B+S Banksysteme: „Die Nachfrage reißt nicht ab“

Mit einem Kursplus von mehr als 40 Prozent gehörte die Aktie von B+S Banksysteme  zu den positiven Überraschungen des Börsenjahrs 2016. Und die Performance kommt nicht von ungefähr: Auf der Hauptversammlung am 11. Januar 2017 berichtete CEO Wilhelm Berger über eine positive Entwicklung im ersten Halbjahr des Geschäftsjahrs 2016/17 (30. Juni). Boersengefluester.de sprach mit dem Vorstand des „Fintech-Dinos“ über deutlich bessere Konzernzahlen, mögliche Akquisitionen und das gestiegene Investoreninteresse.

Herr Berger, auf der Hauptversammlung der B+S Banksysteme AG am 11. Januar haben Sie über eine positive Entwicklung im ersten Halbjahr des am 30. Juni endenen Geschäftsjahrs 2016/17 berichtet. Demnach haben Sie in der zweiten Jahreshälfte 2016 Ihre operativen Ziele erreicht?

Wilhelm Berger: Wir haben unsere Ziele erreicht und können mit dem Verlauf des ersten Halbjahrs unseres Geschäftsjahrs 2016/17 zufrieden sein. Nach vorläufigen Berechnungen haben wir mit einer Betriebsleistung von 4,548 Mio. Euro und einem EBIT von 662.000 Euro die Vorjahreswerte jeweils deutlich übertroffen.

Woher kamen die positiven Effekte? Waren es – wie bereits im Geschäftsjahr 2015/16 – erneut die Bereiche Treasury & Trading sowie Zahlungsverkehr, die eine besonders hohe Nachfrage generierten?

Wilhelm Berger: Ja, derzeit haben die beiden genannten Produktgruppen Konjunktur und die Nachfrage reißt nicht ab. Dies stimmt uns auch zuversichtlich für das gesamte Geschäftsjahr 2016/17.

Haben Sie in den vergangenen Monaten auch bei der Neukundenakquise Erfolge erzielt oder sind Sie im Wesentlichen mit Ihren Bestandskunden gewachsen?

Wilhelm Berger: Im ersten Geschäftshalbjahr 2016/17 ist es in beiden Segmenten gut gelaufen, neben dem erfreulichen Wachstum mit Bestandskunden konnten wir auch Akquiseerfolge vorweisen. Und da Neukunden mit Projektabschluss in den Bestand gehen, erhöhen sich in den Folgejahren unsere Bestandseinkünfte nicht unerheblich.

 

B+S Banksysteme  Kurs: 3,399 €

 

Welche Fortschritte kann B+S auf technologischer Seite vorweisen?

Wilhelm Berger: Die Frage ist für uns zweigeteilt zu sehen: Wir investieren für unsere Kunden weiter in die Zertifizierung unserer Prozesse und dies nicht nur im Hosting, sondern auch im Entwicklungsbereich. Auch beim Kauf von Software muss der Nutzer zukünftig nachweisen können, dass Auslagerungen entsprechend professionell gehändelt werden. Im Bereich unserer Applikationen stellen wir auf Basis der bewährten Abwicklungen WEB-Shops und Handelsplattformen zur Verfügung, die es unseren Kunden erlauben, in neue Geschäftsmodelle einzutreten. Gleiches gilt für die Weiterentwicklung unserer mobilen Anwendungen.

B+S hat 2016 nicht nur in einen neuen Rechenzentrumsstandort investiert, sondern auch seinen Personalstamm erweitert. Wie schwer ist es für Sie, qualifizierte Mitarbeiter zu finden – gerade am Standort München?

Wilhelm Berger: Wir haben an den beiden Standorten München und Salzburg in letzter Zeit sehr gute Nachwuchskräfte gewinnen können. Erfahrene Senior Entwickler sind hingegen nur schwierig zu finden – und das auch nur bei Erfüllung überhöhter Ansprüche.

Heißt das, dass Sie aktuell auch über Akquisitionen nachdenken, um das anstehende Wachstum personell stemmen zu können?

Wilhelm Berger: Dies wäre in der Tat ein möglicher Weg, um die anstehenden Projekte zeitgerecht umsetzen zu können. Aber noch ist keine Entscheidung in diese Richtung getroffen, zumal uns auch andere Wachstumsoptionen offen stehen.

Was können junge Fintech-Start-ups von einem „Fintech-Dino“ wie B+S lernen?

