Berentzen: „Unsere Aktionäre erwarten eine gute Dividende“

Die Berentzen-Gruppe hat infolge einer erfolgreichen Unternehmensentwicklung und Präsentation am Kapitalmarkt neue Investoren gefunden. Mit dem nun vollzogenen vollständigen Ausstieg der Münchner Beteiligungsholding Aurelius Equity Opportunities ist der in den vergangenen Monaten eingeläutete Umbau in der Eigentümerstruktur erfolgreich abgeschlossen. „Der Verkaufsprozess war sicher für alle, sprich Verkäufer und Käufer, positiv“, sagt Frank Schübel, CEO von Berentzen, im Gespräch mit boersengefluester.de. Den eingeschlagenen Weg, die strategische Entwicklung der Berentzen-Gruppe in Richtung natürlicher frischer Segmente weiter zu stärken, will Schübel konsequent fortsetzen. Bei der EBIT-Marge sieht er mittelfristig Spielraum bis acht Prozent. Derweil haben die Analysten der in Mainz ansässigen Solventis Wertpapierhandelsbank die Coverage der Berentzen-Aktie mit einer Kaufen-Empfehlung aufgenommen. Ihr Kursziel: Immerhin 10,28 Euro. Gegenüber der aktuellen Notiz von 6,83 Euro entspricht das einem Potenzial von rund 50 Prozent.


Herr Schübel, Ihr früherer Mehrheitsaktionär, die Münchner Beteiligungsholding Aurelius, hat in der vergangenen Woche die letzten Anteile an der Berentzen-Gruppe veräußert. Wie überraschend kam dieser Schritt für Sie?

Frank Schübel: Dieser Schritt war weder für uns noch für den Kapitalmarkt eine echte Überraschung, auch wenn letztendlicher Zeitpunkt und Kurs immer eine kurzfristige Entscheidung des Verkäufers, also Aurelius, ist. Dass die verbliebenen Anteile von Aurelius komplett verkauft werden sollen, war ja kein Geheimnis. Entscheidend für den Zeitpunkt waren sicher sehr konstruktive Investorengespräche auf unseren letzten Roadshow-Terminen und den Kapitalmarktkonferenzen vergangene Woche. Das Interesse der Investoren hatte sich dabei deutlich manifestiert.

Welchen Anteil hatte Aurelius an der Neuaufstellung und dem Wiedererstarken der Berentzen-Gruppe in den vergangenen Jahren?

Frank Schübel: Aurelius ist im Jahr 2008 in einer Krisensituation bei der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft eingestiegen und hat die in der Folge vom Berentzen-Management eingeleitete überfällige Restrukturierung maßgeblich unterstützt. Das Ergebnis waren unter anderem langfristig wettbewerbsfähige Kostenstrukturen. Die Marktseite haben wir aus der Gruppe und dem Management gelöst. Am Ende hat aber auch hier Aurelius seinen Anteil, denn über den Aufsichtsrat haben sie den Vorstand ausgewählt, die Strategie bestätigt und uns entgegen vielen falschen Vorurteilen ausreichend Zeit und Ressourcen genehmigt. Die Berentzen-Gruppe ist heute in den Zukunftsmärkten der Getränkeindustrie hervorragend positioniert und bewegt sich dabei auf einem profitablen Wachstumspfad.

Die Perspektiven für die weitere Entwicklung der Berentzen-Gruppe erscheinen sehr positiv. Warum ist Aurelius dennoch gerade jetzt ausgestiegen?

Frank Schübel: Erklären Sie mir bitte das Rezept für den bestmöglichen Zeitpunkt an der Börse (lacht). Wie bereits angesprochen hat sich die Berentzen-Gruppe seit dem Einstieg von Aurelius von einem Sanierungsfall zu einem profitablen und breit aufgestellten Getränkeproduzenten entwickelt. Am Ende ist Aurelius als Sanierungsspezialist kein typischer Minderheitsaktionär und hat die bereits realisierte Kursentwicklung auch im Sinne seiner Aktionäre materialisiert. Der Verkaufsprozess hat sich über eineinhalb Jahre hingezogen und war sicher für alle, sprich Verkäufer und Käufer, positiv.

 

Berentzen-Gruppe  Kurs: 9,340 €

 

Befürchten Sie nun, ohne einen großen Mehrheitsaktionär, mehr Unruhe im Aktionärskreis?

Frank Schübel: Hierzu ein klares Nein, da wir keine Ankeraktionäre aus strategischer Sicht des Getränkemarktes haben. Die neue Aktionärsstruktur ist ein guter Mix aus institutionellen und privaten Investoren aus dem In- und Ausland. Größter Aktionär der Berentzen-Gruppe ist die niederländische Investmentgesellschaft Monolith mit 10,4 Prozent, wobei die enge Verbundenheit auch durch den Einzug von Daan M.G. van Vlaardingen, CEO der Monolith Investment Management B.V., in den Aufsichtsrat der Berentzen-Gruppe dokumentiert wird. Am anderen Ende des Berentzen-Aktionärskreises gibt es circa 40 Prozent mit Anteilen von deutlich unter einem Prozent.

Blicken wir auf das operative Geschäft der Berentzen-Gruppe: Wird sich an Ihrer Geschäftsstrategie nach dem Ausstieg von Aurelius etwas ändern?

