China-Aktien: Ein Trümmerfeld Teil 1

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An dieser Stelle kommentieren wir aktuelle Meldungen über in Deutschland gelistete chinesische Aktien oder weisen auf interessante Kursentwicklungen hin. Die Auswahl erfolgt rein subjektiv und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

 

Wir haben uns geirrt. Als wir im Frühjahr vergangenen Jahres das Chinageflüster gestartet hatten, waren wir der Überzeugung, dass mit Aktien aus dem Reich der Mitte langfristig gutes Geld zu verdienen sei. Egal, ob die Wirtschaft von Maos Erben nun um 7,5, 6,8 oder 6,0 Prozent zulegt. Fakt bleibt, das Wachstum ist – und bleibt auf absehbare Zeit – in dem einwohnerstärksten Land der Erde eindrucksvoll. Inzwischen hat sich China hinter den USA zur zweitstärksten Volkswirtschaft der Welt entwickelt. Die meisten Menschen sind inzwischen der Armut entkommen, die Einkommen steigen und die Sozial- und Umweltstandards verbessern sich kontinuierlich. Die neue Regierung macht Ernst mit der Korruptionsbekämpfung. So haben sich auch viele der hierzulande gelisteten China-Aktien operativ ordentlich entwickelt. Doch die Häufung von Betrugsfällen hat das Vertrauen der Investoren vollständig zerstört. Der mangelnde Wille der Unternehmer, hierzulande übliche Transparenzregeln einzuhalten, hat ein Übriges getan. So haben alle von boersengefluester.de beobachteten Aktien aus dem Prime-Standard in den vergangenen zwölf Monaten Kursverluste erlitten – die meisten regelrechte Einbrüche.


 

 

Youbisheng Green Paper und Fast Casualwear sind mit minus 93 Prozent traurige Spitzenreiter. Beim Pappe- und Papierhersteller Youbisheng soll der Vorstandschef im Sommer mit der Kasse durchgebrannt sein. Sein Bruder soll mit einem Freund die Geschäfte weitergeführt haben. Inzwischen gibt es Gerüchte, dass Kredite in einem Volumen von rund 30 Mio. Euro versteigert wurden, die möglicherweise mit Anlagen einer der operativen Unternehmen besichert sind. Daher könnte Youbisheng das Eigentum an den Papiermaschinen oder sogar das ganze operative Geschäft in China verloren haben. Der Insolvenzverwalter und der neue Vorstand, Rolf Birkert – ebenfalls Vorstand bei der börsennotierten Beteiligungsgesellschaft Deutschen Balaton , sind um Aufklärung bemüht. Ergebnisse gibt es bisher noch nicht. Weil das Unternehmen schon seit Monaten seine Rechnungen nicht mehr bezahlt, ist die Internetseite nicht mehr zugänglich. Einziger Lichtblick: Birkert wird die Aktionäre via Ad-hoc-Meldung über Ergebnisse seine Anstrengungen informieren. Die Deutsche Balaton, eine der Großinvestoren bei China-Aktien, ist massiv an der Aufklärung der dubiosen Machenschaften bei den „Aktien Süßsauer” interessiert.

 

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Zappenduster ist es dagegen beim Modeunternehmen Fast Casualwear. Nach der suspekten Profitwarning zum Halbjahr ist die Firma offline. Die Internetseiten sind tot, die in München sitzende IR-Beauftragte und Aufsichtsratsvorsitzende, Nanyan Ding, antwortet nicht und auch vom neuen Vorstand, Timo Bernd Strattner, ist nichts zu hören. Seit gut einem Monat hat kein Börsenhandel mehr stattgefunden. Im Sommer 2013 wurde bekannt, dass sich auch hier der Unternehmensgründer und Vorstandschef zurückzieht. Gesundheitliche Gründe wurden für die Entscheidung angeführt. Tatsache ist, dass seit dem bei Fast nichts mehr geht.

 

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Schuhhersteller Ultrasonic hat sich mit minus 91 Prozent 2014 nicht besser geschlagen. Geklärt sind die Vorwürfe an den Vorstand, er habe sich mit dem Baren – immerhin ein dreistelliger Millionenbetrag – aus den Staub gemacht, bis heute nicht. Unternehmensgründer Quingyong Wu, als Vorstand der deutschen AG entmachtet, soll wieder die operativen Geschäfte in China führen. Bei Regierungsvertretern soll der Fall für Unruhe gesorgt haben. Angeblich wird der wahre Hergang von offizieller Seite untersucht. Ob der neue Vorstand, Harald Zender, über das Ergebnis der Nachforschungen unterrichtet wird, ist offen. Einziger Vorteil gegenüber Youbisheng und Fast ist, dass die Internetseite weiter online ist. Neuigkeiten: Fehlanzeige.

 

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Ohne zweistelligen prozentualen Kursverlust, “nur” mit minus sieben Prozent, kam Joyou davon. Der Badausstatter, eine Tochtergesellschaft von Wettbewerber Grohe, hält die Börsenusancen ein wie keine andere China-Aktie. Selbst deutsche Mittelständler können sich an den Berichten von Joyou ein Beispiel nehmen. Das belohnt der Anleger. Doch leider dürfte das Kurspotenzial begrenzt bleiben. Zwar legen die Umsätze kräftig zu, doch besonders in den Bereichen, in denen für Joyou nicht viel abfällt. Es scheint, als wolle der Mehrheitsaktionär die Gewinnzuwächse im eigenen Haus behalten. Daher lohnt ein Einstieg bei Joyou aus unserer Sicht nicht. Derzeit drängt sich kein Unternehmen aus dem Reich der Mitte zum Kauf auf.

 

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About Stefan Otto

Stefan Otto ist ein profunder Kenner der Aktienszene. Seine Kapitalmarkterfahrung hat er im vergangenen viertel Jahrhundert in unterschiedlichen Positionen erworben – als Finanzchef eines Verlags, als Vorstandsmitglied einer deutschen börsennotierten AG und als erster Redakteur von BÖRSE ONLINE. Auf boersengefluester.de schreibt er in erster Linie über chinesische Aktien mit Hauptnotiz in Deutschland.