Asknet – die unbekannte E-Commerce-Aktie mit Uni-Abschluss

Ungewohntes Bild für die Aktionäre von Asknet. Erstmals seit dem Börsengang hat der Anbieter von E-Commerce-Lösungen schwarze Zahlen präsentiert. Großartig herumgesprochen hat sich der Turnaround der Karlsruher freilich noch nicht. Dabei bietet der Micro Cap auf dem aktuellen Kursniveau eine attraktive Chance-Risiko-Kombination. Bedenken sollten potenzielle Investoren jedoch eins: Der Börsenwert von Asknet beträgt lediglich knapp 10 Mio. Euro.

Die Schockwellen der Jahre 2008 und 2011hatten die Notiz der Asknet-Aktie (WKN: 517330) im Tief unter die psychologisch wichtige 1-Euro-Marke gedrückt. Die meisten Anleger hatten das Unternehmen daher wohl bereits abgeschrieben. Doch allmählich dreht die Stimmung. Seit Jahresbeginn hat der einstige Penny Stock bereits um 30 Prozent an Wert gewonnen und tastet sich nun in den Bereich um 2 Euro vor. Zurzeit kostet der Anteilschein 1,70 Euro. Gut 70 Prozent der Asknet-Erlöse von zuletzt knapp 75 Mio. Euro entfallen auf Shoplösungen, über die Softwarefirmen ihre Produkte verkaufen können. Asknet übernimmt hier alle Dienstleistungen – von der Kaufabwicklung bis hin zur Lieferung der Software. Im zweiten Bereich „ePortals“ kümmern sich die Karlsruher um Software-Beschaffungsportale für universitäre Einrichtungen. So nutzen mehr als 80 Prozent der deutschen Universitäten für ihre Softwarekäufe die Portale von Asknet. Wachstumstreiber waren im vergangenen Jahr jedoch klar die Shoplösungen, während sich das Geschäft mit den Akademikern rückläufig entwickelte. Den Erlöskick brachten die Aufträge mit dem Multimedia-Konzern Cyberlink aus Taiwan sowie dem zu Yamaha gehörenden Audio-Softwareanbieter Steinberg Media.

Vor Abzug von Zinsen und Steuern blieben 2012 rund 46.000 Euro als Gewinn (EBIT) hängen. Aber auch unterm Strich zeigte Asket mit knapp 80.000 Euro erstmals schwarze Zahlen und bestätigte den angekündigten Turnaround. „Die im Vorjahr eingeleiteten Kostensenkungs- und Effizienzsteigerungsmaßnahmen haben damit vollumfänglich gegriffen“, schreiben die Analysten von Sphene Capital aus München. Die Basis ist also gelegt, nun will Asknet-Vorstandschef Michael Konrad die Scharte aus dem Unisektor ausbügeln: „Wir sind zuversichtlich, auch mit dem Geschäftsbereich ePortals wieder auf den Wachstumspfad zurückzukehren und im Geschäftsjahr 2013 eine weitere Ergebnisverbesserung im operativen Geschäft zu erreichen.“ Bilanztechnisch steht das Unternehmen noch immer vergleichsweise solide dar. Die Eigenkapitalquote ist mit knapp 35 Prozent zwar nicht unbedingt überdurchschnittlich hoch. Dafür drücken keine Bankschulden. Größte Position sind – mit knapp 3,8 Mio. Euro – Verbindlichkeiten aus Lieferungen und Leistungen. Dennoch zeigt sich, wie sehr die lange Verlustserie an der Bilanz gezerrt hat. Zum Vergleich: Vor fünf Jahren waren die Bordmittel mit 9 Mio. Euro  etwa 2,5mal so hoch wie 2012. Die Eigenkapitalquote betrug 2007 noch mehr als 50 Prozent.

Bezogen auf die einzelne Aktie ergibt sich derzeit ein Buchwert von 0,71 Euro. Dementsprechend beträgt das Kurs-Buchwert-Verhältnis (KBV) 2,4 – ein noch akzeptabler Wert. Wesentlich wichtiger wird es jedoch sein, in welche Ertragsregionen der Vorstand das Unternehmen führen kann. Einen konkreten Ausblick ist Konrad noch schuldig, er setzt jedoch stark auf die Skalierbarkeit des Geschäfts. Sprich: Mit steigenden Erlösen sollten die Gewinne deutlich überproportional zulegen. Boersengefluester.de rechnet für die Jahre 2013 und 2014 mit Ergebnissen je Aktie von 0,07 und 0,13 Euro. Daraus würde sich ein 2014er-Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von knapp 13 ergeben. Die Analysten von Sphene Capital siedeln den 2014er-Ertrag bei 0,19 Euro pro Anteilschein an, was ein einstelliges KGV impliziert. Bemerkenswert ist die Zielmarke von 4,00 Euro. Erst nach 135 Prozent Kursplus wäre die Aktie für Sphene Capital damit fair bewertet. Die nach oben gerichtete Grundtendenz bestätigt, haben die Zahlen zum ersten Quartal 2013. Bei um gut ein Viertel höheren Umsätzen von 20,40 Mio. Euro erreichte das Ergebnis vor Steuern 0,03 Mio. Euro, was um 0,07 Mio. Euro gegenüber dem vergleichbaren Vorjahreszeitraum liegt. Unterm Strich blieb ein Quartalsgewinn in Höhe von 0,03 Mio. Euro stehen. „Wir sind daher zuversichtlich, im laufenden Geschäftsjahr  eine weitere Ergebnisverbesserung im operativen Geschäft zu erreichen“, sagt Asknet-Vorstand Michael Konrad. Die Chancen stehen also gut, dass demnächst weitere Investoren auf den Miniwert aufmerksam werden.

Asknet   Kurs: 1,171 €
INVESTOR-INFORMATIONEN
©boersengefluester.de
Asknet
WKN Kurs in € Einschätzung
517330 1,171 Halten
KGV 2018e KBV Börsenwert in Mio. €
16,73 3,63 5,97
Dividende '16 in € HV-Termin Div.-Rendite in %
0,00 06.07.2017 0,00


Über Gereon Kruse

Gereon Kruse
Gereon Kruse gründete im Mai 2013 die auf Datenjournalismus fokussierte Seite boersengefluester.de. Zuvor war er 19 Jahre bei dem Anlegermagazin BÖRSE ONLINE tätig – von 2000 bis Anfang 2013 in der Funktion des stellvertretenden Chefredakteurs. Sein Spezialgebiet sind deutsche Aktien – insbesondere Nebenwerte. 2016 gewann Gereon Kruse mit boersengefluester.de beim viel beachteten finanzblog award der comdirect bank den Publikumspreis und belegte gleichzeitig noch den 3. Platz in der Jurywertung.

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