Frank Schübel: Alle neuen Aktionäre haben ihr Invest auf Basis der aktuellen Strategie des Vorstands getätigt. Mit den meisten haben wir persönlich Gespräche auf Konferenzen oder bei Roadshows geführt und uns kennengelernt. Wir sehen das als Bestätigung unserer Strategie und Struktur und werden unseren eingeschlagenen Weg konsequent weitergehen.

 

Die wichtigsten Finanzdaten auf einen Blick
  2012 2013 2014 2015 2016 2017e
Umsatzerlöse1 147,70 152,54 153,46 158,55 170,03 176,00
EBITDA1,2 9,50 8,40 12,60 15,66 17,51 19,30
EBITDA-Marge3 6,43 5,51 8,21 9,88 10,30 10,97
EBIT1,4 2,20 1,48 5,14 7,58 10,54 12,10
EBIT-Marge5 1,49 0,97 3,35 4,78 6,20 6,88
Jahresüberschuss1 -1,66 -7,32 4,20 2,24 4,45 5,45
Netto-Marge6 -1,12 -4,80 2,74 1,41 2,62 3,10
Cashflow1,7 0,31 -3,40 8,91 31,37 12,32 13,60
Ergebnis je Aktie8 -0,14 -0,73 0,47 0.23 0,47 0,57
Dividende8 0,15 0,13 0,19 0,20 0,25 0,25
Quelle: boersengefluester.de und Firmenangaben

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1 in Mio. Euro; 2 EBITDA = Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen; 3 EBITDA in Relation zum Umsatz; 4 EBIT = Ergebnis vor Zinsen und Steuern; 5 EBIT in Relation zum Umsatz; 6 Jahresüberschuss (-fehlbetrag) in Relation zum Umsatz; 7 Cashflow aus der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit; 8 in Euro; Quelle: boersengefluester.de

Wirtschaftsprüfer: Warth & Klein Grant Thornton

 

Die Halbjahreszahlen der Berentzen-Gruppe wurden vom Kapitalmarkt sehr wohlwollend aufgenommen. Welche Erwartungen haben Sie an das laufende zweite Halbjahr und welches Margenziel haben Sie sich mittelfristig gesetzt?

Frank Schübel: Unsere Prognose für das Gesamtjahr 2016 sieht eine deutliche Steigerung der Ertragskennziffern vor. Nominal wollen wir das Ergebnis gegenüber 2015 um mindestens 2 Millionen Euro steigern sowie die Umsatzrendite auf EBIT-Basis um 100 Basispunkte verbessern. Mittelfristig sehen wir eine organische Entwicklung der EBIT-Marge bis zu acht Prozent.

Berentzen hat sich einen Ruf als solider Dividendenwert erworben. Wollen Sie Ihre Dividendenpolitik in dieser Form auch nach dem Ausstieg von Aurelius aufrechterhalten?

Frank Schübel: Sie hinterfragen den Einfluss von Aurelius immer mit einer leicht kritischen Note, wozu auch rückblickend kein Anlass besteht. Denn auch als Aurelius noch die Aktien- und Stimmrechtsmehrheit an der Berentzen-Gruppe hielt, ist der Großaktionär unseren Dividendenempfehlungen immer gefolgt und hat die Gruppe nicht ausgezehrt. Eine positive Dividendenentwicklung analog 2015 ist denkbar, aber wir geben hierzu keine Politik raus. Klar ist, dass wir wissen, dass unsere Aktionäre eine gute Dividende erwarten.

Lassen Sie uns abschließend etwas weiter in die Zukunft blicken: Welche Ziele verfolgen Sie auf mittelfristige Sicht? Wo sehen Sie die Berentzen-Gruppe in fünf Jahren?

Frank Schübel: Bei Nestlé habe ich gelernt, dass man in der Konsumgüterbranche auf Sicht von drei Jahren ganz gut planen kann, alles darüber hinaus würde dem sprichwörtlichen Blick in die Glaskugel entsprechen. Wir werden die strategische Entwicklung der Berentzen-Gruppe in Richtung natürlicher frischer Segmente weiter stärken und ein noch balancierteres Unternehmen mit einer ordentlichen Umsatzrendite sein. Kurz gesagt: eine normale Firma auf voraussichtlich höherem Kursniveau.

 

INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Berentzen-Gruppe
WKN Kurs in € Einschätzung
520160 9,340 Kaufen
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
14,37 2,09 89,66
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,25 19.05.2017 2,68

 

Fotos: Berentzen-Gruppe AG

 


 

berentzen-ceo-frank-schu%cc%88bel-bild-2Frank Schübel trat im November 2012 in den Vorstand der Berentzen-Gruppe Aktiengesellschaft mit Sitz in Haselünne ein. Im Vorstand, dessen Sprecher er seit dem 1. Januar 2013 ist, verantwortet der gebürtige Stuttgarter die Ressorts Marketing, Vertrieb, Produktion & Logistik, Einkauf, Unternehmenskommunikation, Forschung & Entwicklung. Frank Schübel (Jahrgang 1964) war zuvor als Geschäftsführer für die Molkerei Weihenstephan tätig und hatte Führungspositionen bei der Deutschen Bahn AG und der Nestlé AG inne.

 

 



Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.