 2017 geben. Entsprechende verschnupft reagierte die Börse, denn es brauchte keine große prophetische Gabe um zu vermuten, dass es in der Folge wohl auf Nullrunden hinauslaufen wird. Damit nicht genug: Am 18. Juli 2016 teilte der Creaton-Vorstand den Anteilseignern auch noch mit, dass die Gesellschaft den kompletten Rückzug vom Parkett, also ein Delisting, anstrebe. Als Ausgleich bietet Etex eine Barzahlung von 24,51 Euro je Vorzugsaktie an – deutlich weniger als die aktuelle Notiz.

 

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Squeeze-out, Delisting sowie zwei verschieden hohe Barabfindungen – und das alles innerhalb eines Jahres: So etwas gibt es auch nicht alle Tage. Derweil hat sich der Aktienkurs nach dem ersten Schock durch die Kündigung des BuG zwar einigermaßen stabilisiert, mit 28,80 Euro bewegt er sich aber immer noch oberhalb beider Offerten. Verrückte Börse, Kalkül des Großaktionärs oder was ist hier los? Zunächst einmal steht noch gar nicht fest, wann genau der Squeeze-Out umgesetzt werden soll. Dementsprechend gibt es auch noch keine von den Wirtschaftsprüfern als „angemessen“ angesetzte Barabfindung für den Squeeze-out. Damit fehlt die wichtigsten Größe auf der börsenmäßigen Abschiedstour. Quasi ein zweites paar Schuhe sind derweil die Delisting-Anstrengungen von Creaton. Wie etliche andere Small- und Micro-Cap- Unternehmen, begründen auch die Wertinger diesen Schritt mit den erhöhten Publizitätsanforderungen im Zuge der seit Juli 2016 geltenden EU-Marktmissbrauchsverordnung. „Dadurch erhöht sich der Verwaltungs- und Kostenaufwand der Gesellschaft erheblich“, betont der Vorstand in einer Stellungnahme.

In den Sternen steht freilich, ob jemand tatsächlich so verrückt ist, und seine Aktien für das Delisting-Gebot von 24,51 Euro anzudienen. Zwar endet am 31. März 2017 auch der Handel im Münchner Freiverkehr, doch ein außerbörslicher Handel wird auf der Plattform von Valora Effekten Handel oder bei Schnigge mit ziemlicher Sicherheit angeboten werden. Hier sind die Spreads zwischen An- und Verkauf mitunter recht happig, aber gänzlich unmöglich ist der Verkauf eben nicht. Die attraktivere Variante scheint es für boersengefluester.de ohnehin zu sein, erst einmal gar nichts zu tun und den Squeeze-out abzuwarten. Die Spekulation ist hier, dass die von den Prüfern ermittelte angemessene Barabfindung nicht nur oberhalb von 27,17 Euro je Aktie liegen wird, sondern noch spürbar darüber. Immerhin hielt sich die Notiz der Vorzüge in den vergangenen Jahren meist im Bereich um 35 Euro auf. Und der durch Werksstilllegungen und eine Sonderabschreibung verursachte Horrorverlust von 51 Mio. Euro für 2015 ist sicher kein alleiniger Maßstab.

Also: „Cool bleiben und nicht von den vielen Angeboten ablenken lassen“, heißt die Devise, sonst würde man Etex nur in die Karten spielen. Aufgrund der mickrigen Handelsvolumen ist die Creaton-Aktie aber lediglich für erfahrene Nebenwertespezialisten geeignet.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBITDA1,2 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBITDA-Marge3 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBIT1,4 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
EBIT-Marge5 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Jahresüberschuss1 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Netto-Marge6 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Cashflow1,7 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Ergebnis je Aktie8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

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Über Gereon Kruse

Gereon Kruse

Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.