Wilhelm Berger: Zentrale Erfolgsfaktoren bestehen darin, die Idee abzusichern und für genügend Liquidität zu sorgen, um nicht zu früh die Kontrolle aus der Hand geben zu müssen. Eine gute Idee beziehungsweise ein gutes Produkt allein reichen noch lange nicht, um ein erfolgreiches Unternehmen aufzubauen.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 7,99 7,19 7,81 8,21 10,21 0,00
EBITDA1,2 1,44 1,03 1,66 1,35 2,95 0,00
EBITDA-Marge3 18,02 14,33 21,25 16,44 28,89 0,00
EBIT1,4 0,89 0,43 1,10 0,75 2,27 0,00
EBIT-Marge5 11,14 5,98 14,08 9,14 22,23 0,00
Jahresüberschuss1 0,62 0,35 0,85 0,59 2,00 0,00
Netto-Marge6 7,76 4,87 10,88 7,19 19,59 0,00
Cashflow1,7 1,82 0,73 0,64 1,39 2,45 0,00
Ergebnis je Aktie8 0,10 0,06 0,14 0.09 0,30 0,25
Dividende8 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00 0,00
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

  Geschäftsbericht 2016 - Kostenfrei herunterladen.  
1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: PricewaterhouseCoopers

 

Mit welchen Erwartungen sind Sie ins Jahr 2017 gestartet? Werden Sie die zuletzt gesehene Dynamik im zweiten Halbjahr 2016/17 bestätigen können?

Wilhelm Berger: Wir sind auf Grund der Auftragslage und der gesteigerten Basis aus Wartung und dem Application Service Provider (ASP)-Geschäft positiv ins Jahr 2017 gestartet und können die Dynamik des letzten Halbjahres bestätigen. Die massiven Zukunftsinvestitionen der vergangenen Jahre beginnen sich nun auszuzahlen.

Wie weit sind Sie inzwischen mit der geplanten Vermietung des Bürogebäudes in Salzburg vorangekommen?

Wilhelm Berger: Das Gebäude in Salzburg ist inzwischen komplett an einen namhaften Lebensmittelkonzern vermietet und bringt einen entsprechenden Betrag zum Gesamtergebnis und für die Substanzbildung. Generell ist es um die finanzielle Situation unserer Gesellschaft sehr gut bestellt. So konnten wir beispielsweise im Jahr 2016 weitere 1,3 Mio. Euro an Altlasten tilgen und werden in 2017 keine Nettoverschuldung mehr ausweisen.

Blicken wir abschließend auf die B+S-Aktie, die sich in den vergangenen Monaten sehr positiv entwickelt hat. Im September 2016 hat die Fondsgesellschaft Axxion die Überschreitung der Drei-Prozent-Schwelle gemeldet. Verspüren Sie generell ein gestiegenes Interesse von Seiten institutioneller und strategischer Investoren?

Wilhelm Berger: Das gestiegene Interesse von institutioneller Seite erkennt man auch daran, dass jede Kaufgelegenheit bei der B+S--Aktie umgehend genutzt wird. Strategische Investoren haben längst erkannt, dass allein unser Kundenstamm trotz der positiven Performance in 2016 nach wie vor ein Mehrfaches unseres aktuellen Börsenwerts darstellt. Insofern bin ich auch für die weitere Entwicklung sehr positiv gestimmt.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
B+S Banksysteme
WKN Kurs in € Einschätzung
126215 3,399 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
12,59 2,00 21,11
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 11.01.2017 0,00

 

Fotos: B+S Banksysteme AG, pixabay


Wilhelm Berger ist seit August 2008 Vorstand der B+S Banksysteme Aktiengesellschaft und verantwortet dort die Bereiche Finanzen und Personal. Begonnen hat Berger – Jahrgang 1950 – seine berufliche Karriere bei Nixdorf Computer. 1982 gründete er in Salzburg dann die B+S Banksysteme. Zur Börsennotiz kam die Gesellschaft durch einen Reverse-Takeover des ehemaligen Neuer-Markt-Unternehmens DataDesign, die wiederum zuvor den Internet-Banking-Bereich von Brokat aus deren Insolvenzmasse übernommen hatte. Der Hauptsitz von B+S Banksysteme befindet seit 2008 in München, weitere Standorte gibt es in Salzburg und im Kanton Bern in der Schweiz.

About Gereon Kruse

Über den Autor: Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.